Hameln-Pyrmont (sar). Gute Nachrichten in schwierigen Zeiten: Noch wirken sich die Folgen der Corona-Pandemie nicht auf den Betrieb der kommunalen Kläranlagen aus. Die Menschen scheinen sich an die Appelle zu halten, keine Küchentücher oder Feuchttücher in die Toiletten zu werfen! Kurzzeitig war das Problem nämlich entbrannt – in Emmerthal, wo sich die Gemeindeverwaltung daraufhin mit einem Appell an ihre Bürgerinnen und Bürger wandte.

Dass es im Moment keine zusätzlichen Schwierigkeiten gebe, sei aber kein Freibrief, wie Björn Ladage verdeutlicht. Der Leiter des Abwasserbetriebes in Hessisch Oldendorf warnt davor, insbesondere Feuchttücher über Toiletten zu entsorgen – und zwar nicht nur jetzt während der Corona-Krise und der Knappheit an handelsüblichem Toilettenpapier. Feuchttücher würden die Kanalisation verstopfen und sich in den Abwasserpumpen verfangen. Dadurch entstandene Störungen müssten durch enormen Aufwand behoben werden und verursachten natürlich Kosten, die letztlich alle Verbraucher tragen müssten.

Material verfängt sich in den Abwasserpumpen

Ralf Wilde, Vorstand der Abwasserbetriebe Weserbergland, merkt an, dass nicht nur die reißfesten Tücher oftmals für Verstopfungen oder Störungen verantwortlich sind. Desinfektionsmittel beispielsweise seien ebenfalls ein Problem. „Diese verändern die Biologie in der Kläranlage deutlich“, sagt Wilde. Vor allem für kleinere Kläranlagen beziehungsweise Pumpwerke könne dies ebenso wie durch Feucht- und Küchentücher schnell kritisch werden.

In der Kläranlage an der Fischbecker Landstraße in Hameln laufe der Betrieb derzeit wie gewohnt. Auswirkungen durch die Corona-Krise seien noch nicht zu verzeichnen. „Es ist der normale Wahnsinn“, meint Wilde, der sich dem Appell von Norman Kunze anschließt. Der Leiter der Kläranlage Emmerthal hatte vor wenigen Tagen öffentlich und eindringlich darauf hingewiesen, dass Feuchttücher und Küchenrollen nicht in die Toilette gehören. Aber es gab manchen Fall, in dem Bürgerinnen und Bürger scheinbar keine andere Wahl hatten, weil sie in keinem der Supermärkte noch Toilettenpapier kaufen konnten. So behalfen sie sich anders…

Hersteller von Feuchttüchern und Kläranlagenbetreiber sehen die Problematik unterschiedlich: Auf den Packungen steht „Schnell wasserlöslich“ und „Wegspülbar“. Lange Stränge von Feuchttüchern in Kanälen würden laut Anlagenbetreiber ein anderes Bild abgeben.