Hameln-Pyrmont (ey / mes). Der Preis für Gas an den Handelsmärkten ist in den vergangenen Monaten um mehr als 400 Prozent gestiegen. Logische Konsequenz dieser Preisexplosion: Die Stadtwerke Hameln Weserbergland erhöhen den Abschlag mit Wirkung zum 1. Mai automatisch um 50 Prozent! Ein Schritt, der notwendig ist, damit am Jahresende nicht riesige Nachzahlungen erfolgen. Nicht wenige Kunden kamen ihrem Energieversorger zuvor und erhöhten ihre Abschläge bereits freiwillig. Davon raten die Stadtwerke allerdings ab. Ganz anders sieht es indes bei den Stadtwerken Bad Pyrmont aus.
Der Grund: Die von den Stadtwerken Hameln automatisch erhobene Erhöhung kommt ja trotzdem. „Berechnungsgrundlage wäre dann aber die bereits freiwillig erfolgte Anpassung, also letztlich dann weit mehr als 50 Prozent“, sagt Natalie Schäfer, Leiterin Marketing, Kommunikation & Kundenservice. Das Unternehmen habe in dieser Woche alle Verbraucher über die automatische Anpassung zum 1. Mai informiert; in der Tat mehren sich seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine die Anfragen von Kunden, den Abschlag anzuheben. „Es herrscht eine gewisse Unruhe“, sagt Natalie Schäfer. Verständlicherweise. Denn dass die Preisspirale der Energiekosten sich noch weiter dreht, dürfte so gut wie sicher sein.
Gerd Hundertmark, hauptamtlicher Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Hameln (WGH), hatte schon ein Schreiben an alle Mitglieder ausformuliert, in dem es darum ging, die monatlichen Vorauszahlungen für die Heizkosten anzupassen, „um dadurch mögliche Nachzahlungen bei der Betriebskostenabrechnung 2022 zu mildern“, wie er sagt. Auf den Weg gebracht worden ist das Schreiben vorerst nicht, „weil die Anpassung ja automatisch erfolgt“, so Gerd Hundertmark. Dennoch: All das zeigt, wie sehr das Thema gerade diskutiert wird – bei Mietern, Vermietern und grundsätzlich bei Grundeigentümern.
In Bad Pyrmont verhalten sich die Kunden dagegen still. Denn: „Wir planen noch keine Preiserhöhungen“, sagt Uwe Benkendorff auf Anfrage. Der Stadtwerke-Geschäftsführer hofft, dass das auch für den Rest des Jahres gilt. – „aber wir sprechen jetzt von einer Momentaufnahme“, macht er auch klar. Und so verzeichnet das Kundenbüro an der Südstraße derzeit keinen Run.
Dass es aber nicht allein um das Abwenden der „kalten Dusche zum Jahresende“ für die Verbraucher geht, dürfte klar sein. Die gestiegenen Einkaufspreise müssen ja auch von den Stadtwerken bezahlt werden. Ein stückweit konnten die Stadtwerke Hameln den extremen Preisanstieg beim Erdgas abfedern: „Trotz der Preiserhöhung ab Mai um 3,8 Cent brutto pro Kilowattstunde bieten wir im Marktvergleich einen attraktiven Preis an und gehören bei den Angeboten auf Vergleichsportalen zu den Preisbesten“, erläutert Stadtwerke-Chefin Susanne Treptow den angespannten Markt. Langfristige Prognosen zur weiteren Preisentwicklung seien aber schwierig und das zuvor gekannte Preisniveau werde sich voraussichtlich nicht mehr, oder auch nicht so schnell wieder, einstellen.
Bereits im vergangenen Jahr hatten reduzierte Gasmengen aus Russland zu einer Verknappung des Gasangebots in Europa geführt, parallel dazu sind die deutschen Gasspeicher nur zu knapp 30 Prozent gefüllt. Zusätzlich treiben Spekulanten (Hedgefonds, Banken) die Preise an den Börsenplätzen in die Höhe. Stadtwerke-Chefin Susanne Treptow erklärt: „Diese Preisentwicklung führt dazu, dass auch wir eine Preiserhöhung beim Erdgas leider nicht vermeiden können. Eine Entscheidung, die uns alles andere als leichtgefallen ist, da uns sehr bewusst ist, dass wir unseren Kundinnen und Kunden damit einiges zumuten.“