Hameln-Pyrmont (rr). Wie oft kommt es vor, dass ein Mensch bedrängt ist, in Not und verzweifelt, dringend einen Gesprächspartner braucht und doch alleingelassen wird. In Situationen, in denen man sich aussprechen möchte, weil die Probleme mit Partner, Kindern oder Eltern, den Nachbarn oder den Arbeitskollegen über den Kopf wachsen und man nicht mehr weiterweiß, gibt es als seriöse Anlaufstelle das Sorgentelefon e. V..

Diese Hamelner Institution, weltanschaulich neutral und parteilich nicht gebunden, hat dafür zu jeder Tages- und Nachtzeit ein offenes Ohr. Allein ein vertrauliches Gespräch kann schon der Schlüssel zu neuer Erkenntnis sein, ist Hilfe zur Selbsthilfe und zeigt Wege auf, an die ein Anrufer in einer Situation, in der alles zu viel wird, von selbst nicht gedacht hätte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sorgentelefons, die unter den Telefonnummern (08 00) 1 11 04 44 (täglich 18 bis 21 Uhr, aus dem Festnetz des Landkreises Hameln-Pyrmont kostenfrei erreichbar) oder (0 51 51) 2 26 22 kontaktiert werden können, unterliegen der Schweigepflicht und gehen auf jeden Anrufer individuell und mit Sorgfalt ein. Zu ihren Eigenschaften zählen Unvoreingenommenheit, Konfliktbereitschaft und viel Geduld beim Zuhören sowie vor allem Empathie und Zugewandtheit. Da wird kein Anrufer mit seinen Sorgen und Problemen abgewimmelt oder allein gelassen.

Ein wesentliches Merkmal in einem solchen Kontakt ist die Anonymität, denn niemand muss seinen Namen nennen, wie auch die Sorgentelefon-Mitarbeiter anonym bleiben. So kann jeder sicher sein, dass seine Probleme unter dem Mantel der Verschwiegenheit behandelt werden und in vollem Umfang sein Herz ausschütten. „Wir sind das Ohr“, stellen die Vorsitzende des Sorgentelefons, Ute Kurkowski, und Vorstandsmitglied Ruth Leunig fest, „und wir kennen die helfenden Einrichtungen, soziale Netzwerke und können Hilfsangebote vermitteln.“

Um ein Gesprächsangebot über 24 Stunden täglich zu gewährleisten, sind gegenwärtig rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiter niedersachsenweit engagiert, dort erreicht man die Telefonseelsorge unter 0800 / 1110111 oder 0800 / 1110222 (rund um die Uhr, anonym, kostenfrei aus allen Netzen). Doch sucht das Sorgentelefon noch weitere Mitarbeitende, die offen für die Sorgen anderer Menschen sind und sich für soziale Tätigkeiten einsetzen wollen. Dabei werden Interessenten nicht einfach ins kalte Wasser geworfen. Einem Einsatz geht eine anspruchsvolle 15-monatige Vorbereitung durch die Telefonseelsorge Hannover voraus, die 150 Stunden fundierte Ausbildung durch Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeitern umfasst. Darin sind unter anderem das Erfahren und Erleben der eigenen Ressourcen, Selbstreflexion in Supervisionen und Fortbildungen, Techniken der Gesprächsführung sowie das Wissen über soziale Netzwerke und weiterführende Hilfen enthalten, sodass ein solides Fundament geschaffen wird. Dann kann man, beispielsweise am Standort Hameln, in die Tätigkeit einsteigen.

Und auch hier wird man nicht allein gelassen, denn Supervision hilft, sich selbst zu orientieren und seine eigene Psyche nicht von den Problemen anderer überrennen zu lassen.
Sowohl die gründliche Vorbereitung als auch die Arbeit am Telefon sind absolut reizvoll und eröffnen sozial engagierten Menschen neue Perspektiven. Die nächste Ausbildung startet im September, Interessenten sollten sich bis spätestens Anfang August unter kontakt@sorgentelefon-hameln.de anmelden.