Hameln (ey). 139 neu-installierte Photovoltaikanlagen (mit mehr als 1 kW Leistung) im Jahr 2022 – in Hameln investieren Bauherren und Sanierer der Sonne entgegen. Die gute Nachricht: Das Interesse an der „grünen Energie“ wächst und gedeiht. Und Hamelns Neuinstallationsplus in Höhe von 16 Prozent liegt immerhin im Bundesdurchschnitt. Die schlechte: Mit jeder neuen Auftragsanfrage erhöht sich die Wartezeit. Stichwort: Versorgungsengpass.

Alexander Uthe, Obermeister der Elektro-Innung Hameln, bestätigt auf Anfrage des HALLO den Run auf Solarenergie. „50 bis 60 Prozent der Aufträge, um die ich mich kümmere, hängen nur noch mit der Installation von Photovoltaikanlagen zusammen. Der Anteil ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen“, sagt Uthe, einer von drei Geschäftsführern der Firma EKS in Hameln. Auffällig hoch – und gleichermaßen wichtig – sei der Anteil von Anlagen, die gleich mit Batteriespeicher installiert werden. „90 Prozent – nur wenige machen das nicht“, so der Solar-Fachmann. Die Investition sei mit Batteriespeicher deutlich höher, allerdings würde auch kein einziges Kilowatt Strom verloren gehen. Denn: Wo kein Speicher ist, wird die Energie gleich ins Netz eingespeist; die Marge dafür ist nicht besonders hoch.

Ohne Batteriespeicher nur die halbe Miete

Dort aber, wo ein Speicher die am Tag gesammelte Sonnenergie auffängt und am Abend abrufbar macht, führt dies zu einer recht autarken Lebensweise. „Vor allem dort, wo die Familienmitglieder am Tag gar nicht im Haus sind, sondern erst nachmittags beziehungsweise abends aus der Schule oder von der Arbeit zurückkehren, ist der Batteriespeicher anzuraten. Denn erst, wenn alle wieder zu Hause sind, steigt der Verbrauch – und wird dann durch den Speicher gespeist“, sagt Alexander Uthe. Und keine Bange: „Moderne Speicher sind nicht mehr viel größer als ein gewöhnlicher Kühlschrank.“

Wartezeiten bei mindestens sechs Monaten

Eine Geduldsprobe bleibt die Installation der modernen Technik natürlich dennoch, denn die Wartezeiten liegen mittlerweile im Allgemeinen bei einem dreiviertel Jahr; Ausnahmen bestätigen die Regel. Modernisierer, die heute einen Auftrag an eines der Fachunternehmen in der Region erteilen, werden im Normalfall kaum vor Spätsommer oder Herbst dieses Jahres Besuch von den Handwerkern bekommen.

Aber sei‘s drum: Das ist eine Hürde, die die Hamelner anscheinend in Kauf nehmen, weil jeder weiß, wie schwierig die Materialbeschaffung für die Fachbetriebe teils geworden ist. Laut Selfmade Energy, einem Vergleichs- und Informationsportal rund um die Energiewende auf kommunaler, Landes- und Bundesebene, liegt das Wachstum im Bereich der installierten Photovoltaikanlagen in Hameln im vergangenen Jahr ungefähr auf Höhe des bundesweiten Durchschnitts aller deutschen Städte (16 Prozent). Ist doch schon mal nicht übel. Die Gesamtzahl der auf den Dächern von Hameln installierten Solaranlagen betrage aktuell 1005. Gemessen an der Anzahl der PV-Anlagen pro 1000 Einwohner schafft Hameln es damit im Ranking der Städte auf Platz 1598. Das geht aus den offiziellen Photovoltaik-Ausbauzahlen der Bundesnetzagentur für das Jahr 2022 hervor, die das Vergleichsportal für Solaranlagen Selfmade Energy jetzt für 2050 Städte ausgewertet hat. Und ja: Da ist natürlich schon auch noch viel Luft nach oben. Siehe Creuzburg in Thüringen: Dort wurde die Anzahl der PV-Anlagen im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt (+ 106 %)!

Solarexperte Dr. Tim Rosengart, Geschäftsführer von Selfmade Energy: „Aktuell sind vor allem die hohen Energiepreise und das Streben nach mehr Autarkie die wichtigsten Treiber hinter dem starken Wachstum der Solarenergie in Deutschland. Bei den Anfragen über unser Vergleichsportal sehen wir, dass die Entscheidung für eine Solaranlage mittlerweile für viele Hausbesitzer alternativlos ist – und immer häufiger direkt in Kombination mit Wärmepumpe und E-Auto getroffen wird.“

Für dieses Jahr erwartet Rosengart nochmals ein größeres Plus beim Photovoltaik-Zubau in Deutschland. Mit der seit Januar greifenden Mehrwertsteuerbefreiung auf Kauf- und Mietanlagen werde die Anschaffung für viele Hausbesitzer zusätzlich an Attraktivität gewinnen. Das sieht auch Hamelns Innungsobermeister Uthe so: „19 Prozent weniger Kosten – das ist ’ne Menge Ersparnis.“