Hameln-Pyrmont (ey). Mit den stark steigenden Energiepreisen kommt der Schimmel: Falsches Heiz- und Lüftungsverhalten führt zu nachweislich mehr Feuchtigkeitsschäden in vielen Wohnungen. Der Grund: In Räumen, die selten genutzt werden, bleibt die Heizung kalt und das Fenster zu. Die Folge: Die Temperatur fällt bisweilen zu weit (unter 16 Grad Celsius), sodass die Luft kondensiert. Die Feuchtigkeit bleibt im Raum. Schimmel entsteht! Umso intensiver klären Vermieter zurzeit über richtiges Heizen und Lüften auf, weil von ihren Mietern öfter als bislang das Argument von Baumängeln wie aus dem Nichts gezaubert wird. Natürlich gibt es auch die – aber oftmals haben Schimmelprobleme ihren Ursprung im täglich falschen Verhalten.

Im Januar sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Energiepreise für private Haushalte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20,5 Prozent gestiegen. „Damit steigen auch die Kosten des Wohnens für Selbstnutzer und Mieter beunruhigend rasant. Die neue Bundesregierung muss jetzt ihren Fokus dringend auf die Energiepreise richten und Abhilfe schaffen“, fordert Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke.

Auch der Geschäftsführer von Haus & Grund Hameln und Umgebung, Klaus Dieter Neumann, sieht dringenden Handlungsbedarf – und bestätigt, dass Schimmelprobleme neuerdings öfter auftreten. Sein dringender Rat: „Jeden Raum heizen, auch solche Zimmer, die man nicht zu warm haben möchte. Bestes Beispiel ist das Schlafzimmer. Es ist okay, wenn es mit 16 bis 17 Grad Celsius recht kühl gehalten wird, aber die Heizung darf dafür nicht ganz abgeschaltet werden. Und die Türe muss zu sein. Denn wenn sie geöffnet ist, dringt wärmere Luft aus höher beheizten Räumen wie zum Beispiel Wohnzimmer hinein. Wärmere Luft kann Feuchtigkeit besser transportieren!“

Drohende Folge an den kühlen Wänden im Schlafzimmer: Die Tapete feuchtet an, Schimmel entsteht, weil die Pilzsporen Nahrung in Papier und Kleister finden. Übrigens: Mitgliedern von Haus & Grund bietet Klaus Dieter Neumann auch an, spezielle Messverfahren für Luftfeuchte, Wandfeuchte und mehr durchzuführen, um möglichem Schimmel auf die Schliche zu kommen.

Derweil schlagen sich unterschiedlichste Vermieter in Hameln-Pyrmont mit Schimmelproblemen herum. Nicht immer exorbitant, aber deutlich öfter als vor der rasant sich entwickelnden Preisspirale für Heizenergie. „Bei der Hamelner Wohnungs-Gesellschaft HWG erhalten alle Mieter ein umfangreiches Lüftungskonzept“, sagt Sarah Müller, Assistentin der Geschäftsführung. Ist Schimmel entstanden, ohne dass äußere Einflüsse und Baumängel festgestellt worden sind, erfolge eine Beratung zum „Stoßlüften“ und zur Regulierung der Heizkörper-Thermostate. „Eine gleichmäßige Beheizung und ein regelmäßiges Durchlüften sind der Gesundheit und dem gesunden Wohnen zuträglich“, appelliert Sarah Müller an alle HWG-Mieterinnen und Mieter.

Ähnliches Szenario bei der Wohnungsgenossenschaft Hameln (WGH): Auch Gerd Hundertmark, Vorstand der WGH, bestätigt: „Natürlich handelt es sich nur um einen vergleichsweise geringen Prozentsatz unserer Mieter, die hier fehlerhaft handeln. Aber in der Tat haben sich in den vergangenen Monaten die Anfragen gehäuft, dass es Schimmelprobleme gibt – und in fast allen Fällen wurde klar, dass nicht ausreichend gelüftet und geheizt wurde.“ Grund: der massive Wunsch, schnell Energie – und dementsprechend Geld – einzusparen. Aber die Sache ist komplizierter.
Denn wer die Heizung in wenig genutzten Räumen ganz abstellt und nicht lüftet, erlebt ein grünschwarzes Schimmelwunder.

Richtig lüften bedeutet mehrfach täglich stoßlüften

„Richtig lüften bedeutet mehrfach täglich stoßlüften, nicht dauerhaft kipplüften“, rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen. So wird die Luft im Raum schnell ausgetauscht, ohne dass die Wände innen auskühlen. Grundsätzlich gilt: Es ist mehr Energie notwendig, um kalte Räume wieder aufzuheizen, als eine Mindesttemperatur zu halten. Kalte Luft kann zudem Luftfeuchtigkeit weniger gut aufnehmen, was zu feuchten Wänden führt. So muss unbedingt gelten, jeden Raum zu heizen und zu lüften. Die Mindesttemperatur sollte 16 Grad Celsius nicht unterschreiten.

Auch der Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer sieht darin einen wesentlichen Grund für Schimmelbildung. „Kalte Luft kann weniger Wasser aufnehmen als warme, daher sollte (…) auch in Schlafräumen die Temperatur nicht unter 16 °C sinken, weil es sonst zur Kondensation von Feuchtigkeit kommen kann. Temperieren Sie (…) auch ungenutzte Räume, um Schimmelbildung vorzubeugen“, heißt es in einem Haus & Grund-Infobrief.