Aerzen / Schwöbber (sbr). Viele der „Schätzchen“, die Detlef Zimmermann aus Schwöbber liebevoll und mit viel Hingabe wieder zum Laufen bringt, sind deutlich älter als er selber. Der Aerzener ist von Beruf Kfz-Mechaniker, Baujahr 1955 und schraubt auch in seiner Freizeit – aber nicht vorwiegend an Fahrzeugen, sondern an Radios und Fernsehgeräten der ersten Stunde und bringt die verstaubten Boden- und Kellerfunde wieder zum Klingen. Mittlerweile hat seine umfangreiche Sammlung mit angeschlossener Hobby-Werkstatt eine ganze Etage im Eigenheim eingenommen. Und selbstverständlich sind alle Geräte auf Knopfdruck auch spielbereit.
„Sweet dreams of rhythm and dancing“ tönt es aus dem Lautsprecher. An der Wiedergabe des Dancefloor-Hits von Melanie Thornton und „La Bouche“ aus den 1990er-Jahren ist zwar klangtechnisch nichts auszusetzen, aber irgendwie passt elektronische Tanzmusik einfach nicht zum Rundfunkempfänger aus den 1950er-Jahren, einer Saba W5-Truhe „Schwarzwald“.
Detlef Zimmermann holt eine Glenn-Miller-Schallplatte aus ihrer Hülle, legt sie auf den Plattenteller, und der Tonarm sorgt prompt für einen harmonischen Einklang zwischen Abspielgerät und Musikrichtung. Das klangstarke Musikmöbel begleitet ihn nun schon sein ganzes Leben. Weihnachten 1955 wurde das gute Stück von seinen Eltern gekauft. Der eingebaute Plattenspieler sorgte für Partymusik und die Bässe dröhnten im Haus. „Vier Umzüge hat das Radio mitgemacht. Beim fünften Umzug 1972 schenkte es mir mein Vater und seitdem ist sie in meinem Besitz“, berichtet er.
Radios und deren Technik haben ihn schon als Zwölfjähriger interessiert und die Truhe bildete den Grundstock seiner heutigen Röhrenradio-Sammlung. „Über 140 Radios aus der Vorkriegs- und Nachkriegszeit haben sich im Laufe der Zeit angesammelt. Die meisten habe ich wieder spielfähig gemacht und erfreuen mich mit ihrem schönen Klang sowie den wunderschönen Holzgehäusen“, erklärt der Sammler und leidenschaftliche Hobby-Radio- und Fernsehtechniker.
Das älteste Schätzchen aus seiner Radio-Sammlung kam 1928/29 auf den Markt, das modernste Exemplar im Hause Deike-Zimmermann ist ein Internet-Radio, das sich seine Frau Angelika zugelegt hat, erzählt Detlef Zimmermann.
Kein Autodidakt in Sachen Radio- und Fernsehtechnik ist Heinrich Brehmeier. Seinen Meisterbetrieb mit Elektrofachgeschäft besteht bereits seit drei Generationen und kann im übernächsten Jahr bereits auf ein Jahrhundert Firmengeschichte zurückblicken. Im Zuge der HALLO-Aktion „Radio-Schätze – Ein Sommer voll Musik“ hat Heinrich Brehmeier nicht nur einen Einblick in seine umfangreiche Sammlung nostalgischer Radios gewährt, er hat auch in alten Fotoalben geblättert und ist dabei auf ein besonderes Foto gestoßen. Es zeigt seinen Vater mit dessen Schwester 1926 mit einem „Radio Nora PK Einröhren-Audion mit Rückkopplung“.
„Man beachte die Kopfhörer, die mein Vater und seine Schwester aufhaben“, lenkt der Aerzener den Blick auf ein technisches Accessoire, das auch heute wieder groß in Mode ist. Das Gerät befindet sich auch nach 95 Jahren immer noch in Familienbesitz. Und noch eine Besonderheit: Das Foto wurde, wie zur damaligen Zeit üblich, mit einer Plattenkamera gemacht und das Negativ existierte noch auf einer Fotoplatte aus Glas. „Ich musste erst einmal ein Fotogeschäft ausfindig machen, dass das leicht beschädigte Glasplattennegativ noch entwickeln konnte“, berichtet der Aerzener. Dass am 31. Dezember 2015 hierzulande der letzte deutsche Mittelwellensender abgeschaltet wurde, bedauern sowohl Zimmermann als auch Brehmeier. Und so funktioniert das kleine schwarze Radio mit dem stylischen Kopfhöher auch nur rein theoretisch einwandfrei, muss Heinrich Brehmeier einschränken. Das Alte zu bewahren und dem Neuen aufgeschlossen zu sein, ist sein ganz persönliches Anliegen und die Philosophie seines Meisterbetriebs.