Hameln-Pyrmont (ul). In unserer schnelllebigen Zeit werden alte Radios oft gegen neue digitale Empfangsgeräte ausgetauscht. Entsorgt werden können die alten Geräte über den Handel oder bei der KreisAbfallWirtschaft (KAW). Natürlich wissen die Mitarbeiter grundsätzlich nicht, ob die alten Schätze, die bei ihnen abgegeben werden, noch funktionieren, wie der stellvertretende Betriebsleiter, Ulrich Kaufmann, berichtet. „Fest steht aber: Wer sein Gerät beim Sperrmüll für die Elektroschrottsammlung anmeldet und es vor die Haustür zur Abholung stellt, bleibt solange Eigentümer, bis es die Mitarbeiter der KAW aufladen“, sagt Kaufmann.
Mit anderen Worten: Wer beim Sperrmüll auf Schnäppchenjagd geht und ein Gerät von der Straße mit nach Hause nimmt, um es auszuprobieren, macht sich strafbar, „weil der Eigentümer mit der Bereitstellung eine geordnete Entsorgung über die KAW veranlasst hat“, so Kaufmann weiter. Bedeutet also: nicht ohne Zustimmung des Eigentümers den Apparat mitnehmen, sonst ist unter Umständen mit einer Anzeige zu rechnen.
Wer dagegen den Eigentümer ausfindig macht und fragt, kann sogar erfahren, ob das Maschinchen noch funktioniert.
Ulrich Kaufmann empfiehlt den Eigentümern, funktionierenden Altgeräten anstelle einer Entsorgung „ein zweites Leben“ zu ermöglichen. Deshalb rät er auch, diese „Schätzchen“ zum Beispiel dem Zweiten Markt in Hameln oder den Recyclinghöfen der AIBP in Bad Pyrmont oder der AIBM in Bad Münder zur Verfügung zu stellen.
Aus seiner eigenen Erfahrung freuen sich gerade Senioren, die sich mit neuer Technik schwertun, über ein „neues altes Radio“. Er hat auch schon sein altes „Saba“-Radio in seinem Wohnort verschenkt. „Ältere Menschen sind daran gewöhnt, den Ein-/Aus-Schalter zu bedienen, sie verlassen sich auf UKW und den Sendersuchlauf, die Tonqualität ist ihnen dabei nicht so wichtig“, weiß Kaufmann. „Gleichzeitig gibt es viele Möglichkeiten, die Apparate für alte Menschen funktionsfähig zu machen, beispielsweise mit einem Zwischenschalter, den die Senioren nur drücken müssen, wenn sie im Bett liegen, um sie an- oder auszuschalten.“ Das hat Kaufmann schon getan und damit eine Seniorin sehr glücklich gemacht.
Neben Fachwerkstätten bietet zum Beispiel das Reparaturcafé beim Mehrgenerationenhaus in der Meißelstraße 12 bis 16 in Hameln Hilfe an: Die dortigen Tüftler versuchen gern, kleine Fehler an den Anlagen aus alter Zeit zu beheben. Ihren Wert kennt nur der, der vor dem Digitalzeitalter aufgewachsen ist und damals daraufhin fieberte, mit seinem Taschengeld oder dem ersten Lohn eines der neuesten Radios von Telefunken aus Hannover, Blaupunkt aus Hildesheim, Nordmende aus Bremen oder Philips aus Eindhoven zu ergattern. Das war ein richtiger Wettbewerb unter den jungen Menschen der Nachkriegsgeneration. Wer ein Loewe-Opta (Berlin, später Kronach) oder ein Gerät von Braun (Frankfurt) sein Eigen nannte, gehörte schon zu den Designspezialisten.
Eine kleine Reise durch die Marken-Landschaft
Auch die Marke Dual der Gebrüder Steidinger aus St. Georgen im Schwarzwald war ein zuverlässiger deutscher Hersteller, beispielsweise in den 1950er-Jahren mit dem Phonokoffer mit eingebautem Lautsprecher und Verstärker. Ebenso Saba – die Abkürzung steht für Schwarzwälder Apparate Bau Anstalt – aus Villingen von August Schwer und Söhnen. Ab 1926 bot das Unternehmen Radiobausätze an, bevor es 1927 begann, komplett selbst herzustellen. Bis in die 1980er zählte noch „Made in Germany“ – und heute wieder zunehmend.
Überhaupt gerät Ulrich Kaufmann ins Schwärmen über alte Stereoanlagen beispielsweise von Dual, Saba, Telefunken oder Grundig, die für die Enkel vielleicht keine Bedeutung mehr haben, mit denen aber Menschen seiner Generation aufgewachsen sind, für die sie bisweilen all ihr Geld zusammengespart hatten. Hightech-Anlagen und Designobjekte aus der damaligen Zeit fänden noch heute ihre Abnehmer, das könne man im Internet bei Ebay sehen. Überhaupt: Wer mehr über sein altes Gerät wissen will, kann sich schlaumachen unter www.radiomuseum.de.
Sollte ein Gerät nicht mehr funktionieren, so wendet sich Kaufmann an Fachwerkstätten vor Ort, wo mit Sachverstand repariert werde. Selbst wenn Ersatzteile nicht mehr vorrätig sind, können diese vielfach beschafft werden. Röhren gibt es noch über das Internet, neu hergestellt in Russland und China.
Gerade mit der Hochwasserkatastrophe wird vielen der Nutzen althergebrachter Technik klar, die noch mit Batterie betrieben werden kann. Denn wenn Netze und Strom ausfallen, können die Menschen über diese alten Empfänger Nachrichten weiterhin erhalten.