Hameln-Pyrmont (ey). Wasser ist flüssig, manches Wasser überflüssig. – „Vor allem Mineralwasser in PET-Flaschen“, sagt der Hamelner Nick Hutchings. Und formuliert als erfahrener Greenpeace-Aktivist gegen Plastikmüll ein Ziel, dessen Zahl unglaublich klingt, aber wahr ist: „Es muss in unser aller Interesse sein, die Jahresmenge an PET-Flaschen wenigstens um die Hälfte zu reduzieren. Das würde nur für Hameln bedeuten: auf drei Millionen Stück!“ – Um dieses Ziel deutlich zu unterstreichen, steht am kommenden Wochenende eine große Aktion an, zu der Hutchings und der BUND Hameln-Pyrmont einladen!

Geht man nach den bundesweit vom Verband Deutscher Mineralbrunnen gemeldeten Zahlen, werden allein in der Rattenfängerstadt mit ihren knapp 60 000 Einwohnern jedes Jahr rund sechs Millionen mit Mineralwasser gefüllte Plastikflaschen (PET) in Supermärkten und Discountern gekauft, „obwohl das Trinkwasser ja aus der Leitung kommt“, wie Andrea Brenker-Pegesa, Vorsitzende des BUND Hameln-Pyrmont, ausführt. Diese Plastikflut entfacht eine Plastikwut! Sie bringt Andrea Brenker-Pegesa und Nick Hutchings erneut gemeinsam auf den Plan, eine groß angelegte Aktion gegen Müll durchzuführen.

„Weser Cleanup“ war ein voller Erfolg

Wir erinnern uns: Bereits im September vergangenen Jahres hatten sie gemeinsam zum „Weser Cleanup“ aufgerufen, hatten BUND-Mitglieder, Bürgerinnen und Bürger sowie verschiedene Vereine dafür begeistern können, an den Uferbereichen von Hameln bis Großenwieden Müll zu sammeln. Fast sechs Kubikmeter kamen dabei zusammen. Nun soll abermals aufgeräumt werden, nicht nur an den Ufern, sondern auch darüber hinaus. „Es ist mehr als ein Saubermachen. Es ist Bewusstsein schaffen und aufmerksam machen“, sagt Andrea Brenker-Pegesa – und sie ist angesichts der Lage tief enttäuscht, dass mancher Bereich, der vor einem halben Jahr von Unrat befreit worden war, schon wieder total vermüllt ist. Beispiel: Weserufer in Höhe der blauen Brücke, die zum Werder führt.

Aufmerksamkeit ist wichtig. Mit Zahlen gelingt dies gut und plausibel. Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass weltweit rund eine Million Plastikflaschen produziert werden – pro Minute! Erhebungen zufolge sollen es also 500 Milliarden pro Jahr sein. Was der Umwelt damit angetan wird, kann man sich freilich leicht vorstellen – und dies alles, obwohl in vielen (nicht in allen!) Ländern der Erde der Durstlöscher aus dem Hahn kommt. Trifft zum Beispiel für Deutschland zu. Kein Wasser der Welt wird besser kontrolliert als jenes, das hier – auch in Hameln-Pyrmont – aus den Leitungen fließt. Regional. Unverpackt. Es wird „frei Haus“ geliefert, ohne Kisten schleppen zu müssen.

Vergleicht man die Preise, dann ergibt sich daraus das erstaunliche Ergebnis, dass in Flaschen gekauftes Mineralwasser 80 bis 800-mal teurer als Leitungswasser ist. De facto: Eine vierköpfige Familie, die bislang das Wasser in Flaschen kauft, kann bei einem täglichen Verbrauch von anderthalb Litern pro Person bis zu 1000 Euro im Jahr sparen! Weil der Liter nur 0,00153 Euro kostet. „Ist es nicht völlig absurd, dass Menschen noch Wasser in Flaschen kaufen?“ fragt sich die Hameln-Pyrmonter BUND-Vorsitzende.

Deshalb räumt Hameln auf! Jetzt – am kommenden Samstag, 26. Februar, – wollen die Initiatoren die PET-Flaschenflut als Aufhänger nehmen, um allen Müll zu sammeln, den sie mit Freiwilligen finden können. „Dieses Mal wollen wir die Suche ausweiten und überall sammeln – ob an der Pfortmühle, in Gewässernähe, in der Fußgängerzone, der eigenen Umgebung oder an Radwegen. Der meiste Müll besteht aus Plastik. Und alleine in Deutschland landen schätzungsweise 150 000 bis über 260 000 Tonnen Plastikabfälle in der Umwelt“, sagt Andrea Brenker-Pegesa.

4 Der BUND Hameln-Pyrmont ruft erneut zu einer großen Müllsammelaktion auf. Treffen ist am kommenden Samstag, 26. Februar, ab 11 Uhr (Treffpunkt Blaue Brücke auf dem Werder). Die Abgabe des Mülls findet gegen 15 Uhr an dergleichen Stelle statt. Hinterher darf man sich bei einer warmen Suppe in der Stadtbücherei aufwärmen und miteinander ins Gespräch kommen. Mitzubringen sind eigene Handschuhe sowie Geschirr, Besteck und Becher für die Verpflegung. Anmeldung unter: bund.hameln-pyrmont@bund.net – alle Beteiligten sind gehalten, sich an die geltenden Coronaregeln zu halten (FFP2 Maske, Impfnachweis).