Hameln (ul). Noch ganz frisch ist das neue Leader-Projekt „Weidelandschaft Weserbogen“ hinter dem Kanu Club im Landschaftsschutzgebiet Wesertal Süd. Seit Januar stehen hier die ersten fünf „Angus-Wagyu“-Rinder. Ein Bulle, zwei Ochsen und zwei Kühe. Und sie fühlen sich in ihrer neuen Heimat ganz offensichtlich richtig wohl.

Auf die Idee dazu kam der Biologe Werner Beeke von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hameln. „Das städtische Grundstück war an einen Landwirt verpachtet, der dort Grünschnitt anbaute, düngte und mähte. Kein Vogel war zu sehen weit und breit, und auch kaum Insekten.“ Beeke meinte, wenn hier ganzjährig Weidetiere das Gras fressen würden, dann könnte in dem Hochwasserschutzgebiet eine natürliche Weidelandschaft entstehen, die dem Artenschutz dient und die Biodiversität fördert.

Kuhfladen düngen den Boden und bieten Insekten Nahrung. Die wiederum brauchen Vögel zum Überleben. Ein natürlicher Kreislauf – Tiere locken Tiere an – „und gleichsam ein Naturschutzprojekt, für das Fördergelder beim Land und aus Europa beantragt werden konnten, nachdem auch der Rat der Stadt Hameln zugestimmt hatte“, so Beeke. Der Naturschutzbund (Nabu) wurde als beratender Partner gewonnen.

Rauno Uhlit erhielt den Zuschlag als Pächter

Mit der Zustimmung seitens Leader im März 2022 ging es an die Realisierung des Projektes. Ein Pächter wurde nach festen Kriterien gesucht; den Zuschlag erhielt Rauno Uhlit, Junglandwirt aus Wehrbergen. Die alten Zäune wurden durch höhere ersetzt, mit Tor und Elektrodraht. Auch zwei Unterstände für die ganzjährig am Weserbogen auf 8,3 Hektar lebenden Wiederkäuer wurden von einer Zimmerei so erstellt, dass dort Heu trocken lagern kann und die Rinder für eventuell medizinische Betreuung angebunden werden können.

Auch für Landwirt Rauno Uhlit ist das Neuland. Bisher betreibt er Legehennenhaltung und Hähnchenmast in Wehrbergen. Mit der Pacht dieser Weidefläche startet er seinen Rinderherde-Aufbau. Und zwar: „Deutsch Angus“ (genetisch ohne Horn), gekreuzt mit „Wagyu“. Ein hochwertiges, marmoriertes Fleisch habe die Wagyu-Rasse, es handele sich um die japanische Kobe-Rasse, die aber nur in der Region Kobe auch so genannt werden darf. „Ein gesünderes Nahrungsmittel gibt es kaum“, ist Uhlit überzeugt.
Denn die fünf Rinder am Weserbogen ernähren sich ausschließlich vom Gras auf der Wiese. Füttern ist verboten. Nur Wasser liefert der Landwirt. Der Sohn des Schlossers Uhlit plant den Bau eines Brunnens auf dem Gelände. Damit würde auch der Transport entfallen.

„Mit diesem Weideprojekt im Überschwemmungsgebiet wird kein wertvoller Ackerboden abgeschwemmt“, schwärmt Beeke. „Hier wird Landwirtschaft mit Artenschutz verbunden, was sonst oft als Gegensatz verstanden wird. Wir schaffen damit neue Nahrungsketten für Insekten und Vögel. Die ,Leader‘-Förderung und die Förderung für finanzschwache Kommunen hat uns sehr geholfen, die Stadt Hameln muss nur 15 Prozent der Gesamtkosten übernehmen.“

Aus diesem Fördertopf wurden auch zwei Maschinen gekauft, ein Ladewagen und ein Doppelmesser-Mähwerk für den Betriebshof, damit Grünflächen am Straßenrand nicht mehr gemulcht werden, was sehr schädlich für Insekten ist. Zwei Studien zum Thema Insektenschutz konnten auch finanziert werden. Aber das ist eine andere Geschichte …