Weserbergland (mes). Backfisch und Glühwein als Hüftgoldbombe. Kunsthandwerk wie zu Opas Zeiten. Freunde in geselliger Runde treffen. – Auf Weihnachtsmärkten geht das in diesem Jahr nicht. Fast alle Budenzauber wurden aufgrund der vierten Corona-Pandemie-Welle abgesagt. Da heißt es: Entspannung finden beim eigenen, ganz persönlichen Weihnachtsmarkt im heimischen Garten, auf der Terrasse oder im Wohnzimmer. Was zählt, ist das Gefühl. Der heutige HALLO hat wertvolle Tipps auf Lager, ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht!

Ausgefallene oder vorzeitig beendete Weihnachtsmärkte trüben die Vorfreude aufs Fest. Zumal wir auch nicht wissen, wie gefeiert werden darf. Sind Reisen möglich? Wo dürfen Hotels und Restaurants Gäste empfangen? Für wen wird es Kontaktbeschränkungen geben? Viele Fragen sind offen. Mit einem eigenen Weihnachtsmarkt kann man sich die Zeit dennoch versüßen. Zaubern wir hier also Klassiker für zu Hause, die wir sonst nur beim Budenzauber mümmeln und schlürfen!

Am besten natürlich an der frischen Luft

Besonders schön wird es, wenn man seinen eigenen Weihnachtsmarkt an die frische Luft verlegt. Wer über Garten oder Balkon verfügt, kann sich mit wenigen Vorbereitungen ein Weihnachtsmarkt-Feeling zaubern. Schließlich schmecken Glühwein und Punsch am besten, wenn es richtig kalt ist und vielleicht schon die ersten Schneeflocken fallen (nun gut, das ist ein frommer Wunsch).

Man muss in dieser Zeit, in der jeder hofft, negativ zu bleiben (…), die Dinge positiv betrachten. Der Glühwein vermag in dieser Hinsicht als gutes Beispiel zu gelten. Schauen wir auf den Preis: Beim Weihnachtsmarkt in Hannover (ja, der findet in der Tat statt) kostet ein Becher heißer Bölkstoff im Schnitt 4,50 Euro. Durchschnittlich kostet die Tasse Glühwein auf deutschen Weihnachtsmärkten 3,43 Euro. Das geht zu Hause auf jeden Fall günstiger. Ja, ist schon klar, das ist auch kein echter Trost, aber haben wir eine Wahl? Eben! Also: Prost!

Glühwein für echtes Weihnachtsmarkt-Feeling – so lässt er sich auch zu Hause einfach zubereiten. Orangen, Beerensaft und Rotwein sind wesentliche Bestandteile:

4 unbehandelte Orangen
200 ml Beerensaft, zum Beispiel Johannisbeere
600 ml leichter, trockener Rotwein
3 EL Honig
3 Gewürznelken
1 Sternanis
1 Zimtstange

Die Orangen waschen. Von einer Orange vier Scheiben abschneiden, von einer weiteren Orange die Schale ohne weiße Haut verwenden. Von allen Orangen den Saft auspressen. Den Saft mit allen Zutaten aufkochen. Etwa zehn Minuten bei niedriger Temperatur nur ziehen lassen. Die Orangenscheiben auf die Gläser verteilen und den Glühwein durch ein Sieb in die Gläser gießen und servieren. Alkoholfrei geht natürlich auch – zum Beispiel mit Apfelpunsch.

Ein Weihnachtsmarktklassiker, der in der kalten Jahreszeit besonders gut schmeckt: Eierpunsch! Und mit nur fünf Zutaten ist das Heißgetränk im Handumdrehen zubereitet.

1 Bio-Zitrone
400 ml Milch (3,5 % Fett)
125 g Schlagsahne
125 ml Eierlikör
Zimt

Zitrone waschen, trocken reiben, Schale abreiben und Saft auspressen. Milch und Sahne mit 1 TL Zitronenschale erhitzen, vom Herd ziehen, 3–5 Minuten abkühlen lassen und 2 EL Zitronensaft sowie Eierlikör einrühren. Eierpunsch auf vier Gläser verteilen und mit Zimt bestreuen. Ab dafür!

Feuerzangenbowle – klar! So macht man sie selbst:

je 2 Bio-Orangen, Bio-Zitronen und Zimtstangen
3–4 Gewürznelken
4 Flaschen trockener Rotwein (à 700 ml)
1 Zuckerhut
700 ml Rum (54 Vol.-%)

Zitrusfrüchte heiß abwaschen und Schale dünn abschneiden. Gewürze in ein Mulltuch binden. Die Rumflasche verschlossen in warmem Wasser temperieren. Den Rotwein mit den Schalen und Gewürzen in einem Topf oder Kupferkessel erhitzen, aber nicht kochen. Den Zuckerhut auf einer Feuerzange über den Topf legen, vollständig mit Rum tränken und sofort anzünden. Achtung: Den Rum niemals direkt aus der Flasche gießen! Sobald die Flamme zu verlöschen droht, mit einer Schöpfkelle Rum nachgießen. Wenn der ganze Zuckerhut in den Wein getropft ist, die Zange vom Topf nehmen, Schalen und Mullbeutel entfernen. Trinken!

So, für die Getränke ist also schon mal gesorgt in Sachen Weihnachtsmarkt zu Hause. Jetzt geht’s ums Essen und die Deko. Weihnachtssterne, Räuchermännchen et cetera – lieber klotzen statt kleckern, drinnen wie draußen! Die einfachsten Handgriffe sind mit Tannenzweigen und Lichterketten erledigt, und falls es noch nicht geschneit hat, denken wir uns die weiße Pracht still hinzu, weil Kunstschnee ökologisch klar verboten ist.

Gartenbude oder Gewächshaus wird Glühweinzentrum

Draußen macht so ein Weihnachtsmarkt am meisten Spaß. Wohl dem, der ein eigenes Grundstück mit Garten und Hütte oder Gewächshaus hat. Dort kann er echtes Buden(zauber)feeling, das ja ohnehin immer erst dann aufkommt, wenn’s regnet (keine Widerrede, ist doch so!), am wirkungsvollsten erfahren – sogar trocken, jedenfalls äußerlich.

Nichtsdestotrotz: Vielen wird der echte Weihnachtsmarkt im Zentrum unserer Städte fehlen, mussten wir doch auch schon im vergangenen Jahr auf die heimelige Stimmung und die angebotenen Leckereien verzichten. Für die Beschicker ist es doppelt bitter: Neben der Unterstützung durch das Land und dem Verzicht der Stadt Hameln auf Konventionalstrafen – die Budenbetreiber brauchen nur für die Tage Standgebühr zahlen, an denen der Weihnachtsmarkt tatsächlich stattgefunden hat –, hatten die Händler nämlich gehofft, dass an der Regelung „6,66 Euro pro Tag je Quadratmeter“ gedreht wird.

Eine entsprechende Forderung müsste aber von der Politik kommen, denn aus Sicht der Stadt ist eine Gebührensenkung derzeit nicht drin: „Eigentlich hätten diese sogar erhöht werden müssen“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Für das Defizit von 72 000 Euro, das vor allem durch mehr Kontrollen und weniger Stände entstanden ist, greife man bereits auf das städtische Förderprogramm „Hameln handelt“ zurück, das für die Revitalisierung der Innenstadt vorgesehen ist.

Während Stände mit Kunsthandwerk in Hamelns Innenstadt bleiben dürfen, überlegt der Rest der Budenbetreiber, wie sie die auf Vorrat gekaufte Ware loswerden kann. Die Schaustellerfamilie Ahrend, die mit ihrem Stand auf dem Pyrmonter Weihnachtsmarkt vertreten war, hat sich bereits umgetan. „Wir hoffen, dass wir uns zu Hause in Rinteln auf einen Supermarkt-Parkplatz stellen dürfen“, sagt Sabrina Ahrend. Darin sieht sie zumindest eine Chance, wenigstens einen Teil ihres Süßwaren- und Rohstoff-Vorrats an die Kundschaft zu bringen. Denn länger lagern könnte sie die Sachen nicht.

Und hier noch zwei einfache, leckere Rezepte für die süßen Weihnachtsmarkt-Klassiker:

Schmalzkuchen – na klar! Die kleinen Teigbällchen gelingen in nur 30 Minuten!

2 Eier
60 g Kokosblütenzucker
1 Vanilleschote (Vanillemark)
2 TL abgeriebene Zitronenschale
50 g Butter
350 g Dinkelmehl Type 1050
1 Prise Salz
750 g Butterschmalz
2 EL Puderzucker

1) Eier mit Kokosblütenzucker und Vanillemark schaumig schlagen. Zitronenschale unterrühren. Butter zerlassen. Das Mehl mit dem Salz mischen, auf die Arbeitsfläche häufen, eine Mulde hineindrücken. Zerlassene, etwas abgekühlte Butter und die schaumige Eiermasse in die Mitte geben und alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten.

2) In einem Topf das Butterschmalz erhitzen (es ist heiß genug, wenn an einem hineingestellten Kochlöffelstiel Bläschen aufsteigen).

3) Arbeitsfläche oder Backbrett mit Mehl bestäuben. Den Teig sehr dünn ausrollen. Mit einem Teigrädchen in ungleichmäßige Dreiecke, Rechtecke oder Rauten schneiden (Kantenlänge etwa 4 bis 5 cm). Bei jedem Teigstück in der Mitte einen kleinen Einschnitt machen. Die Teigstücke im heißen Butterschmalz goldbraun ausbacken und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Warm oder kalt servieren.

Süß, kandiert und unglaublich lecker: Gebrannte Mandeln gehören zum Weihnachtsmarkt wie der weiße Rauschebart zu Santa Klaus! Auch zu Hause. So lässt sich das köstliche Knabberzeug selbst kreieren:

125 g Rohrohrzucker
½ TL Zimtpulver (Ceylon)
2 Messerspitzen Vanillepulver
1 Prise Salz
200 g Mandelkerne

1) 80 ml warmes Wasser, Zucker, Zimt, Vanille und Salz in die Pfanne geben und bei mittlerer Hitze köcheln lassen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Mandeln dazugeben und unter ständigem Rühren aufkochen lassen.

2) Mandeln bei mittlerer bis starker Hitze im Zuckerwasser kochen lassen. Dabei mehrmals mit einem Holzlöffel umrühren. Sobald die Flüssigkeit verdampft, kristallisiert der Zucker (Mandeln sind dann weiß). Dann Temperatur auf mittlere Hitze reduzieren und Mandeln solange rühren, bis der Zucker zu schmelzen beginnt und die Mandeln leicht glänzen.

3) Gebrannte Mandeln sofort auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech geben. Mandeln mit zwei Gabeln voneinander trennen und auskühlen lassen.