Weserbergland (mes). Hessisch Oldendorf, Pötzen, der Blutbach: In diesem Dreieck aus Stadt, Land und Waldgebiet findet sich der Ursprung einer fantastischen Geschichte, die Jens F. Meyer als Roman mit dem Titel „Voll verkorkt“ auf den Weg gebracht hat. Soeben ist das Buch erschienen; ein Fantasyroman mit real existierenden Orten und einer Handlung, die vom Weserbergland gar bis zu den Rolling Stones in Südengland führt. Schräg! Aber schräg stand bei ihm zu vermuten.

Denn eines war von vornherein klar: dass der HALLO-Redaktionsleiter keinen Krimi kritzelt. „Krimis schreiben schon so viele Autoren, ich wollte etwas anderes. Obwohl es ja auch hier einen seltsamen Todesfall gibt…“, sagt er, zieht die Augenbrauen hoch und schmunzelt. Nach dem in Buchform gegossenen Reiseabenteuer „Im ersten Gang geht‘s immer rauf – Mit dem Renault R4 durch Frankreich“ (Verlag 360° Medien), das er zusammen mit seiner Frau Anke Steinemann veröffentlichte, wechselt der 52-Jährige hier nun ins Romanfach und freut sich diebisch „über den politisch unkorrekten Untertitel“. Der da lautet: „Flaschenhüter undercover – ein alkoholreiches Abenteuer“. Was mit Alkohol zu tun habe, stünde ja mittlerweile grundsätzlich in Generalverdacht, ungesund zu sein.

Aus ganz besonderem Holz geschnitzt

In den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren wurden Flaschenverschlüsse für Wein, Sekt, Rum und weiß Gott noch viele andere Getränke hergestellt. Eine besondere Spezies daraus ist die Grundlage des Romans „Voll verkorkt“ (Paperback, 296 Seiten, ISBN: 978-3-7347-2177-9, Verlag BoD): Es handelt sich um aus Holz gedrechselte Köpfe, mit Nasen aus Kunststoff, mit Haaren aus Kaninchenfell, mit Mützchen aus Stoff, mit Ohren aus Leder… Diese Köpfe wurden auf Ausgießer gesteckt und hüteten Flaschen aller Art. Wo sie wer herstellte, ist unklar. „Eine Fabrikproduktion im Sinne von Fließbandarbeit kann es nicht gewesen sein, denn jeder Flaschenhüter sieht anders aus. Manche sind ähnlich – aber keine sind gleich. Alle haben einen eigenen Charakter“, sagt Jens F. Meyer. Dies nahm er zum Anlass, fantastische Geschichten um sie herum zu stricken. Und er hat viele, sehr viele. Seine Frau „rettet“ sie, entdeckt sie in Trödelläden oder bei Haushaltsauflösungen, bisweilen auch im Internet. Irgendwann nahm die Sache eine Eigendynamik an, die erstaunlich ist. Von den weit über 130 Exemplaren trägt fast jedes einen Namen.

Kurzgeschichten entstanden. Das Team Meyer/Steinemann schreibt Vitae, „tauft“ die Köpfe, denkt sich Schräges aus. So sollen die fabelhaften Kamtschatka-Girls einst mit Tina Turner auf Tournee gewesen sein (…), „Lemmy Backenbarth und van Lunte“ ließen einen Club in Baunatal in Flammen aufgehen und machten sich aus dem Staub, während „Dr. Mäusig und Herr Knolle“ dafür zuständig sind, die ganze Bande vom Holzwurm fernzuhalten, wo es nur geht. Parallelwelten in einem Mikrouniversum.
Eines Tages kam der Zeitpunkt, an dem eine Kurzgeschichte nicht mehr ausreichte. Jens F. Meyer fing an zu schreiben, tagelang, wochenlang, und um acht Typen seiner umfassenden Sammlung komponierte er eine Story zwischen Ostsee, England und dem Weserbergland, zwischen Historie und Gegenwart, zwischen Realität und Fantasy, zwischen Hessisch Oldendorf, Hachmühlen und Hefehof. Mit Brigitte Mück, früher im Buchverlag CW Niemeyer tätig, stand ihm eine erfahrene Korrektorin zur Seite, mit Layouter Peter-Michael Kipp ein jahrelanger beruflicher Weggefährte, der Buchcover und -rücken gestaltete.

Magisches Himmelsfeuer über der Blutbachquelle

Worum es geht: Ein Blitz, ein Baum, ein Volk! Was Schreinermeister Lehnert in seiner kleinen Werkstatt aus dem Holz eines 250 Jahre alten Walnussbaums zaubert, der bei einem Unwetter am Quellteich des Blutbaches vom Himmelsfeuer geteilt wurde, erwacht auf magische Weise zu neuem Leben. Eigentlich wollte er durch den Verkauf seiner kunstvoll gedrechselten Flaschenwächter nur die magere Rente aufbessern, doch der Meister ahnt nicht, dass er mit den Jahren ein ganzes Volk von Flaschenhütern gründet, die in Restaurants arbeiten, südenglische Pubs unsicher machen und in Kellergewölben umhergeistern. Obgleich ihre Existenz zwischen Baum und Borke sich durch das versierte Handwerk ihres Schöpfers in ein aufregendes Leben nebst köstlichsten Buketts edelster Tropfen verwandelt hat, sind Pepe, José und die anderen fortwährend rastlos auf der Suche nach ihresgleichen und geraten dabei von einem Abenteuer ins nächste.

Ein Abenteuer, das ist es, „wirklich crazy“, sagt Peter Peschke, Inhaber der Buchhandlung Seifert, in der „Voll verkorkt“ bereits eingetroffen ist, während Anastasia Bost, Kulturmanagerin in Hessisch Oldendorf, nicht ausschließt, dass es dort, in der Baxmannstadt, wo die ganze Geschichte ihren Lauf nimmt, dann auch bald eine Lesung gibt. Vermutlich mit Wein.