Hameln. Der eine ist anerkannter Experte für Farne, der andere hat einen Tick für panaschierte Pflanzen und leitet mit der Staudengärtnerei Junge in Wehrbergen ein Unternehmen, dessen eigene Züchtungen mindestens europa-, wenn nicht sogar weltweit bekannt sind! Beide – Ingo Danielsen und Matthias Großmann – haben für ihr botanisches, gärtnerisches Wirken quasi jetzt so etwas wie einen Ritterschlag erhalten. Im „Großen Buch der Gärtnerinnen und Gärtner“, erschienen im renommierten Callwey-Verlag (256 Seiten, zahlreiche Abbildungen), wird Ihnen jeweils eine Doppelseite gewidmet. Das sorgt für Furore.

Denn: Wer sich im Kreise der Top 100 befindet – unter anderem neben so bekannten Gärtnereien wie Foerster-Stauden (Potsdam), Gaißmayer (Illertissen) und Königliche Garten-Akademie (Berlin) –, darf deshalb nicht nur stolz sein, sondern sieht sich seit der Veröffentlichung auch einem gestiegenen Interesse gegenüber. Das Buch ist bereits in der zweiten Edition aufgelegt worden und stellt eine fabelhafte Reise zu den besten und ungewöhnlichsten Gärtnereien in ganz Deutschland dar. Auch über die Landesgrenze geht‘s, nach Österreich und in die Schweiz. „Eigentlich wussten wir erst nicht so recht, was auf uns zukommt. Nun empfinden wir es als eine große Ehre“, sagt Matthias Großmann, wie immer recht bescheiden. Dessen Betrieb am Seeangerweg setzt bekanntlich eine große Tradition fort, die von seinem Urgroßvater vor übrigens genau 125 Jahren begründet wurde. „Dass wir im Jubiläumsjahr nun eine solche Veröffentlichung in einem so umfangreichen Garten-Werk erhalten, ist toll“, sagt er, der ein Super-Team an seiner Seite weiß und dessen Ehefrau Susanne ohne Zweifel ebenfalls zum Erfolg beiträgt. Die Ehre ist mehr als berechtigt, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel das Lampenputzergras ’Hameln‘ (Pennisetum alopecuroides) hier selektiert wurde, die Sonnenbraut ’Wesergold‘ (Helenium) ebenso durch das züchterische Wirken hervorging wie die Schleifenblume ’Fischbeck‘ (Iberis sempervirens) und nicht zuletzt die auch von Experten höchsten Ranges hochgelobte Seerosen-Züchtung (Nymphaea), die den Namen seines Großvaters trägt: ’Fritz Junge‘.

Eine fabelhafte Reise zu den
renommiertesten Gärtnereien Deutschlands

Im Spannungsfeld zwischen diesem Entdeckertum, diesem Abenteuer-Gen, neue Wege zu beschreiten, und den modernen Anforderungen an eine Gärtnerei im 21. Jahrhundert zu entsprechen, wird Stauden-Junge im Buch von Anja Birne (Autorin) und Marion Nickig (Fotos) als ein Betrieb „mit feiner Wasserpflanzenauswahl, vielseitigem Staudensortiment sowie erfolgreichen Neuheiten wie den pflanzfertigen Staudenmischungen ’Indian Sunset‘“ beschrieben und erinnert unter anderem auch an die vierjährige Wanderzeit Großmanns durch Süddeutschland und England, die einen „Kofferraum voll neuer Pflanzen und Ideen“ brachte.

Mit dem Farnkraut-Fachmann Ingo Danielsen verbindet Matthias Großmann sowohl eine Freundschaft als auch eine Kooperation. Denn Danielsen, sozusagen lebenslang mit Pteridomanie infiziert, was frei übersetzt soviel wie „Farnfieber“ bedeutet, hat seine Mutterpflanzen auf dem Gelände der Gärtnerei Junge.

Für Einsteiger wichtig: Farne haben keine Blätter, sondern Wedel. Und sie entwickeln keine Samen, sondern Sporen. Wer dies beachtet, hat schon mal einen guten Gesprächseinstieg mit dem netten Farnexperten. Der weiß natürlich noch viel mehr. Und kann sich begeistern: „Die unterschiedlichen Grüntöne, die Größenunterschiede der Arten und Sorten, der Zauber, der diese Pflanzen umgibt, hat mich schon immer begeistert, schon in jungen Jahren.“ Diese Begeisterung hält bis heute an und lässt den Hamelner mit Farnfiebernden auf der ganzen Welt chatten und schreiben. Bisweilen kommt ein Paket aus England oder anderswo, in dem sich neue Pflanzen befinden.

Wenn Ingo Danielsen seiner Leidenschaft freien Lauf lässt, spricht er zum Beispiel von Adiantum pedatum, Polypodium und Asplenium scolopendrium, was sich zunächst wie Zaubersprüche von Harry Potter anhört, in Wirklichkeit aber die botanischen Namen für Frühroter Pfauenradfarn, Tüpfelfarn und Kleiner Hirschzungenfarn darstellen. Bei Letztgenanntem übrigens hat er einen Zufallsfund im Ith machen können. Nirgendwo anders auf der Welt sei ein Hirschzungenfarn dieser Größe und Gestalt bislang entdeckt worden, weshalb er ihn ’Zwerge am Ith‘ getauft hat. Damit hat er der Region ein Stück mehr Identität gegeben, und es ist der Beweis dafür, wie treffend im Buch das Bestreben und das Wesen Danielsens beschrieben werden: „Ingo Danielsen liebt Farne, alte Bücher, Heimatgeschichte, Fachwerkhäuser und Kindertheater. Der Gärtner lebt mit seiner Familie tief verwurzelt in der alten Kulturlandschaft des Weserberglandes.“