Weserbergland / Hessisch Oldendorf (mbr/ey). Ein Feld zu „striegeln“ bedeutet, mit mehr Arbeit und höherem Aufwand im Ackerbau dasselbe Ernteergebnis erzielen zu wollen, ohne Herbizide (chemische Unkrautbekämpfung) zum Einsatz bringen zu müssen. Darum geht‘s beim Feldversuch in Hessisch Oldendorf, wo auf der Versuchsfläche von Landwirt Christian Meier-Söffker und seinem Bruder Felix über 20 Landwirte und Experten aus der Region zusammenkamen, um das Konzept „Finka“ genauer unter die Lupe zu nehmen.

Finka steht für: „Förderung von Insekten im Ackerbau“. Das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt will Lösungsstrategien zur Förderung der Biodiversität von Insekten in der Agrarlandschaft erarbeiten und damit innerhalb der Landwirtschaft eine breite Diskussion anstoßen. In Niedersachsen verzichten 30 konventionell arbeitende Landwirte auf ihren Versuchsflächen auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM), die gegen Schädlinge und Unkräuter eingesetzt werden. Beraten werden sie von ökologisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen.

„Miteinander voneinander lernen und schauen, wie Insektenschutz besser geht“, so formuliert Marie Brinkmann, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Landvolk Niedersachsen, Bauernverband Weserbergland, diese Vorgehensweise. Gräser und Kräuter wie beispielsweise Ackerfuchsschwanz oder Windhalm, die eine große Konkurrenz zum Getreide darstellen, werden salopp gesagt normalerweise „weggespritzt“. In diesem Fall ist das aber nicht so.

Zur Veranschaulichung wurde beim Feldtag auf der Versuchsfläche im Raum Hessisch Oldendorf der Striegel vorgestellt – ein Arbeitsgerät, mit dem ganz klassisch mechanisch die Beikräuter entwurzelt werden. Georg Meier-Köpke, der das Projekt als ökologisch wirtschaftender Betrieb unterstützt, stellte den Striegel vor. Nachteil: Bei der Bearbeitung wird auch ein Teil der Fruchtpflanzen (zum Beispiel Getreide) entwurzelt; diese Einbußen können nur durch Mehraussaat aufgefangen werden.

Aber der Aufwand der mechanischen Unkrautbekämpfung lohnt, denn obgleich mehr Investitionen für das Saatgut einzuplanen sind, muss kein Geld mehr für Herbizide ausgegeben werden. Und: Wo keine chemischen Mittel ausgebracht werden, steigt die Dichte wertvoller Insekten wie etwa Wildbienen. Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander König (ZFMK) aus Bonn führt auf den Finka-Versuchsflächen die Evaluation von Biodiversität und Verhalten der Insekten über den Projektzeitraum durch. Dr. Svenja Bänsch stellte die speziellen Fallen und Nisthilfen vor, durch welche die Veränderung in Anzahl und Art der Insekten beobachtet werden kann. Aufgrund des bisher kurzen Projektzeitraums rechnet sie mit konkreten Ergebnissen Anfang des nächsten Jahres.

Vinzenz Spengler, Biolandberater der Meier-Köpke GbR vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH, erläuterte im Anschluss die Auswirkungen unterschiedlicher Bearbeitungsmethoden durch Hacke und Striegel mit und ohne den Einsatz von chemischer Unkrautbekämpfung (Herbiziden). Mit den Ergebnissen soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Agrarlandschaft reduziert und alternativ die Attraktivität praktikabler, insektenfreundlicher Anbaumethoden herausgestellt werden.