Hameln-Pyrmont (mes). Die Zahl der Jäger in Deutschland ist innerhalb eines Jahres um 8900 auf 397 414 gestiegen. Den Aufwärtstrend bestätigt der Deutsche Jagdverband seit Jahrzehnten. Innerhalb von 30 Jahren stieg die Zahl derer, die auf die Pirsch gehen, um über 75 000! Konstant stark zeigt sich die Zahl auch in Hameln-Pyrmont. Hier auffällig: Immer mehr Frauen entdecken den Hochsitz für sich.
Die meisten Inhaber eines Jagdscheins leben mit 92 074 Jägern in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen folgt mit 60 000. In Hameln-Pyrmont sind es 1100, wie Thorsten Bund beobachtet. Damit seien die Zahlen stabil. „Die Anzahl hat sich auch in den vorangegangenen Jahren nicht signifikant verändert“, so der 1. Vorsitzende der Jägerschaft Hameln-Pyrmont.
Nicht so bei den Jägerinnen: „Auf Landesebene (Landesjägerschaft Niedersachsen) liegt der Frauenanteil bei circa zehn Prozent, Tendenz steigend“, sagt Bund. Der DJV (Deutscher Jagdverband als Bundes-Dachverband) habe im Dezember eine Statistik veröffentlicht. Nach einer Umfrage bei Jagscheinabsolventen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren liege die Zahl der Frauen in dieser Gruppe bereits bei rund 18 Prozent. „Somit kann man davon ausgehen, dass die Zahl der weiblichen Jäger auch bei uns weiter steigt“, freut er sich.
Jagdausbildung 2022: Ein Viertel ist weiblich
Dieser Trend ist auch bundesweit zu verzeichnen. Mittlerweile sind ein Viertel der Teilnehmer der Jagdausbildung weiblich. Mit sieben Prozent aller Jäger sind sie allerdings noch deutlich in der Minderheit bei der Jagd.
Jahrtausende hindurch war die Jagd lebensnotwendig. Sie sicherte als Lieferant für Nahrung, Werkzeug und Kleidung das Überleben der Menschen. Heute ist die Jagd eine nachhaltige, sinnvolle Nutzung natürlicher Ressourcen oder Reserven. Zusammen mit der Hege sichert sie in der Kulturlandschaft nicht nur die Lebensgrundlagen des Wildes, sondern aller freilebenden Tiere. Umso erfreulicher, dass der Landkreis Hameln-Pyrmont mit Jägern gut aufgestellt ist.
Bundesweit betrachtet leben 4,7 Jägerinnen und Jäger pro 1000 Einwohner in Deutschland. Sie haben eine staatliche Prüfung abgelegt. Diese umfasst so unterschiedliche Bereiche wie „Wildbrethygiene (Verarbeitung und Herstellung von Nahrungsmitteln aus erlegtem Wild), Wildbiologie, detaillierte Kenntnis von Flora und Fauna, Umweltrecht, Naturschutz, aber auch Waffenrecht und –handhabung“, führt Thorsten Bund aus.
Der Unterricht werde meist über neun Monate verteilt und ein- bis zweimal wöchentlich für jeweils zwei bis drei Stunden abgehalten. Gerade hinsichtlich des Themas Wildunfälle werde besonderer Wert auf den Umgang nicht nur mit Kurz- und Langwaffen, sondern vor allem auch mit Kaltwaffen (Messer) gelegt. Um zum Beispiel durch ein Auto schwer verletztes oder nicht unmittelbar tödlich getroffenes Wild zu erlegen, wird der Fangschuss praktiziert. Das jeweilige Tier soll dadurch „schnellstmöglich von seinen Leiden erlöst“ werden. Und da dies oftmals nur durch den Einsatz eines Messers geschehen kann, weil das Wild zum Beispiel schwer zugänglich unter dem Auto liegt, sei das Erlernen jener Methode sehr wichtig. Hinzukämen dann noch die theoretischen Unterrichtsfächer Verkehrs- und Aneignungsrecht.
Zur Jagd gehört nicht nur das Beobachten und Hegen der Tiere, sondern auch das Erlegen. Dies bedeutet jedoch nicht Lust am Töten, sondern Freude am jagdlichen Erfolg. „Hier spielt auch das Thema Ethik eine wichtige Rolle“, ergänzt Thorsten Bund. „Immerhin bestimmen wir ja darüber, ob ein Leben beendet wird oder nicht.“ Daher könne der Jagdschein auch nur unter bestimmten Voraussetzungen erworben werden, zum Beispiel müsse ein polizeiliches Führungszeugnis vorliegen. Zwar machten Hege und Pflege 80 bis 90 Prozent der Jagdarbeit aus, doch „das Schießen ist der anstrengendste“.
Etwa drei Viertel der Jäger sind bundesweit in Verbänden organisiert und sorgen ehrenamtlich für die heimischen Wildtiere. Sie reduzieren das Risiko von Wildkrankheiten, betreiben aktiven Arten- und Naturschutz und dämmen Wildschäden in Wald und Feld ein. Eine gewissenhafte Jagd entnimmt vor allem den Überschuss als auch die alten und kranken Tiere eines Bestandes. Sie gefährdet somit nicht den Fortbestand einer Wildart, sondern hält die Bestände gesund und liefert vielmehr schmackhafte Lebensmittel – das Wildbret. Ein weiterer Punkt: Probleme durch Nutria und Wachbären nehmen stetig zu“, sagt Thorsten Bund. Sie würden Riesenschäden in Flora und Fauna anrichten. Der Waschbär beispielsweise bedrohe als Eierräuber vor allem die Singvögel.