Hameln (ey). Da sitzt sie Gitarre spielend, dem Latin Folk und deutscher Klassik sich hingebend, lenkt das Interesse auf sich, sich und ihren knuddeligen Begleiter. Beatriz Gallardo hat auf einer Bank in der Fußgängerzone Platz genommen, und Sunny, Hundedame von Juwelier Thomas Schmidt, schaut ungewohnt interessiert aus dem Fachgeschäft. Nicht der Musik wegen, die klingt in ihren wie in aller Ohren schön. Aber wann sitzt schon mal ein Hase auf der Osterstraße. Ist ja schließlich keine Osternstraße …
Genauer gesagt: ein Kaninchen der Rasse Widder. „Das ist Milu. Den nehme ich immer mit“, sagt Beatriz. Sie wohne in Osnabrück, zöge mit ihrer Gitarre und Milu per Bahn durch Norddeutschland, um als Musikerin in den Innenstädten vor Publikum zu spielen. „Ich muss Milu mitnehmen, weil ein rechtsextremer, asozialer Nachbar meine anderen Kaninchen verletzt, angezündet, missbraucht und getötet hat. „Milus Pfoten und sein Bürzel seien von der letzten Gewalttat fast verheilt, aber zu Hause sei er nicht sicher, solange dieser Nachbar noch dort wohne, sagt sie, halb Chilenin, halb Deutsche. Der Mann sei vermutlich über den Balkon eingedrungen.
„Meine Heimatstädte sind Santiago de Chile und Soest. Jetzt wohne ich in Osnabrück und reise als selbstständige Musikerin durch Deutschland.“ Milu ist immer dabei und geht auch nicht stiften. Wohin die Reise führt, ist morgens unklar. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen liegen in ihrem Fokus.
Latin Folk. Klassik. Pop in vielen Sprachen. Das Repertoire der jungen Frau ist groß; Milu mümmelt derweil im Schatten der Bank oder trinkt Wasser aus einer Schale. Er haut nicht ab, und die Antwort, warum er keine drei Meter von seiner Beatriz abweicht, beantwortet sie wie selbstverständlich mit den Worten: „Weil er mich mag.“
Sie muss ihn nicht an die Leine nehmen, er ist ihr treu ergeben. Und während sie den nächsten Song anstimmt, über die Seiten streichelt, streicheln Blicke von Passanten aufmerksam über das Fell des Kaninchens. Läge ein Hund dort, zu Füßen der Musikerin, die in Santiago de Chile geboren wurde, dann wäre das sicher auch für viele interessant – aber ein „Widder“, nun, das ist geradezu merkwürdig. Die großen Lauscher vermögen die zarten Klänge von Beatriz mit Wonne vernehmen zu wollen. Das Besondere für die Musikerin ist übrigens nicht ihre tierische Begleitung, die ihr nicht von der Seite weicht, sondern dass „jeder Moment eine neue Erfahrung ist und ich viel positives Feedback bekomme“. Gestern in Bielefeld, heute in Hameln, morgen, ja, wer weiß, wo es morgen hingeht. Milu reist jedenfalls mit.