Hameln (mes). Tanztheatertage Nummer 13 – Glückszahl oder böses Omen? Zunächst einmal bringt sie vom 13. bis 22. März jede Menge Spannung, Spaß und Stil ins Theater Hameln. Fünf Stücke, die unterschiedlicher wohl kaum sein könnten, versprechen ganz besondere Unterhaltung.

„Endlich wieder!“ – Theaterdirektor Wolfgang Haendeler steht die Freude ins Gesicht geschrieben, als er im Rahmen der Pressekonferenz die 13. Hamelner Tanztheatertage anpreist. Denn im vergangenen Jahr fiel das beliebte Format der Pandemie zum Opfer, obwohl die einzelnen Programmpunkte schon fest und alle Beteiligten in den Startlöchern standen. 2021 wären es die 12. Tanztheatertage gewesen – und auch, wenn sie schlussendlich nicht stattfinden durften, so wurde die Zählung doch fortgesetzt. Willkommen also zu den 13. Hamelner Tanztheatertagen!

Nicht nur „unterschiedlich und außergewöhnlich“ sollen sie nach Haendeler werden, sondern er ist sich sicher: „Das wird das Festival der schönsten Tanztheatertage!“ Noch kurz vor Vorstellung des Programms musste indes der zweite Abend umdisponiert werden. Der Grund: „Die eingeplante Companie aus China bekam keine Ausreisegenehmigung wegen Corona“, bedauert der Theaterdirektor.

Alternative als Höhepunkt

In den bereits verteilten und ausliegenden Flyern sei sie noch abgebildet, mittlerweile aber durch eine „hochkarätige“ Alternative ersetzt worden: mit dem Spellbound Contemporary Ballet aus Italien. Wobei Haendeler gar nicht von Ersatz sprechen möchte. „Das kann sogar der Höhepunkt der Tanztheatertage werden!“

Doch der Reihe nach: Den Start am Sonntag, 13. März, kündigt Wolfgang Haendeler als „großes Spektakel“ an. Das Publikum darf ab 17 Uhr eintauchen in barbarische Nächte („Les Nuits barbares ou Les Premiers Matins du Monde“). Es wird mitgenommen auf eine Zeitreise zu vergangenen Kulturen rund ums Mittelmeer. Das Ensemble präsentiert eine ganz eigene Tanzsprache – fremd und archaisch anmutend. Choreograf Hervé Koubi will in seinem Stück herausstellen, dass die verschiedenen barbarischen Völker von damals bis heute in uns weiterleben und dass sie die heutigen orientalischen und westlichen Mittelmeerländer stärker verbinden als trennen. Das Ergebnis ist ein Plädoyer für eine gemeinsame Zukunft mit den gar nicht so fremden Nachbarn und der Glaube an eine universelle Kultur. „Ein sehr beeindruckender Abend“, meint Haendeler. „Und bildgewaltig!“, fügt Dramaturgin Ilka Voß hinzu.

Ähnlich spektakulär gestalte sich der zweite Abend, fügt sie hinzu. Vier verschiedene Choreografien von drei Choreografen versprechen einen Einblick in das Who’s who der internationalen Tanzszene. Marco Goecke beispielsweise sei derzeit einer der Stars des Genres, wurde 2015 als Choreograf des Jahres ausgezeichnet und hat seitdem mehr als 60 Werke kreiert. Eins davon ist Dienstag, 15. März, 19.30 Uhr im Theater Hameln zu sehen: „Äffi“, ein Ein-Mann-Stück mit einer „ganz neuen Bewegungssprache“, schwärmt Ilka Voß. Das 15-minütige „Unknown Woman“ schließt sich dem an, aufgeführt von „einer der bedeutendsten Companien, die es gerade gibt“. Mauro Astolfi erzählt eine realistische wie auch eine imaginäre Geschichte, eine Sammlung von Erinnerungen und Gedanken darüber, was ihn und eben jene Frau innerhalb von 20 Jahren der Zusammenarbeit widerfahren ist.

Eine spannende Choreografie erwartet das Publikum anschließend in „Rossini Ouvertures“, gefolgt von einer Deutschlandpremiere: „Marte“ (zu Deutsch: „Mars“), ein Auftragswerk zum 25-jährigen Jubiläum des Spellbound Contemporary Ballets. Thematisiert wird die ungewisse Zukunft auf dem fernen Planeten, die in den Menschen Angst, Lust und Spannung weckt. „Nicht nur von der Bewegung ein faszinierendes Stück!“, resümiert Wolfgang Haendeler.

Donnerstag, 17. März, 19.30 Uhr stehe dann ein abgewandelter Klassiker auf dem Programm: Mozarts Zauberflöte in der Version des NRW Juniorballetts mit dem Titel „#zauberflöte3.0“. Das Ensemble – für Haendeler ein längst „lieb gewonnener Gast“ – besteht aus zwölf jungen internationalen Tänzern, die einen Einblick geben in den weltweiten Tanznachwuchs. „Gerade auch für jüngere Menschen und für Leute, die Freude an diesem wundervollen Opernwerk haben“, biete dieser Abend Genuss, verspricht er.

Ironie, Erotik und Humor

Ein weiteres Handlungsballett steht Samstag, 19. März, 19.30 Uhr an: „Der Glöckner von Notre-Dame“, ein Ballett von Katharina Torwesten nach dem Roman von Victor Hugo mit dem Landestheater Detmold. Und den Schlussstrich zieht „Game Theory“ Dienstag, 22. März, 19.30 Uhr – ein Stück der Joshua Monten Dance Company, das nicht mit Ironie, Erotik und Humor geizt. Da das Werk besonders auch für Jugendliche geeignet ist, wird es am gleichen Tag um 11 Uhr auch eine Schulvorstellung geben, zu der sich interessierte Klassen noch anmelden können.

Auch für diese Tanztheatertage gibt es besondere Angebote: das große Tanz-Paket (alle fünf Vorstellungen) und das kleine (für drei Vorstellungen). Gerade diesmal sollten Fans nicht zögern und schnell zugreifen, denn nach so viel Glückseligkeit ließ Wolfgang Haendeler dann noch eine Bombe platzen: „Das sind die letzten Tanztheatertage!“ Ab 2023 soll es ein neues Festival geben. „Wir wollen eine neue Reise unternehmen und neue Akzente setzen“, begründet er. „Man soll ja aufhören, wenn’s am schönsten ist!“ Mehr wolle er bis zur Vorstellung der Spielzeit 2022/23 nicht verraten. Aber er versicherte, dass sich Tanz und Ballett auch in den zukünftigen Spielzeiten des Theaters wiederfinden würden.