Hameln-Pyrmont / Holzminden. Der Leiter der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden, Polizeidirektor Matthias Kinzel, und die Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes, Polizeioberrätin Dilek Baydak-Stadelmann, haben jetzt die Polizeiliche Kriminalstatistik 2021 ihrer Inspektion bekanntgegeben. Demnach sank die Gesamtzahl der registrierten Straftaten in der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden von 11.226 auf 10.554 Fälle, ein Rückgang um 5,99 Prozent.
Die Strafverfahren teilen sich zwischen den Landkreisen wie folgt auf: Landkreis Hameln-Pyrmont 7.155 (2020: 7.879); Landkreis Holzminden 3.399 (2020:3.347). Die Aufklärungsquote ist von 74,39 auf 72,14 Prozent leicht gesunken (-2,25 Prozent). Mit dieser Quote „liegen wir 8,07 Prozent über dem Landesdurchschnitt (64,07 Prozent) und können als Inspektion mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sein“, kommentiert der Leiter der Polizeiinspektion den Spitzenwert.
Wie sicher eine Region ist, ergibt sich aus der sogenannten Häufigkeitszahl (HZ) als bundesweit bedeutender Kennzahl zur objektiven Messbarkeit der Sicherheit beziehungsweise der Kriminalitätsbelastung. Es handelt sich hierbei um die Anzahl der registrierten Straftaten theoretisch hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Für den Landkreis Hameln-Pyrmont lag die HZ im Jahre 2021 bei 4.816 (2020: 5.304) und für den Landkreis Holzminden bei 4.841 (2020: 4.750). Dazu die Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes, Polizeioberrätin Dilek Baydak-Stadelmann: „Das Sicherheitsniveau innerhalb unserer Inspektion ist weiter gestiegen und liegt im Vergleich deutlich über dem Landesdurchschnitt. Damit ist das Weserbergland mit beiden Landkreisen eine der sichersten Regionen Niedersachsens.“
Die Deliktsgruppen setzen sich 2021 prozentual wie folgt zusammen: Im Bereich der Eigentumsdelikte liegt die Anzahl erfasster Straftaten bei 2.539 (2020: 2.671), ein Rückgang von 132 Taten. Die Aufklärungsquote liegt bei 40,29 Prozent und damit über der des Landes Niedersachsen mit 34,67 Prozent. Im Deliktsbereich Wohnungseinbruchdiebstahl (WED) und Tageswohnungseinbruch (TWE) gingen die Fallzahlen um 32 Taten zurück. Die Aufklärungsquote liegt bei 27,05 Prozent und ist damit auf demselben Niveau wie die des Landes mit 27,85 Prozent.
Rohheitsdelikte (Körperverletzungs-, Raub- und Freiheitsdelikte) machen innerhalb aller Deliktsgruppen einen Anteil von 19,37 Prozent aus. Sie nahmen um 33 Taten zu und liegen 2021 bei 2.044 (2020: 2.011). Die Aufklärungsquote im Bereich der Rohheitsdelikte ist um 0,58 Prozent gestiegen und liegt bei sehr guten 94,28 Prozent.
Im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 83 Straftaten mehr registriert als 2020 – eine Zunahme um 32,42 Prozent. Hier konnte eine hohe Aufklärungsquote von 95,87 Prozent erreicht werden (2020: 94,92 Prozent).
Im Deliktsbereich Straftaten gegen das Leben wurden insgesamt neun Straftaten in der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden bearbeitet. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 45 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt bei 81,82 Prozent. Der Anteil der Tötungsdelikte an den Gesamtstraftaten ist um 0,08 auf 0,10 Prozent gesamt gesunken.
Der Gesamtanteil aller Straftaten im Deliktsbereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,26 Prozent auf 16,50 Prozent gesunken. Es wurden 1.741 Straftaten registriert – das sind 182 weniger als 2020 (1.923), ein Rückgang um 9,46 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt bei 79,78 Prozent (2020: 83,46 Prozent).
Unter „Sonstige Straftatbestände“ (23,89 Prozent) fallen Straftaten wie Erpressung, Widerstand, Hausfriedensbruch, Vortäuschen von Straftaten, Hehlerei, Brandstiftung, Sachbeschädigung, Ausspähen von Daten. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 64,89 Prozent (2020: 66,17 Prozent).
Strafrechtliche Nebengesetze umfassen unter anderen Verstöße gegen das Kunsturheberrechtsgesetz, Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz sowie Betäubungsmittelkriminalität, die den größten Anteil dieser Deliktsgruppe ausmacht. Bei der Betäubungsmittelkriminalität sank die Anzahl der Taten von 1.490 (2020) auf 1.116 (2021), insgesamt ein Minus von 25,10 Prozent. Die Aufklärungsquote ist hier gleichbleibend bei 96,77 Prozent.
Die Jugendkriminalität ist deutlich rückläufig. In diesem Bereich ist ein Minus von 384 Taten zu verzeichnen. Sie verteilen sich auf die Deliktsbereiche Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (6,30 Prozent), Rohheitsdelikte (25,67 Prozent), einfacher Diebstahl (11,26 Prozent), schwerer Diebstahl (5,20 Prozent), Vermögens-/Fälschungsdelikte (9,13 Prozent), sonstige Delikte (StGB; 17,48 Prozent), sonstige Delikte (Nebengesetze; 24,88 Prozent) und Straftaten gegen das Leben (0,08 Prozent).
Der Deliktsbereich Straftaten zum Nachteil älterer Menschen umfasst unter anderem die Betrugsarten Vortäuschen einer Amtsperson („falscher Polizeibeamte“), Schockanrufe, falsche Handwerker und falsche Gewinnversprechen. Nach einem deutlichen Anstieg der Fallzahlen im Bereich der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (2019: 526 und 2020: 793) war mit 393 Fällen in diesem Deliktsbereich in der PI Hameln-Pyrmont/Holzminden ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass sich der bereits im vergangenen Jahr deutlich feststellbare Rückgänge der vollendeten Delikte auch im Jahr 2021 fortsetzte. Waren es im Jahr 2020 noch 480 (60,53 Prozent) Taten im Versuchsstadium und 313 (39,47 Prozent) vollendete Taten, so waren es 2021 insgesamt 339 (86,26 Prozent) Taten im Versuchsstadium und lediglich 54 (13,74 Prozent) vollendete Taten. Folglich waren Täter in weniger Fällen erfolgreich. Dies dürfte mitunter in der umfangreichen Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit der PI Hameln-Pyrmont/Holzminden begründet sein.
Festzustellen ist jedoch auch, dass der deutliche prozentuale Rückgang nicht analog zum Rückgang des Gesamtschadens verläuft. Im Jahr 2020 erbeuteten die Täter im Zuständigkeitsbereich der PI Hameln-Pyrmont/Holzminden in 313 Taten insgesamt 614.256 Euro. Im Jahr 2021 erbeuteten die Täter in nur 54 Taten insgesamt 362.390 Euro, was einem höheren durchschnittlichen Verlust entspricht. Polizeioberrätin Baydak-Stadelmann: „Dies verdeutlicht nach wie vor die hohen Anforderungen an die Präventionsarbeit, die mit unvermindert hohem Engagement fortgesetzt wird.“
Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte und Rettungskräfte: Sowohl der Widerstand gegen als auch der tätliche Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen nimmt seit Jahren zu. Die Beamten der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden wurden 2021 in 37 Fällen Opfer von tätlichen Angriffen (2020: 37) und sogar in 57 Fällen Opfer von Widerstandshandlungen (2020: 49). „Leider ist auch im vergangenen Jahr wieder ein leichter Anstieg von Fällen der Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte zu verzeichnen. Bemerkenswert dabei ist, dass oftmals nicht eine Festnahme, sondern die schlichte Klärung des Sachverhalts oder eine Identitätsfeststellung Auslöser für Gewaltausbrüche war. Es kann der Eindruck entstehen, dass einige Bürgerinnen und Bürger immer weniger gewillt sind, rechtmäßige polizeiliche Maßnahmen zu akzeptieren. Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten, aber auch Mitarbeitende von Rettungsdiensten sind nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch gemeinschädlich: Beamte und Beamtinnen, die im Einsatz verletzt werden, sind oftmals zeitweise nicht dienstfähig und stehen dann nicht zur Verfügung, um die Bevölkerung zu schützen. Wir werden derartige Angriffe deswegen auch in Zukunft nicht tolerieren, sondern konsequent verfolgen. Gleichzeitig sind Gewaltprävention und vor allem eine gesellschaftliche Ächtung erforderlich: Die Bürgerinnen und Bürger müssen zeigen, dass sie hinter ihren Helferinnen und Helfern stehen“, betont die Präsidentin der Polizeidirektion Göttingen, Gwendolin von der Osten.
Abschließend ergänzte Polizeidirektor Matthias Kinzel als Leiter der Polizeiinspektion: „Es gilt das Gleiche wie im letzten Jahr auch: Eine hohe Aufklärungsquote ist mir als Verantwortlicher für die innere Sicherheit in dieser Region natürlich wichtig, zeigt sie doch die gute Arbeit aller Beschäftigten der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden und rechtfertigt damit auch einmal mehr das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Leistungsfähigkeit ihrer Polizei. Das macht mich auch in diesem Jahr wieder ein wenig stolz. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die PKS als Statistik mit ihren Zahlen und Prozentwerten das Leid der Opfer nicht wirklich abbilden kann, und jeder der Opfer einer Straftat geworden ist, das Zahlenwerk aufgrund eigener Betroffenheit auch anders beurteilen wird. Deswegen ist und bleibt die Reduzierung der Fallzahlen – insbesondere im Kontext der Ausübung von Gewalt – durch Repression und Prävention aber auch verstärkter Netzwerktätigkeit aller beteiligten Organisationen eines der wichtigsten Ziele unserer polizeilichen Arbeit.“