Hameln-Pyrmont (ey/mes). Sie übernehmen wichtige Aufgaben, integrieren Menschen in ein soziales Gefüge und vermitteln bedeutungsvolle Werte. Freiwillige Feuerwehren und Vereine sind ein Motor für unsere Gesellschaft. Ein Motor allerdings, der auch ins Stottern gerät. Beispiel Gesangvereine: Sie leiden unter enormem Mitgliederschwund. Kaum Nachwuchs in Sicht für manch klassischen MGV. Der Männergesangsverein Kirchohsen etwa schlug im Oktober vergangenen Jahres seine Notenhefte für immer zu – nach 145 Jahren Bestehen! Umso wichtiger, hier und heute aus Anlass von Jubiläen und runden Geburtstagen Vereine und Feuerwehren in den Fokus des Interesses zu rücken. Weil unser Miteinander ohne sie um einiges ärmer wäre.

Über 240 Vereine sind im Kreissportbund Hameln-Pyrmont gemeldet. Mitglieder: rund 48.000. Bei annähernd 155 000 Einwohnern sicher keine schlechte Bilanz, jedoch die Zahl der Aktiven gesunken ist und vor allem die Corona-Pandemie Schrammen im Vereinswesen hinterlassen hat. Nicht überall, aber doch sehr häufig klagen Vorstände über mangelndes Interesse und Nachwuchssorgen. Und dies, obgleich hier fast 50 Sparten vorhanden sind – von A wie Aikido bis V wie Volleyball. Interessant: König Fußball ist gar nicht König! Die meisten Mitglieder (laut Statistik aus dem Jahr 2021) – entfallen mit über 14 300 auf die Sparte Turnen, die damit weit mehr Interesse auf sich zieht als Fußball (rund 8700) und Schießsport (rund 4350).

Dass neben einem ausgewogenen Angebot in erster Linie Jugendarbeit zielführend ist, beweisen die Freiwilligen Feuerwehren in der Region. Die schlechte Nachricht: 116 Ortswehren waren es mal, jetzt sind es noch 105, woran der Bedarfsplan nicht unschuldig ist. Will heißen: Kleine Einheiten wie zum Beispiel Selxen und Königsförde (Flecken Aerzen) wurden vereint. Die gute Nachricht aber: Den Feuerwehren mangelt es nicht so sehr an Nachwuchs, weil sie früh darum werben. „Es gibt mittlerweile 41 Kinderfeuerwehren und 69 Jugendfeuerwehren im Landkreis Hameln-Pyrmont“, sagt Kreisbrandmeister Kay Leinemann. Mitgliederstärke zusammengerechnet: über 1500! Das ist enorm – die Zahl der aktiven Brandschützer liegt bei zurzeit 3329. „Hinzu kommen noch 615 Musikerinnen und Musiker“, ergänzt Leinemann. Übrigens: Die Jugendfeuerwehr Kirchohsen feiert in diesem Jahr sogar schon ihren 40. Geburtstag und gehört damit zu den ältesten ihrer Art im Landkreis Hameln-Pyrmont. Chapeau!

Es sind Mitgliederzahlen, von denen man in Chören gerne singen möchte. Allein: Hier ist vielerorts das Interesse rapide gesunken. Beispiele gibt es genug: Der bereits erwähnte MGV Kirchohsen ist Geschichte, ebenso der MGV Fidelitas Afferde, der bereits 2017 aufgelöst wurde. Doch einige positive Entwicklungen gibt es dennoch: Der MGV Osterwald ist der älteste Verein im Dorf und startete nach der Corona-Pandemie (auch) mit neuen Sängern und Aktivitäten wieder durch. Als Mitglied im niedersächsischen Chorverband, in dem rund 400 Vereine mit etwa 25 000 Mitgliedern organisiert sind, soll in Osterwald auch weiterhin Note für Note gehalten werden.

Zwischen Verzweiflung und Hochgefühl, zwischen ungebrochener Vereinstreue und Mitgliederschwund: Vorstände und Kommandos von Vereinen und Feuerwehren verspüren ein stetes Spannungsverhältnis. Umso schöner festzustellen, dass nach wie vor viele von ihnen Jubiläen oder runde Geburtstage feiern können. 145 Jahre etwa sind ja kein Pappenstiel. Damit ist die Freiwillige Feuerwehr Coppenbrügge eine der ältesten im Landkreis Hameln-Pyrmont, die mit einem großen Fest diesen Anlass auch entsprechend feiern wird (zwei Sonderseiten dazu in der aktuellen HALLO-Ausgabe). Da können die Kameraden zu Recht stolz drauf sein. Und das sei man auch, sagte der stellvertretende Ortsbrandmeister, Marc-Oliver Tesch, jüngst beim Frühschoppen in der Dorfkneipe. Unter den 316 Mitgliedern können manche auf über 30 Jahre Zugehörigkeit der Ortswehr zurückblicken, sind seit Jahren in der Einsatzabteilung rund um die Uhr auf Abruf neben Job und Familie: Sie retten, löschen, bergen und schützen, wann immer es nottut. Dass dieses Engagement eben nicht selbstverständlich ist, das zeigt ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus: In den allermeisten Ländern besteht die Feuerwehr aus rein hauptberuflichen Angestellten, oft sogar dem Militär zugeordnet. Hierzulande sind es überwiegend ehrenamtliche Einsatzkräfte. In Niedersachsen gewähren und leisten beispielsweise über 3200 Freiwillige Feuerwehren den flächendeckenden Brandschutz.

Und es stehen weitere Jubiläen an. Der TuS Schwarz-Weiß Löwensen feiert sein 100-Jähriges ab Freitag, 25. August und erwartet dazu sogar Ex-Nationalspieler Mario Basler im Festzelt am Sportplatz. Und in Lügde pflegen die Dechen ihre große Tradition, sorgen jedes Jahr aufs Neue für den traditionellen, imposanten Osterräderlauf. Als der Dechenverein gegründet wurde, standen 70 Männer dahinter, heute liegt die Zahl der Mitglieder bei mehr als 600! Darauf ist der Dechenverein zu Recht stolz, und die Lügder Bürger identifizieren sich sehr stark mit „ihrem“ Dechenverein, der jetzt ebenfalls sein 100-jähriges Jubiläum feiert.