Bad Pyrmont (mes). Der vergangene Sommer war wie kein zweiter – auch in Sachen Kultur. Für die Veranstaltungsabteilung des Staatsbades Pyrmont stellte die Zeit ein Spagat zwischen Machbarem und Unmöglichem dar, zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Zu- und Absagen. Eins war dem Team aber von Anfang an wichtig: den Gästen Kultur zu bieten – in welcher Form auch immer. Ideenreichtum lautete dabei das Stichwort.

Corona-Bedingungen und -Auflagen, die sich oftmals wöchentlich änderten, machten es Marketing- und Veranstaltungsleiterin Silke Schauer und ihren Kollegen nicht gerade leicht zu planen. Einlasskontrollen regeln, Saalpläne anpassen – „alles war für uns ein Mehraufwand“, sagt Schauer. Immer wieder nach neuen Lösungsmöglichkeiten zu suchen, habe Zeit gekostet. Aber es habe sich eben auch gezeigt, dass vieles möglich ist, wenn man nur will und alle Beteiligten an einem Strang ziehen. „Wir haben einfach immer alles angesetzt, was nach den jeweils gültigen Bestimmungen erlaubt war, und uns von Verordnung zu Verordnung gehangelt“, resümiert Schauer den vergangenen Pyrmonter Sommer. Die Platz-Kapazitäten seien stets eingeschränkt, die Veranstaltungen aber immer „sehr gut verkauft bis ausverkauft“ gewesen, freut sie sich.

Not macht erfinderisch – so könnte man vor allem die Umsetzung der beliebten Traditionsevents umschreiben: Das „Kleine Fest“ wurde kurzerhand aufgeteilt – das neue Format beinhaltete drei feste Locations im Kurpark, die dreimal täglich bespielt wurden. „Ich bin dankbar, dass wir hier mit unserer Geschäftsführung und Organisator Harald Böhlmann zeitig diese Entscheidung treffen und das Fest sicher durchführen konnten.“ Das Angebot sei gut angenommen worden, „aber nicht so gut wie das klassische Format“, räumt Silke Schauer ein. Schließlich lebe das Kleine Fest von dem besonderen Charme, dass sich die Besucher im Park frei bewegen und auch ihr eigenes Picknick mitbringen dürfen. Daher plane das Staatsbad für kommendes Jahr auch wieder mit dem Originalformat. Karten gibt‘s bereits im Vorverkauf.

Auch der Goldene Sonntag sah in diesem Jahr ein wenig anders aus, Corona-konform eben. So wurde das Traditionsevent in ein Goldenes Wochenende umfunktioniert. An drei Tagen konnten die Besucher Bands, Walk-Acts, Kleinkunst und Feuershows a erleben. Dieses Alternativ-Format sei laut Schauer „sehr, sehr gut angenommen“ worden, die Karten seien weggegangen wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. Einziger Wermutstropfen: Die Illumination konnte nur im Kleinen stattfinden – was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. „Es war ein schöner Kompromiss, der super funktioniert hat.“ Und Silke Schauer gibt auch gleich einen Ausblick auf 2022: „In den nächsten Wochen werden wir mit der Geschäftsführung und allen beteiligten Gewerken im Staatsbad überlegen, was bezüglich des Goldenen Sonntags zukünftig das richtige Format und der passende Rahmen ist.“

Stiller Abschluss mit „Großer Reise“

Eine Veranstaltung, die ebenfalls aufgrund von Corona geschoben werden musste, war die „Große Reise“, ursprünglich für Juni geplant, nun aber erst am vergangenen Wochenende realisiert. Daraus ist sogar ein Vorteil entstanden: Da es früher dunkel wurde, konnten die Tausenden von Kerzen viel früher ihren Schein entfalten. „Der Herbststurm war natürlich eine Herausforderung“, fügt Silke Schauer hinzu. Alle Lichter aufzustellen und zum Brennen zu bringen, sei am Freitag nicht so einfach gewesen. „Der Samstag war dann aber wieder ruhig und die Gäste fasziniert von der Reise durchs Lichterlabyrinth. Damit haben wir die Saison poetisch-romantisch beendet – ein stiller Abschluss, der uns jetzt in die Adventszeit entlässt.“

Die Veranstaltungsleiterin zieht das Fazit: „Jede Krise hat ihre Chance. Wir werden aus dieser Erfahrung lernen und diese Flexibilität auch in Zukunft nutzen.“ Denn sie habe festgestellt, dass sich potenzielle Gäste in Corona-Zeiten viel kurzfristiger für eine Veranstaltung entscheiden würden. Daher werde es auch für 2022 kein Jahresprogramm im Heftformat geben, sondern – wie bereits in diesem Jahr – einen Highlightflyer. Weitere Ankündigungen, wie zum Beispiel für das „Gesund & Glücklich“-Programm, sollen von Monat zu Monat digital, im Kurjournal und über die Presse erfolgen.

Und so bleibt die Dankbarkeit – dafür, dass so viele Veranstaltungen doch stattfinden konnten und auch für das Feedback der Gäste und Besucher. „Es war schon sehr berührend, wenn Menschen auf mich zukamen und sich bedankten für das Möglichmachen von Kultur“, zeigt sich Silke Schauer ein wenig ergriffen. Mit dieser Bestätigung geht‘s nun in die Planungen für ein neues kulturelles Jahr 2022 – das wiederum neue Herausforderungen mit sich bringt, werden doch Kurtheater und Konzerthaus für Veranstaltungen nicht zur Verfügung stehen. „Wir werden uns auf Open Airs und die Wandelhalle konzentrieren“, sagt Schauer.