Hameln (ey). Die Stadtverwaltung wässert stundenlang den Rasen im Hamelner Bürgergarten, damit er sich von den Strapazen – Veranstaltungen wie Weinfest und Open-Air-Kino in den Wochen zuvor – erholen kann. Es gibt nicht wenige Bürgerinnen und Bürger, die dieses Vorgehen ihres Rathauses für außerordentlich fragwürdig halten. Es erinnert in der Tat stark an „Wer Wasser predigt und Wein trinkt…“

Nur dass hier das Wasser quasi der Wein ist. Denn Behörden und Fachabteilungen landauf, landauf in Niedersachsen appellieren an Grundstückseigentümer doch ganz zurecht, sparsam mit dem kostbaren Nass umzugehen. Es gibt Gartenbesitzer, die verzweifeln zurzeit, weil die Vorräte in den Tonnen und Zisternen aufgebraucht sind und bereits Gehölze und Stauden teils unwiederbringlich an der Trockenheit zugrundegegangen sind oder es zurzeit tun. Deren Blumenseelen schreien noch lauter vor Schmerz, wenn sie jetzt sehen, wie im Bürgergarten reichlich Wasser aus ihrer Sicht vergeudet wird. Vermutlich gibt es mehr Menschen, die an der durchgrünenden Rasenfläche Anstoß nehmen als solche, die sich über verbrannte Halme aufregen.

Doch laut Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadtverwaltung, ist das Wässern unumgänglich, „weil am Ende des Sommers sonst kein einziger grüner Halm mehr vorhanden wäre und wir die Fläche dann sehr kostenintensiv instandsetzen müssten“. Zumal – und dies sei wichtig festzustellen – es sich hier nicht um Leitungswasser handelt. „Der Bürgergarten hat ein eigenes Grundwassersystem, aus dem wir das frische Nass entnehmen. Es ist eine natürliche Ressource, die wir nicht vergeuden, sondern die wir gezielt einsetzen, um den Bürgergarten in Schuss zu halten – und natürlich auch den Rasen.“ Denn der sei keine Wiese, sondern eine wichtige Veranstaltungsfläche, die stark beansprucht wird und die deshalb „unbedingt kein Acker werden darf, denn das würden uns die Bürgerinnen und Bürger dann auch übelnehmen“.