Bad Pyrmont. Der Laatzener Efim K. hat Schilddrüsenkrebs im Endstadium – und wird nicht mehr lange leben. Mit dem ASB-Wünschewagen ist er jetzt noch einmal an seinen Sehnsuchtsort gefahren: den Kurpark Bad Pyrmont.
Die Kurstadt spielt im Leben von Efim K. eine ganz große Rolle. Hier hat 1996 das neue Leben des damals 59-jährigen Ukrainers angefangen. Es war ein friedlicheres, ein sicheres Leben für ihn und seine Familie. Die beiden Enkel Philipp und Daniel haben als Kleinkinder hier zwischen Brunnen und Palmen Fangen gespielt, Ehefrau Florentia hat gestaunt über die Blumenpracht im Kurpark. Kein Wunder also, dass der so schwer erkrankte Efim am Ende seines Lebens ein letztes Mal an genau diesen Zauberort wollte. Aus eigener Kraft ist das nicht mehr möglich.
Eine echte Zitterpartie
Dabei ist diese Wunschfahrt lange eine echte Zitterpartie – zu schlecht geht es dem Krebspatienten, zu schwach ist sein Zustand. Auch am Morgen, als die beiden ASB-Wunscherfüller, Inga und Marco, am Hospiz Hannover-Misburg ankommen, ist noch nicht ganz sicher, ob Efim K. wirklich reisen kann. Er hat Angst vor Schmerzen. Angst davor, diese Reise mit dem Wünschewagen, einem speziell konstruierten Krankentransportwagen, wirklich zu wagen. Doch der ehrenamtlichen Crew gelingt es, sein Vertrauen zu gewinnen, ihn zu beruhigen. Und so geht es in Richtung Bad Pyrmont.
Da möchte Efim zunächst sein Versprechen einlösen: Im Eiscafé Venezia am Hylligen Born bekommen die beiden Urenkel Vincent und Mara (sechs und sieben Jahre alt), die für diesen besonderen Ausflug extra schulfrei bekommen haben, ihr Spaghetti-Eis. Die Freude darüber ist groß.
Die Sonne scheint, der Kurpark zeigt sich von seinen schönsten Seiten. Die Familie ist noch einmal zusammen. So wie früher. Erinnerungen werden ausgetauscht. Es wird gelacht. Erzählt. Dann möchte der Mittachtziger noch an den Schlossgraben im Kurpark. Vincent und Mara füttern Enten. Der Uropa guckt zu, genießt diese unbeschwerte kindliche Normalität.
Efim hat seinen Frieden gemacht
Zum Schluss ist es der Wunsch des Laatzeners, das Grab seines vor drei Jahren verstorbenen Sohnes noch einmal zu sehen. Dort legt er nach orthodoxem Brauch gesegnete Eierschalen ab. Dieser Besuch – er rundet die Reise in die Vergangenheit ab. Efim hat seinen Frieden gemacht. Enkeltochter Jessica, die den Wunsch an das ASB-Team herangetragen, die Reise auch begleitet hat, weiß, wie wichtig dieser Tag war: „Vielen Dank dafür, dass ihr meinem Schwiegeropa seinen letzten Wunsch erfüllt habt. Ihr habt ihm Vertrauen und Freude geschenkt, und das war ein bedeutender Moment in seinem Leben.“
Das ist der Wünschewagen: Seit November 2017 erfüllt der Wünschewagen, ein Ehrenamtsprojekt vom ASB-Landesverband Niedersachsen e.V., die letzten Wünsche von schwerkranken und sterbenden Menschen. Die sogenannten „Wunschfahrten“ führen die Reisenden auf letzte Wunschwege – wenn der gesundheitliche Zustand es erfordert, auch im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät und Magensonde. Denn das Fahrzeug ist ein auf die speziellen Bedürfnisse der Fahrgäste konstruierter Krankentransporter. Ausgestattet ist er mit notfallmedizinischer Ausstattung, speziellen Stoßdämpfern, einer Musikanlage und einem harmonischen Arrangement aus Licht und Glas, das die „Reise“ zum Wohlfühl-Erlebnis werden lässt. Eine verspiegelte Rundum-Verglasung erlaubt einen Panoramablick nach draußen, während neugierige Blicke ins Innere des Wagens ausgeschlossen sind. 365 Fahrten hat das Team bisher begleitet. Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und ASB-Mitgliedsbeiträge und durch das Engagement freiwilliger „Wunscherfüller“ – qualifizierte medizinische Fachkräfte, die die Fahrten begleiten. Reisenden und ihren Begleitpersonen entstehen keine Kosten. Wunschanfragen und Hilfsangebote nimmt das Team unter (05 11) 35 85 48 88 entgegen. Weitere Infos: www.wünschewagen-niedersachsen.org