Hameln-Pyrmont (ul). Frühling wird’s – wenn auch noch mit Kälte durchzogen, so ist das blaue Band über uns doch spürbar. Ein anderes „blaues Band“ ist die Weser: Was gemeinhin als Lebensader der Region gilt, ist in Wirklichkeit vor allem ein Freizeitziel. Und eines, das mit Fähren auf sich aufmerksam macht. HALLO holt heute seine Leserinnen und Leser mal über…

Wer an der Weser entlang radelt und ans andere Ufer will, kann jederzeit eine Brücke nutzen. Ist bekannt. Traditionsreicher und vor allem spannender wird’s aber mit der Fähre. Es gibt gleich mehrere davon in unserer Region. Das Übersetzen gewährt einen Moment des Innehaltens und der Meditation. Toll dabei: Die Fähren verbrauchen kaum Energie, denn sie nutzen die Fließkraft des Wassers. Bei der Hochseilfähre, die Großenwieden mit Rumbeck verbindet, handelt es sich um eine Gierseilfähre mit Schottelnavigator als Antriebshilfe. Die Technik der Gierfähre erfand der Niederländer Hendrick Heuck aus Nijmegen im Jahr 1657. Die Fähre in Großenwieden ist 24 Meter lang und fünf Meter breit, sie kann vier Pkw und 45 Personen gleichzeitig befördern.

Borchers – eine Fährfamilie

Eine sechs Meter breite Gierseilfähre bedient Dirk Borchers in Grohnde. Er ist dort Fährmann seit 30 Jahren. Schon sein Vater betrieb die Grohnder Fähre, er wuchs in das Fährgeschäft genauso hinein. Derzeit streicht Dirk Borchers seine Fähre, damit sie für andere gut sichtbar ist. Er will zu Ostern den Fährbetrieb wieder aufnehmen. Bis es so weit ist, muss noch eine Funkanlage installiert werden. Auch neue Positionslampen verlangt die zentrale Schiffsuntersuchungskommission (ZSUK). „Die Gemeinde Emmerthal unterstützt mich bei diesen Aufgaben und hat eine Firma engagiert, die die Installationen vornehmen wird.“ Dirk Borchers und sein Bruder Bernd, der ihn im Krankheitsfall vertritt, müssen jetzt einen Funklehrgang Binnenschifffahrt absolvieren. Ein Ausbilder vom Motorbootverein Bodenwerder wird ihnen das nötige Wissen eintrichtern.

Polles Schiff auf dem Trockendock

Die Gierseilfähre, die normalerweise in Polle zwischen Heidbrink und Burg hin und her pendelt, liegt noch auf der Werft Rosemeier in Minden. Diese Fähre wurde 1988 in der Arminiuswerft in Bodenwerder gebaut. Die Fahrtauglichkeit von Fähren muss alle fünf Jahre überprüft werden. Der Fährenrumpf erhält noch Korrosionsschutz. Die Eisen an der Unterseite der Anlegerrampen sind abgenutzt und werden erneuert. Es müssen noch stabilere Schranken und neue Halterungen an die Fähre angebracht werden. Werftchef Ulrich Rosemeier hofft, dass die Poller Fähre noch vor Ostern fertig wird. Dann kann die „Werra“, der Schlepper des Wasser- und Schifffahrtsamtes, die Fähre wieder von Minden flussaufwärts nach Polle schieben. Das dauert drei Tage! Wenn sie wieder fit ist, sollen drei Fährleute im Auftrag des Landkreises Holzminden den Betrieb übernehmen. Doch die Prüfung ist nicht einfach. Die drei Anwärter haben die Binnenschifffahrtsprüfung im ersten Anlauf nicht geschafft.

In Grave wird die Solarfähre „Gravena“ ihren Betrieb Karfreitag starten, sofern es der Wasserstand zulässt. Mitglieder vom Kultur- und Fährverein Grave-Brevörde ermöglichen diese Weserquerung für Fußgänger, Radler und Motorradfahrer. Im vergangenen Jahr haben sie 9000 Personen befördert. 1977 war der seit über 100 Jahren betriebene Gierseil-Fährbetrieb in Grave eingestellt worden. Der Förderverein stellt den Fährbetrieb mit den Campingplatzbetreibern seit 2005 sicher. Im Frühjahr 2020 wurde der Rumpf der Fähre sandgestrahlt, mit Rostschutzfarbe versiegelt und mit Lackfarbe gestrichen. Nachdem die Rumpfdicke mit Ultraschall getestet worden war, wurde der Betrieb der Fähre für weitere fünf Jahre seitens der ZSUK genehmigt. Die Solaranlage zur Speisung der Batterien des Elektromotors der Solarfähre befindet sich auf dem Dach des ehemaligen Fährhauses auf dem Campingplatz.

Einfach mal die Fähre als Freizeitvergnügen genießen. Rauf geht’s und rüber:

– Die Weserfähre in Großenwieden ist samstags bis mittwochs von 9 bis 19 Uhr in Betrieb.
– Ab Ostern können Pkw und Wohnmobile wieder die Grohnder Fähre nutzen – dienstags bis freitags 9 bis 18 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 18 Uhr.
– Die Poller Fähre wird bald im Einsatz sein. Montags bis freitags von 6.30 bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 19 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr.
– In Grave ist eine Solarfähre als Personenfähre im Einsatz. Fahrzeuge passen dort nicht drauf (außer Fahrräder). Die Fähre wird montags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr betrieben, ab Mai auch bis 20 Uhr. Freitags, samstags und sonntags ist sie von 10 bis 18 Uhr und ab Mai bis 20 Uhr in Betrieb
– 4 Die Fähre in Heinsen pendelt donnerstags und freitags von 14 Uhr bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr über die Weser.