Weserbergland (ey). Wird wieder nix mit einem Idealjahr fürs bäuerliche Handwerk: Die Trockenschäden nehmen zu, insbesondere im Bereich von Gerste und vor allem Winterweizen. Das Landvolk Niedersachsen schlägt Alarm. Auf Nachfrage bestätigt Bjarne-Luca Grupe, Pressesprecher des Bauernverbandes Weserbergland, die immer größer werdenden Probleme. „Auf vielen Flächen geht‘s dem Weizen sehr schlecht.“ Mit teils hohen Einbußen sei zu rechnen.
Kulturen, die im Herbst in die Erde gekommen sind – wie Winterweizen, -gerste und -raps – hatten relativ gute Startbedingungen. Trotzdem leidet jetzt insbesondere der Weizen unter der seit Mitte Mai anhaltenden landesweiten Trockenheit. Wie so oft steckt der Teufel im Detail, denn: „Gerste und Weizen waren vom regenreichen Frühjahr verwöhnt. Weil es also viel Niederschläge gab, mussten sich die Wurzeln gar nicht so sehr anstrengen zu wachsen. Das Getreide wurzelt also weniger tief als in den Vorjahren und kommt nicht an die Feuchte heran“, erklärt Grupe. In den Vorjahren habe die bereits in Winter und Frühling eintretende Trockenheit dafür gesorgt, dass die Pflanzen tiefer wurzelten, um Bodenfeuchte aufzunehmen. Der Sommer war dann bekanntlich aber so heiß, dass dennoch Einbußen zu verzeichnen waren.
Sei‘s drum: Jetzt muss Regen fallen, „und zwar nicht 50 Liter pro Quadratmeter in drei Stunden, sondern richtig guter, ergiebiger, aber nicht zu starker Landregen. Am besten über mehrere Tage“, sagt Bjarne-Luca Grupe. Starkregen, wie er hinter uns liegt, bringe wenig, zerstöre teils auch die Kulturen und führe nur dazu, dass ein Großteil nicht in den Boden dringt, sondern oberflächlich abläuft.
Hafer, Mais und Rüben stehen noch gut
Sogenannte Sommerungen wie Hafer, Mais und Zuckerrüben stehen bisher gut, zumindest auf den tiefen Böden im Weserbergland, so der Sprecher des heimischen Landvolks. Das liege nicht zuletzt auch daran, „dass diese Früchte tief, teils bis zu drei Meter, wurzeln“. Beim Verband in Hannover macht man aber sogar in dieser Hinsicht bereits Einschränkungen: Insbesondere auf sandigen Standorten zeigten sich auch schon Trockenschäden.
„Aufgrund der Dürrelage in den vergangenen fünf Wochen, wo es mancherorts in Niedersachsen gar nicht oder nur sehr wenig geregnet hat, benötigen alle Kulturen dringend Niederschläge. Aktuelle Schätzungen sind daher nicht belastbar, denn alles steht und fällt mit dem Regen. Insgesamt gehen wir bislang von einer durchschnittlichen Ernte aus – wenn bald Landregen einsetzt“, berichtete der Vorsitzende vom Ausschuss Pflanze im Landvolk Niedersachsen, Karl-Friedrich Meyer, bei der diesjährigen Getreiderundfahrt des Ausschusses von der Schwierigkeit, aussagefähige Prognosen zur Ernte 2023 zu machen.
Eines steht aber jetzt schon fest: Sollte es nicht mehr ausreichend regnen, drohen Ertragseinbußen bei den wichtigen Kulturen wie Winterweizen, Wintergerste und Sommergetreide. „Die Verdunstungsrate ist mit sechs bis sieben Millimeter pro Tag riesig“, schildert Kreislandwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Thorsten Riggert. Er schätzt, dass die Gerste-Ernte mit fünf bis sechs Tonnen pro Hektar niedriger ausfallen wird als im vergangenen Jahr, als sie noch sechs bis sieben Tonnen erreichte.
Bjarne-Luca Grupe schätzt, dass das Dreschen der Gerste ungefähr in zehn Tagen beginnt, während die Weizen-Ernte um den 25. Juli herum startet. Der Weizen befinde sich aktuell in der Kornfüllungsphase; insofern könnte steter Regen hier noch eine Umkehr bewegen, hingegen der Niederschlag für Wintergerste und Roggen jetzt kaum noch eine Rolle spielt.
Immerhin: Einen Vorteil des anhaltend trockenen Wetters gibt es doch zu verbuchen: Der Schädlings- und Blattkrankheitsdruck sei geringer, sodass die Landwirte weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt haben.