Bad Pyrmont. Sie sieht ein bisschen aus wie ein Mahnmal zu Ehren des vergessenen Fußgängers. In den vergangenen Monaten sind Zigtausende von Autos an der schiefen Ampel vor dem Bahnhof vorbeigerollt. Und mancher fragt sich langsam, ob der Mast gerichtet wird, bevor er umkippt.

Andere überlegen, ob die Zuständigen vielleicht darauf bauen, dass ein künftiger Kreisel an dieser Stelle die irgendwann Reparatur überflüssig macht. Und Werner Ruppert schließt aus dem Schiefstand: „Anscheinend ist niemand zuständig.“ Denn der schräge Anblick hat so langsam das Zeug dazu, zum bleibenden Eindruck zu werden. Jedes Mal, wenn der Emmerthaler nach Bad Pyrmont fährt, fällt ihm das geknickte Ding ins Auge. Und so ähnlich geht es vielen.

Die desolate Optik
färbt aufs Umfeld ab

Da kann der Vorplatz der Station mit noch so vielen Palmen aufgehübscht sein – die heruntergekommene Optik des Ampelmasts scheint auf das gesamte Umfeld abzufärben. Das sieht nun noch ein bisschen desolater aus. Die aus Sicherheitsgründen vor dem Mast platzierten rot-weißen Warnbaken erwecken zwar den Anschein, als sei hier etwas in Arbeit. Aber tatsächlich tut sich sichtbar nichts.

Daraus schließen manche, die Ampel sei Sache der Stadt. Aber das stimmt nicht. Verantwortlich für die komplette Lichtzeichen-Signalanlage und damit auch den verbogenen Mast ist die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Anlage steht an einer Landstraße, der L 426. Und damit im Zuständigkeitsbereich der Hamelner Niederlassung der Behörde, die früher Straßenbauamt hieß.

Aus dem Pyrmonter Rathaus hieß es am Montag auf Anfrage, man habe schon vor einiger Zeit in Hameln nachgefragt, wann der Mast gerichtet werde. „Normalerweise ist die Straßenmeisterei schneller.“

Dass jemand die Fußgängerampel mit seinem Auto rammte und verbog, ist mittlerweile ziemlich lange her. Nach Auskunft der Polizei Bad Pyrmont passierte es am 15. Februar. Gegen 18.40 Uhr stieß ein S-Klasse-Mercedes gegen den Mast. Hinterm Steuer saß ein 88-Jähriger, der mit seiner Frau, aus Richtung Lügde kommend, nach links in die Pyrmonter Bahnhofstraße abbiegen wollte. „Aufgrund eines Schwächeanfalls verlor er Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen“, erinnert sich die Beamtin, die den Unfall seinerzeit aufnahm. „Der Mercedes kam nach rechts von der Fahrbahn ab und stieß gegen den Mast.“ Der Fahrer wurde ins Krankenhaus gebracht; seine Frau blieb unverletzt. „Wir haben das direkt an die Straßenbaubehörde weitergeleitet“, schildert die Beamtin das übliche Vorgehen. Doch auch fast vier Monate später gibt der 45-Grad-Schiefstand einen zumindest eigentümlichen Blickfang ab. In weit entfernten Urlaubsländern mag sowas zum putzigen Fotomotiv für Touristen taugen. In eine Kurstadt, die ihr gediegenes Image pflegen will und muss, passt es weniger.

In der Landesstraßenbaubehörde ist man auch nicht glücklich mit der Situation. „Wir haben die Reparatur kurz nach dem Unfall beauftragt“, erklärte Behördenleiter Markus Brockmann am Montag auf Anfrage. „Der zuständige Kollege hat schon mehrfach bei dem Unternehmen nachgefragt, mit dem wir den Wartungsvertrag haben.“ Aber die Fachfirmen hätten sicherlich mehr als genug zu tun. „Manchmal dauert die Lieferung ziemlich lange“, weiß Brockmann aus einer Erfahrung im Bereich Hameln. Dort sei bis zu einer ähnlichen Reparatur fast ein halbes Jahr vergangen.
Dabei ist in Bad Pyrmont gar nicht so viel kaputtgegangen. „Der Signalgeber ist noch heil. Es muss nur der Mast ausgetauscht werden“, sagt Brockmann. Die Kosten schätzt er auf etwa 10 000 Euro.

Geschädigt werde in solchen Fällen der Steuerzahler. „Aber wenn der Verursacher bekannt ist, ziehen wir ihn zu den Kosten heran“, erklärt der Niederlassungsleiter. Also ein Fall für die Versicherung des Fahrers. Brockmanns Leute im Behörden-Geschäftsbereich verantworten den Bau und die Unterhaltung der Bundes- und Landesstraßen in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden, Schaumburg sowie der Kreisstraßen in Hameln-Pyrmont und Schaumburg. Brücken und Unterführungen gehören auch dazu. Und Ampeln. Markus Brockmann schätzt ihre Zahl in seinem Geschäftsbereich auf rund 250 – „von der kleinen Fußgängeranlage bis hin zu komplexen Knotenpunkten“. Die Ampel im Bereich des Pyrmonter Bahnhofs ordnet er als „eine der größeren, umfangreicheren Anlagen“ ein.