Hameln-Pyrmont / Lippe (ul). Nur wenige Schulen im Landkreis Hameln-Pyrmont können von sich behaupten, die Digitalisierung auf dem neuesten Stand zu haben, so wie es Lügdes Bürgermeister Torben Blome dem städtischen Ausschuss für Bildung in der Osterräderstadt Ende November 2022 mitgeteilt hatte. Nicht nur die Technik sei angeschafft worden, auch die Lehrer wurden für den digitalen Unterricht fit gemacht.

Das sei unter anderem auch ein Ergebnis aus der zusätzlichen Stelle eines Beauftragten für Digitalisierung, die sich die Stadt Lügde mit Torsten Mitschke leiste. Der Stelleninhaber sei für die Digitalisierung der Verwaltung, das Zusammenspiel mit dem Gewerbe und eben auch für die digitale Infrastruktur der Schulen zuständig. Der Breitbandausbau befinde sich mit dem Anschluss der Grundschule Rischenau auf der Zielgeraden, bei der Grundschule Lügde sei der Anschluss in der Erstellungsphase und an der Johannes-Gigas-Schule liege das Kabel bereits im Gebäude.

Eigenbetrieb des Landkreises: Hameln-Pyrmont Schul-IT

In den meisten Kommunen im Kreis Hameln-Pyrmont gibt es eine Person, die mit der Umsetzung des Digitalpaktes an Schulen vertraut ist, berichtet die Pressesprecherin des Landkreises, Sandra Lummitsch. Bad Pyrmont, Hessisch Oldendorf und Aerzen setzten auf Eigenverantwortung bei der Umsetzung der Digitalisierung ihrer Schulen. Der Kreis hat den Eigenbetrieb Hameln-Pyrmont Schul-IT gegründet. Daran beteiligen sich Hameln, Bad Münder, die Flecken Salzhemmendorf und Coppenbrügge und die Gemeinde Emmerthal, eingebunden sind 32 Schulen.

Bad Pyrmont: Mit zwei Vollzeitstellen wird in Bad Pyrmont der Aufbau der digitalen Infrastruktur vor Ort vorangetrieben, berichtet Pressesprecherin Sabine Jösten. Die Schulen sind grundsätzlich mit WLAN ausgestattet, das Netz reiche allerdings noch nicht bis in jeden Raum. Die Verbesserungen sind in den Grundschulen Baarsen und Hagen sowie im Haupthaus des Humboldt-Gymnasiums bereits abgeschlossen. In den übrigen Schulen sowie für das Nebengebäude des Gymnasiums laufen die Planungen und Ausschreibungen noch.
Im älteren Baubestand der Grundschule Holzhausen und in der Max-Born-Realschule sind größere Baumaßnahmen zur Verbesserung der IT-Verteilung vorab erforderlich. In der Herderschule (Grund- und Hauptschule) sind diese vorbereitenden Baumaßnahmen bereits abgeschlossen. Im Rahmen eines Zusatzförderprogrammes wurden in Bad Pyrmont bereits Leih-Laptops für Schüler angeschafft. Dies erfolgte in der Corona Pandemie für das Homeschooling. Der Digitalpakt selbst sehe nicht vor, alle Schüler mit eigenen Endgeräten auszustatten. Der Fokus liege auf der Schaffung der Infrastruktur und der schulischen Ausstattung wie digitale Tafeln und Software, so Stadtpressesprecherin Sabine Jösten. Im vergangenen Jahr wurde in Pyrmont ein Förderprogramm zur digitalen Ausstattung aller Lehrer aufgestellt. Auf Grundlage einer Bedarfsabfrage wurden die Lehrer entsprechend ausgestattet. Die digitale Schulung der Lehrer erfolgt durch die jeweiligen Schulen eigenverantwortlich, so Jösten. Im Rahmen der Digitalisierungsmaßnahmen in Pyrmont wurde die Zahl der Endgeräte an den Schulen mehr als verdoppelt – von 350 auf jetzt 820 Geräte, so Jösten.

Aerzen: „In Aerzen kümmert sich ein IT-Mitarbeiter des Fleckens um sämtliche Support-Anfragen in den Grundschulen“, berichtet Mario Nickel als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Die Grundschulen Groß Berkel und Aerzen haben WLAN, die in Aerzen auch einen 1-GB-Glasfaseranschluss. In Aerzen gibt es Tablets oder Laptops, die nur in der Schule verwendet werden dürfen, und Leihgeräte, die auch mit nach Hause genommen werden dürfen. „Die meisten Schüler in Aerzen arbeiten zu Hause aber mit eigenen Geräten“, so Nickel. Jede Lehrkraft im Flecken Aerzen wurde mit Surface und Zubehör ausgestattet.

Hessisch Oldendorf: An jeder Schule in Hessisch Oldendorf ist WLAN bereits flächendeckend verfügbar, auch Netzwerkdosen sind in Klassenräumen und Schulgebäuden vorhanden, ebenso Glasfaseranschluss. Die Beschaffung über den Digitalpakt Schulen sei weitestgehend abgeschlossen. Hessisch Oldendorf sei beim letzten Punkt, der Beschaffung mobiler Endgeräte, dem Zubehör und der Aufbewahrung, berichtet Sarah Brockmann, Stabstellenleiterin des Bürgermeisters. Natürlich müsse die Digitalisierung laufend fortgeführt werden. Ziel sei es, dass künftig jedem Schüler ein mobiles Endgerät für den Unterricht zur Verfügung steht. Hessisch Oldendorf will diese Geräte als Schulträger anschaffen, eine Mitnahme der Geräte nach Hause ist in Hessisch Oldendorf nicht vorgesehen. Mit der Fördermaßnahme „Mobile Endgeräte für Lehrkräfte“ hat die Stadt Hessisch Oldendorf als Schulträger die Lehrkräfte bereits mit entsprechenden Endgeräten ausgestattet.

Hameln: In der Rattenfängerstadt ist die Rede von einer Digitalisierungs-Strategie; der Schulausschuss des Rates der Stadt Hameln wurden über den von Bund und Ländern beschlossenen Digitalpakt Schulen informiert. „Darin wird die Digitalisierungsstrategie für die 20 Schulen in der Trägerschaft der Stadt Hameln vorgestellt“, sagt Stadtelternratsvorsitzender Volker Schöpe. Diese Strategie beläuft sich auf vier Punkte: Derzeit wird mit Mitteln des Digitalpaktes an den Schulen die strukturierte Gebäudeverkabelung für die Digitalisierung in jedem Klassenraum vorgenommen. Gerade in den Grundschulen wurde eine sehr lückenhafte Verkabelung festgestellt. Diese Maßnahmen laufen voraussichtlich bis Mitte Mai 2024. Dieser schleppende Ausbau wird mit zahlreichen erfolglos verlaufenden Ausschreibungsverfahren begründet.

Router, Switche und Wireless Access Points

Ein zweiter Punkt der Strategie betrifft die WLAN-Ausstattung. Für die WLAN-Verbindungen hat der Eigenbetrieb Schul-IT entsprechende Hardware wie Router, Switche und Wireless Access Points angeschafft. Sie werden jetzt eingebaut und in Betrieb genommen. Aktuell sind HLA und die Heinrich-Kielhorn-Schule (Förderschule geistige Entwicklung) mit ausreichendem WLAN ausgestattet, teilt die Pressestelle des Landkreises auf Anfrage mit.

Punkt drei beinhaltet die elektronischen Tafeln in jedem Klassenzimmer. Über eine Rahmenvereinbarung mit jeder Schule sollen diese Geräte wirtschaftlich günstig gemeinsam eingekauft und installiert werden. Die Ausschreibung sei bereits erfolgt, die Angebote werden derzeit geprüft. Eine flächendeckende Ausstattung soll bis 2024 erfolgt sein.

Punkt vier der Strategie betrifft die Endgeräte: Schüler der weiterführenden Schulen können bereits ihre Tablets oder Laptops über den Eigenbetrieb anschaffen. Nun sollen auch die Grundschüler an die Nutzung digitaler Endgeräte im Unterricht herangeführt werden. Dazu werden i-Pad-Sets für jede Schule angeschafft. Im Standard erhält jede Grundschule zwei Klassensets mit i-Pads. Drei Grundschulen mit weniger als 100 Schülern erhalten nur ein Klassenset.

Es gibt rund 100 Apps, die auf den Schul-Tablets zum Lernen und für Organisierung installiert sind, weiß Sabine Özbek, die Leiterin vom Amt für Informationstechnologie im Landkreis Hameln-Pyrmont, die neben Kämmerer Carsten Vetter (Finanzen) ebenfalls als Geschäftsführerin im Eigenbetrieb Schul-IT geführt wird. Auf die Frage, ob schon alle Schüler im Landkreis ein eigenes Tablet oder Laptop haben, auf das sie sowohl im Unterricht als auch zu Hause zurückgreifen können, gibt es ein klares „Nein“. Die Schulen müssten erst ein pädagogisches Medienbildungskonzept als Grundlage erstellen. Darauf erfolgt der Einsatz entweder in der Variante „get your own device (GYOD)“ oder des in der Schule vorhandenen Schul- i-Pads aus dem sogenannten Klassenset, das bisher nur in der Schule verwendet werden darf. „Für welche Unterrichtsszenarien mobile Endgeräte eingesetzt werden, ist daher von Schule zu Schule unterschiedlich ausgeprägt.“
Aus dem Förderprogramm des Landes „Leihgeräte für Lehrkräfte“ wurden bereits im vergangenen Jahr die Lehrer einmalig mit persönlichen Dienstgeräten ausgestattet, um einen digitalen Unterricht zu ermöglichen.

Weiteres Ziel der Digitalisierungsstrategie an Schulen besteht darin, eine schulübergreifende Lern- und Lehrplattform zu implementieren. Dadurch soll den einzelnen Schulen viel Verwaltungsarbeit erspart werden.