Hameln-Pyrmont (mes/ey). Deutschland im Corona-Lockdown. Das bedeutet auch: Deutschland im Kultur-Lockdown! Die Hoffnung vieler Veranstalter, im Frühling richtig durchzustarten, ist gedämpft. Wo jetzt auf Bühnen und in Kinosälen nichts los ist, wird die Zeit einerseits planerisch genutzt und andererseits in Lauerstellung auf finanzielle Hilfen verbracht, die noch nicht überall geflossen sind. Zum Beispiel für das Theater Hameln.
Laut Theaterchef Wolfgang Haendeler sind dem Theater Fördergelder des Programms „Neustart Kultur“ in Aussicht gestellt worden, die aus dem Dachverband INTHEGA (Interessengemeinschaft von Theatern mit Gastspielbetrieb) zu erwarten wären. Bislang hat aber noch kein Cent den Weg in die Kasse des Hamelner Spielhauses gefunden. Das Warten geht weiter, hat aber mit Verharren nichts zu tun, denn die kulturelle Planung läuft auf Hochtouren. „Wir versuchen, die seit November bis jetzt abgesagten Veranstaltungen möglichst in die noch laufende Spielzeit oder die Spielzeit 2021/22 zu verlegen“, sagt Haendeler. Derweil müssten natürlich alle Abonnenten über Terminverschiebungen und -absagen laufend informiert werden. Und überhaupt: „Wir sind ja gerade auch in der Hochphase zur Planung der Spielzeit 2021/22, bereiten das umfangreiche Spielheft vor“, so Dramaturgin Ilka Voß.
Immerhin – und das ist ein schöner Beweis für die neuen Wege, die sich Kulturschaffende in dieser Zeit der Krise gebaut haben – ist der virtuelle Adventskalender nach dem Kinderbuch „Du spinnst wohl!“ von Kai Pannen im Dezember (zum Teil 60 000 Klicks pro Tag) Anlass, im Rahmen der Theaterpädagogik ein neues mehrmonatiges virtuelles Format für Grundschulkinder zu erarbeiten. Hier geht es nicht nur um hohen Bildungs- und Unterhaltungswert, sondern auch um die Zusammenarbeit mit Schulen. In Planung ist ein Hörspiel nach einem englischen Fantasy-Klassiker. Und sonst? Die Sanierung der Trinkwasseranlage (geplant für den Sommer 2021) mit umfangreichen Schlosserarbeiten im Keller des Theaters steht bald an. Auch soll das TAB (Theater auf der Bühne) neue Bestuhlung erhalten – in der Hoffnung, dass sie auch so schnell wie möglich wieder gebraucht wird…
Künstlersuche diesmal via Videoeinspielung
In Sachen Kultur breit aufgestellt ist seit Jahren das Staatsbad Pyrmont. Konzerte, Lesungen, Kleinkunst, Messen, Festivals, Theater – das Jahr ist üblicherweise gespickt mit Veranstaltungen jedweder Couleur. Um auch die entsprechenden Künstler an Land zu ziehen beziehungsweise neue zu entdecken, zieht es Marketing- und Veranstaltungsleiterin Silke Schauer jeden Januar nach Freiburg. Dort findet jeweils mehrtägig die IFK statt, die Internationale Kulturbörse, die Künstler und Veranstalter zusammenbringt. In normalen Zeiten jedenfalls.
„In diesem Jahr gab es die Messe erstmals virtuell“, sagt Silke Schauer. Drei Tage lang habe das Staatsbad an diesem Angebot teilgenommen. „Künstler, die ich sonst live auf den Bühnen vor Ort gesehen habe, habe ich mir diesmal per Video angeschaut.“ Es habe auch Live-Webinare zu Themen wie Vertragsgestaltung in Coronazeiten oder strategische Planung sowie informative Vorträge gegeben. „Sehr spannend war auch ein virtuelles Forum über das Kulturförderungsprogramm des Bundes für den öffentlichen Raum – sprich: Straßentheater und sämtliche Formate, die draußen stattfinden“, ergänzt Silke Schauer. Zwölf Projekte seien vorgestellt worden, die sich derzeit aber noch in der Entwicklungsphase befinden. Zwei davon könnten für Bad Pyrmont interessant sein, meint sie. Eventuell würden sie 2022 im Kurpark umgesetzt.
Ansonsten ist Silke Schauer vor dem Hintergrund des anhaltenden Kultur-Lockdowns erleichtert, dass das Staatsbad von vornherein bis April keine größeren Events geplant hatte. „So müssen wir jetzt erst einmal nichts verschieben“, sagt sie. Nichtsdestotrotz schaue man schon in die nähere Zukunft, starten demnächst doch Planungen zu Konzepten, wie der diesjährige Goldene Sonntag realisiert werden könnte. „Das ‚Kleine Fest‘ haben wir ja auch schon anders geplant – vom 30. Juli bis 1. können an drei Tagen maximal 200 Besucher im Kurpark auf drei Bühnen jeweils zwei hochkarätigen Shows erleben. So könnte auch der Goldene Sonntag an ein anderes Format angepasst werden.“ Derzeit wird intern an einem neuen Konzept gefeilt.
Ganz anders sieht der derzeitige Tagesablauf für Torben Scheller aus. Der Chef der Kronen-Lichtspiele in Bad Pyrmont müsse zusehen, wie er das Kino retten kann. Er vertiefe sich fast ausschließlich in die Regelungen der potenziellen Hilfsprogramme von Bund und Land – die Regeln seien oft doch sehr verwirrend. „Und so sitze ich täglich über entsprechenden Anträgen, damit Geld in die Kasse kommt“, sagt er. Trotzdem sei er froh, in diesen Zeiten in Deutschland zu leben. „Hier haben wir wenigstens die Chance, nach der Pandemie überhaupt noch ein Kino zu haben!“
Finanzielle Hilfen für die Kronen-Lichtspiele
Mittlerweile seien die finanziellen Hilfen für November eingetroffen. „Das ist sehr hilfreich“, meint er. Denn wenn die Lichtspiele wieder öffnen dürfen, beginne wahrscheinlich die Saure-Gurken-Zeit. Die Sommermonate seien eben einfach keine Kino-Monate. Angekündigte Blockbuster würden immer wieder verschoben, wie zum Beispiel der neue James Bond („Keine Zeit zu sterben“), der nun erst mit fast zwei Jahren Verspätung im Herbst anlaufen soll. Trotzdem wagt Torben Scheller eine positive Prognose: „Ich sehe gute Chancen, dass die Kronen-Lichtspiele in Bad Pyrmont diese schwierige Zeit überstehen werden.“