Hameln (ul). Niemand möchte im Winter zähneklappernd in einer kalten Wohnung sitzen. Niemand möchte, dass unsere hochtechnologischen Industrieunternehmen mangels Gas zum Erliegen kommen. Nicht wenige Bürger stellen sich daher zurzeit die Frage, ob Fernwärme für sie und Betriebe in der Umgegend als Alternative zur Gasheizung infrage kommt. Leichter gewünscht als getan …
Bei der drohenden Gasknappheit gibt es für Hameln eine interessante energetische Alternative. Bereits 1913 wurde hier ein Kraftwerk gebaut, das zunächst nur der Stromerzeugung diente. Seit 1952 wird zusätzlich Fernwärme produziert, die an Haushalte und Unternehmen geliefert wird. 1977 begann die Umstellung des Kohlekraftwerkes auf eine Müllverbrennungsanlage. Seitdem wird der Standort stetig ausgebaut mit den drei Bereichen, Abfallverbrennung, Biomasseverstromung und Fernwärmeversorgung mit einem 62 Kilometer langen Leitungsnetz.
Die Fernwärme ist ein Abfallprodukt aus der Müllverbrennung. Da sie in einem geschlossenen Rohrnetz, ausgehend von der Müllverbrennungsanlage, durch die Haushalte zirkuliert, entstehen dabei für die einzelnen Haushalte keine klimaschädlichen CO2-Abgase.
Die Frage ist: Inwieweit ist ein Ausbau des Fernwärmenetzes für Hameln möglich, angedacht und geplant? Antworten darauf gibt der Energieversorger Enertec. Durch die thermische Verwertung von Abfall mittels Kraft-Wärme-Kopplung versorgt die Enertec in Hameln bereits 15 500 Haushalte mit Fernwärme. Aktuell sind bereits in weiten Teilen der Innenstadt und in Afferde Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen.
„Auch Unternehmen in Hameln profitieren von diesem Wärmeangebot. So beziehen bereits 35 große Betriebe in Hameln Fernwärme auch als Prozesswärme. Hinzu kommen rund 200 kleine Betriebe“, heißt es von der Enertec. Die besagten Unternehmen befänden sich in der Kernstadt und in Afferde. Neben Fernwärme wird auch Strom erzeugt. Dies erfolgt in Kraft-Wärme-Kopplung und kann je nach Witterung angepasst werden. Soll heißen: Im Sommer wird mehr Strom produziert und im Winter mehr Fernwärme durch das Netz geleitet. Interessant wäre für Hameln ein Angebot der Enertec, auch die Stadtteile westlich der Weser und die Nordstadt an das Fernwärmenetz anzuschließen. Das Unternehmen antwortet: „Ein Ausbau wird aktuell nur in der Kernstadt und in Afferde geplant. Ein Ausbau westlich der Weser lässt sich aktuell nicht wirtschaftlich darstellen.“
Anbieten würden sich Fernwärmeleitungen beispielsweise über die stillgelegte Eisenbahnbrücke für Haushalte auf dem Klüt, an der Pyrmonter Straße, Wangelist und den Ohrberg, aber auch letztlich per Leitung unterhalb der Münsterbrücke und der Brücke am Sana Klinikum für das Klütviertel, sofern für den Straßenverkehr dort keine Sicherheitsbedenken bestehen. Doch da ist man bei der Enertec skeptisch: „Um das zu beurteilen, müssten erst konkrete Planungen erfolgen. Aus heutiger Sicht verfügt der Kraftwerksstandort Enertec allerdings über ausreichend Reserven, um weitere Stadtteile mit Fernwärme zu versorgen.“
Auf die Frage, ob dazu ein weiterer Kessel gebaut werden müsste, heißt es: „Die installierte Kapazität reicht Stand heute aus. Allerdings ist zu bedenken, dass es sich zum Teil um ältere Kessel handelt, für die in den kommenden Jahren Ersatzinvestitionen vorzunehmen sein werden. Dabei kann man dann auch entscheiden, ob man im Rahmen dieses Ersatzes die Kapazität aufgrund der Fernwärmenachfrage ein Stück erhöht.“
Auf die Frage, ob es ein Limit gibt oder ob eine langfristige Investition dazu dienen könnte, dass sich Hameln mittels Müllverbrennungsanlage anstelle von Gasheizungen mit Fernwärme versorgen ließe, heißt es: „Das ist völlig richtig. Die Enertec möchte auch noch weiter ausbauen. Begrenzend beim Anschluss von Haushalten an das Fernwärmenetz sind eher die Leitungsarbeiten in fernere Stadtteile. Bei einer sehr aufgelockerten Bebauung mit wenig Energieabnahme wird die Fernwärme auch nicht der Energieträger der Wahl sein. Da bieten sich eher Wärmepumpen oder andere regenerative Wärmeträger an.“
Derzeit konzentriere man sich auf die Kernstadt und Afferde. Ein zeitnaher Ausbau des Fernwärmenetzes in den nächsten drei bis fünf Jahren sei aber für folgende Straßen geplant: Sprengerstraße, Teile der Karlstraße, Sedemünderstraße, Gertrudenstraße, Teile der Koppenstraße, Kreuzstraße, Fahlte, Beethovenstraße, Königstraße, Buchholzkamp und Teile der Wittekindstraße.