Hameln-Pyrmont (ey/hek). Wenn Bäume und Sträucher aus der Weser wachsen, dann ist dies ein deutliches Zeichen für Hochwasser. Dort, wo das noch kahle Geäst aus den braunen Fluten herauslugt, ist normalerweise Land und Uferzone… Der Weserpegel ist aufgrund der starken Niederschläge binnen weniger Tage angeschwollen. Nicht bedrohlich, so doch aber immerhin bemerkenswert stellt sich die Situation für manchen Anrainer dar.
Beispielsweise kümmerte sich Manush Gerbeshi, Betreiber des Campingplatzes in Hameln, der sich in direkter Ufernähe befindet, schon vor einigen Tagen intensiv darum, zu sichern, was zu sichern ist. In der Domäne Hagenohsen indes muss sich scheinbar niemand große Sorgen machen, denn sie liegt doch noch ein Stückchen höher. Und doch: Die Burg am großen Strom – was wie der Titel eines Bestseller-Romans klingen könnte, ist auch eine perfekte Umschreibung für dieses prägende Bauwerk.
Jedenfalls zurzeit. Denn dass die Weser im Vergleich zu anderen Flüssen kein besonders großer und wenig schiffbarer Strom ist, ist bekannt. Jetzt aber, nach all dem Regen und den Orkantiefs, die über das Land gezogen sind, ist die blaue Ader der Region bedrohlich angeschwollen. Und übrigens: So weit hergeholt ist der Eindruck einer „Wasserburg“ ja nicht. Denn die heutige Staatsdomäne war einst wirklich eine Wasserburg und lag vor über 1000 Jahren nicht nur am jetzigen Weserbett, sondern wurde an ihrer Nordseite von einem Weserarm umgeben. So weckt das Hochwasser Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, und noch liefert der weit über seine Ufer getretene Fluss verlockende Fotomotive.
Doch Vorsicht ist geboten: Auch wenn die Niederschläge nicht mehr so heftig sind wie in der abgelaufenen Woche, bleibt der Pegel hoch, weil Schmelzwässer aus dem Harz hinzukommen. So muss das 96 Meter lange Schiff „Nicolaas van der Wees“ – für die Oberweser ohnehin eine ungewöhnliche Größe – gleich hinter der Hamelner Schleuse vertäut bleiben. Es hatte, wie berichtet, einen und 360 Tonnen schweren Transformator bis nach Bodenwerder gebracht. Die Rückfahrt ist zurzeit aber gestoppt; aufgrund des Hochwassers ist eine Durchfahrt unter der Thiewallbrücke nicht möglich. Nun ja, immerhin mal eine Gelegenheit für schiffsentwöhnte Hamelner, einen Blick auf das Riesending zu werfen. Kommt ja hier selten genug vor, ist ja fast schon ein Sensatiönchen.