Weserbergland (ey). Acht Grad Celsius. Konstant. Wer im Sommer in Shorts und T-Shirt mit dem Fahrstuhl 45 Meter in die Tiefe gleitet, um an einer Führung durch die Schillat-Höhle in Langenfeld bei Hessisch Oldendorf teilzunehmen, könnte sich erkälten. Drum gilt: Lieber lange Hose anziehen und Strickjacke bereithalten. Gilt ebenso für eine Erlebnisführung in den Besucherbergwerken Osterwald (Salzhemmendorf) und Kleinenbremen (Porta Westfalica) sowie für den Klosterstollen Barsinghausen – um jetzt mal die vier bedeutendsten Unter-Tage-Ereignisse im Umkreis zu nennen. Glückauf!

Spätestens beim Kokon der Höhlenspinne ist das Geschrei bisweilen größer, als man in diesen wissensangehäuften Zeiten annehmen dürfte. Klarer Fall von Entfremdung. „Die wohnt hier. Einige andere auch. Sie ist harmlos, keine Angst“, beschwichtigen dann Höhlenführer wie Angelika Schwager, Anke Steinemann ider Hans Müller, die sich zusammen mit vielen anderen Kollegen große Mühe machen, die „Unterwelt“ der Schillat-Höhle interessierten Besucherinnen und Besuchern nahezubringen. Bisweilen bis kurz vor Erschöpfung: „Ich hatte neulich fünf Führungen an einem Tag – bei der fünften kam es mir schon vor, als ob ich mir selbst zuhörte“, lacht Hans Müller.

Die Höhlenspinne und ihr weißer Kokon …

Aber ja, es gibt auch so viel zu erzählen; die Höhlenspinne ist nur ein Aspekt von unendlich vielen! Da ist die erstaunliche Geschichte über die Entdeckung der Schillat-Höhle, der nördlichsten Tropfsteinhöhle Deutschlands. Da sind die Jahrmillionen, die aus den Gesteinsschichten herauszulesen sind. Das ist das „Euter der auf dem Rücken liegenden Kuh“, da sind die „Beine des Baxmanns“ und schließlich der Märchenwald. Funkelnde Kristalle, Stalaktiten, Stalagmiten, Stalagnaten … – Wahrhaft beachtlich, was sich hier alles findet. Und nur gucken, nichts anfassen bitte! Das Interesse ist riesig: bis zu 40 000 Besucher pro Jahr.

„Glück auf“ heißt es in Osterwald. Hier handelt es sich freilich nicht um eine Tropfsteinhöhle, sondern um eine von Menschen gemachte Unterwelt. Von 1585 bis 1926 wurde Steinkohle gefördert. Die Zeiten sind lange vorbei; jetzt lockt das Besucherbergwerk und gibt überaus interessante Einblicke in die faszinierende Welt unter Tage. 145 Millionen Jahre Erdgeschichte stecken drin – inklusive Museum. Mit ausgebildeten Führern geht‘s rund 450 Meter hinein in den Stollen! Für Erwachsene mindestens spannend, für Kinder absolut ein Abenteuer.

Natürlich mit Helm, ist doch klar, der ist überall Pflicht! Auch im Klosterstollen Barsinghausen. Gut, der Weg dorthin ist schon etwas weiter, aber er lohnt sich. Der Bergbau im Deister blickt auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurück. Alleine schon die Einfahrt in das Bergwerk ist erstaunlich, und unten angekommen vermag man zu glauben, dass hier noch gefördert wird. Authentisch in allen Facetten. Und spektakulär, denn das hier ist kein Kinderspiel, sondern eine Strecke von rund 1380 Metern!

So weit geht’s auch hinunter im Besucherbergwerk Kleinenbremen bei Porta Westfalica. 1883 begann in der Grube Wohlverwahrt der Abbau von Eisenerz. Im Jahr 1957 wurde der Betrieb auf der Grube Wohlverwahrt eingestellt, weil die Erzförderung nicht mehr wirtschaftlich war. 1988 wurde das Besucher-Bergwerk Kleinenbremen feierlich eröffnet.

  • Schillat-Höhle – Riesenbergstraße 2A, 31840 Hessisch Oldendorf, ( (0 57 51) 4 01 96 20, www.schillathoehle.de/naturnahzentrum. Besondere Veranstaltung: Klang-Meditation in der Tropfsteinhöhle am Freitag, 1. September, 18 bis 19.30 Uhr
  • Hüttenstollen Osterwald – Steigerbrink 25, 31020 Salzhemmendorf, ( (0 51 53) 96 48 46, www.der-huettenstollen.de. Besondere Veranstaltung: Lesung im Hüttenstollen an diesem Sonntag, 6. August, ab 15 Uhr, zur bergmännischen Geschichte im Kontext „Kumpel, Kohle, Kali“
  • Klosterstollen Barsinghausen – Hinterkampstraße 6, 30890 Barsinghausen, ( (0 51 05) 51 41 87, www.klosterstollen.de
  • Besucherbergwerk Kleinenbremen – Rintelner Straße 396, 32457 Porta Westfalica, ( (0 57 22) 9 02 23, https://bergwerk-kleinenbremen.de/