Hameln-Pyrmont (ey). „Es sind ja nicht die Bäume, die nur leiden – letztlich ist es vor allem der Mensch.“ Jürgen Ziegler, in seiner Funktion als Kreisjägermeister Hameln-Pyrmont oft in den Wäldern unterwegs, bringt die ganze Angelegenheit rund um Regen, Bodenfeuchte und Grundwasser ziemlich nachvollziehbar auf den Punkt. Jedenfalls: Wer nach den relativ feuchten, ersten dreieinhalb Monaten der Meinung ist, dass sich die Niederschlags- und damit die Versorgungssituation stark verbessert habe, irrt. Entspannung ja, Entwarnung nein!
„Oberflächlich bis in Tiefen von 20 Zentimetern ist die Erde feucht. Für das Pflanzen von Stauden und das Gärtnern gut“, sagt Matthias Großmann. Doch der Inhaber der Gärtnerei Stauden-Junge schränkt gleich ein: „Tief wurzelnde Gehölze benötigen mehr Wasser, und man glaubt ja nach all den Niederschlägen seit Jahresbeginn nicht, wie trocken es dennoch in den unteren Bodenschichten ist.“
Ziemlich trocken. Das bestätigt jeder Forstwirt, der die Bäume leiden sieht. Ganz zu schweigen von den Fichten, die quasi vor dem unumkehrbaren Aus stehen, sind es auch Buchen, die nach Wasser suchen – aber nicht genug finden. Das erklärt Jürgen Ziegler so: „Die Buche ist ein atlantisches Gewächs. Die Winterniederschläge bringen ihr gar nicht so viel; sie benötigt vielmehr regelmäßige Regenfälle in Frühling und Sommer. Weil die in den zurückliegenden Jahren ausblieben, sind die Tiefen- und Grundwasser gesunken.“ Buchen litten seit Jahren an der Unterversorgung, weshalb sie in der Folge ihre Kronenäste abwerfen. Wer bei einem Spaziergang genau hinschaut, wird das auch jetzt, im laublosen Zustand, als Laie erkennen. Und wird überdies feststellen, dass der Waldboden nach wie vor nicht besonders „getränkt“ ist.
Für Landwirte war der Regen Gold wert
„Die Lage entspannt sich, aber Entwarnung kann das Forstamt sicher nicht geben“, sagt Thomas Wahmes als Sprecher der Hamelner Stadtverwaltung. Zu diesem Ergebnis sei Forstamtsleiter Carsten Bölts gekommen. Es brauche weiterhin Niederschläge, auch im Sommer. Und was vor allem fehle: der Schnee im Winter, der nach und nach beim Schmelzen in den Boden eindringe und so etwas wie ein natürliches Feuchtereservoir über viele Wochen sei. Aber geschneit hat‘s wenig bis gar nicht. Ein Teufelskreis. „Das Maß für die Landwirte ist die Feldkapazität. In der Landwirtschaft betrachten wir als Hauptaugenmerk die Bodentiefe bis 1,10 Meter“, lässt derweil Bjarne-Luca Grupe, Pressesprecher des Landvolks Weserbergland, verlauten und erklärt: „Die Kulturen auf den landwirtschaftlichen Flächen sind gut bis sehr gut durch den Winter gekommen, benötigen jetzt jedoch Wärme. Diese fehlt, weil der März nass und kalt war.“
Den Ackerfrüchten fehlt kein Wasser, sondern Wärme
Aktuell müssten die Zuckerrüben bestellt werden. Einige Bauern konnten schon die ersten Rübenpillen – so heißt das Saatgut in der Praxis – in den Boden legen. Jedoch fehle in der Masse die Bodentemperatur. Nach dem aktuellen Wetterbericht wird sich die Aussaat um den 20. April belaufen. „Somit sind wir bei der Zuckerrübenaussaat zwei bis drei Wochen später dran als im vergangenen Jahr“, sagt Bjarne-Luca Grupe.
Fast alarmierend dagegen der Blick auf eine Grafik der Stadtwerke Hameln Weserbergland: In der Grundwassermessstelle Haarbach (P42) ist bei der Betrachtung der letzten Abflussjahre und den Kenndaten der Zeitreihe 1990 bis 2019 zu erkennen, dass in der aktuellen Messung Anfang Januar der bisher tiefste Wasserstand seit Aufzeichnungsbeginn gemessen wurde! De facto ein Hinweis dafür, dass das Dürre-Problem vergangener Jahre und das Minus in den Niederschlagsmengen zurückliegender Jahrzehnte längst bei uns Menschen angekommen ist und nicht mehr bloß Bäume betrifft. „Unser Mitarbeiter misst monatlich an allen Grundwassermessstellen (ein in die Erde eingelassenes Rohr zwischen 10 und etwa 100 Meter – je nach geologischer Lage) mithilfe eines Kabellichtlotes die Grundwasserstände“, so Simone Schäfer, Leiterin Marketing, Kommunikation & Kundenservice. Das Grundwasser sei nicht abhängig von derzeitigen Niederschlägen – es nimmt einen zeitverzögerten, mehrjährigen Verlauf, bis es als Trinkwasser genutzt werden könne „und dann durch unsere Leitungen fließt“. Das Grundwasser fülle sich durch Niederschläge und Oberflächenwasser stets neu auf. Der Niederschlag in der vegetationsärmeren Jahreszeit (a
b Oktober/November bis etwa Februar/März) sei ausschlaggebend für die Grundwasserneubildung, da hier vegetationsbedingt mehr Niederschlag im Boden ankommt. Der jüngste Niederschlag – über 200 Liter im ersten Quartal laut Messung der Stadtwerke – war demnach immens wichtig. Obwohl man seitens des Versorgers zurzeit keinen Grund zur Sorge sehe, „so gilt dennoch grundsätzlich, maß- und sinnvoll sowie achtsam mit der wichtigsten Ressource umzugehen“.