Hameln-Pyrmont (mes). Dunkelfeldstudie – mit diesem unheimlich anmutenden Begriff startet das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) jetzt niedersachsenweit eine Bürgerbefragung. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Wie sicher fühlen sich die Menschen in Niedersachsen? Und wie sicher fühlen sich die Bürger im Landkreis Hameln-Pyrmont? Immerhin sind die Straftaten im vergangenen Jahr in der Region wieder gestiegen.
Bereits seit Mitte Mai haben die unterschiedlichsten Menschen, die in den Landkreisen der Polizeidirektion Göttingen leben – dazu zählt auch der Landkreis Hameln-Pyrmont – Post vom LKA erhalten. Als Gemeinsamkeit haben alle Angeschriebenen, dass sie mindestens 16 Jahre alt sind und als einer oder eine von 40.000 Teilnehmenden aus einer von landesweit 90 Kommunen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Die Fragen drehen sich rund um Themenbereiche wie die Nachbarschaft, das Sicherheitsgefühl, das Anzeigeverhalten oder die Wahrnehmung der Polizei an ihren Wohnorten.
Besseres Bild der Kriminalitätslage
Die Studie unterstützt die Polizei unter anderem dabei, ein besseres, ganzheitliches Bild der Kriminalitätslage zu erhalten und beispielsweise Präventionsansätze zu entwickeln. Denn aus der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Jahres 2022 lässt sich ein Anstieg an angezeigten Straftaten feststellen. Marvin Klaß beschwichtigt aber: „Dieser Anstieg im Vergleich zum Vorjahr kann durch die gelockerten/aufgehobenen Corona-Maßnahmen begründet werden.“ Zudem wirkten sich auch die durch die und mit der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden initiierten Präventionsveranstaltungen und -einrichtungen auf das Anzeigeverhalten aus, meint der Pressesprecher der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. „So konnte durch das Netzwerk ‚Häusliche Gewalt‘ in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden jenes Thema mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden, wodurch möglicherweise der ein oder andere Sachverhalt mehr zur Anzeige gebracht wurde“, ergänzt er.
Trotzdem liegt die Gesamtzahl der Straftaten noch unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, sodass insgesamt in diesem Zeitraum im Bereich der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden ein Rückgang an Straftaten zu verzeichnen ist. „Anhand dieser Zahlen leben die Menschen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden somit grundsätzlich sicher“, betont Klaß.
Weitere Erkenntnisse gewinnen
Doch das Gefühl von Sicherheit ist eben oft auch ein subjektives. Es geht nicht nur um Straftaten und deren Aufklärung. Denn nach Marvin Klaß sei auch festzuhalten, dass die Kriminalstatistik nur das „Hellfeld“, also alle angezeigten Straftaten, abbildet. „Die Straftaten, die nicht zur Anzeige gebracht werden, sind somit auch nicht erfasst. Aus diesem Grund sollen durch die Dunkelfeldstudie weitere Erkenntnisse zum Sicherheitsgefühl der Menschen in Niedersachsen gewonnen werden“, sagt er.
Dunkle Straßen, schwer einzusehende Ecken, verwinkelte Tiefgaragen und leere Plätze – etliche Bürger, vor allem Frauen, sind betroffen von Unsicherheit und ändern deshalb ihr Verhalten im öffentlichen Raum. So vermeidet mindestens jede zweite Frau am Abend bestimmte Orte. Ein solcher Ort ist und war in der Vergangenheit in Hameln der ZOB im Stadtgebiet, der als sogenannter „gefährlicher Ort“ eingestuft wurde, woraufhin die Stadt einen Ordnungsdienst einführte. „Voraussetzung für diese Einstufung ist eine umfassende Gefahreneinschätzung hinsichtlich der Beeinträchtigung der Sicherheit und Ordnung“, erklärt der Sprecher der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. Diese Einstufung ermögliche, dass die Polizei an diesem Ort die Identität von Personen, die sich vor Ort aufhalten, feststellen und mitgeführte Sachen durchsuchen darf.
Generell verfolge die Polizeiinspektion bei ihrer Arbeit einen ganzheitlichen Ansatz und gehe dabei in einem Dreiklang vor. „Neben der polizeilichen Präsenz vor Ort durch den Einsatz- und Streifendienst wird eine professionelle Ermittlungsarbeit in den Ermittlungsdiensten durchgeführt“, so Klaß. So konnte im Jahr 2022 erneut eine niedersachsenweit überdurchschnittliche Aufklärungsquote erreicht werden. Zudem trage die vielfältige Arbeit des Präventionsteams, zum Beispiel durch die Aufklärung über aktuelle Kriminalitätsphänomene, welche in die breite Öffentlichkeitsarbeit der Inspektion in den sozialen Medien und auch den „konventionellen“ Medien eingebettet wird, zur Steigerung der Sicherheit im Zuständigkeitsgebiet der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden bei.
Wer trotzdem mit mulmigem Gefühl draußen unterwegs ist, für den hat Marvin Klaß nützliche Tipps in petto: „Grundsätzlich ist es immer hilfreich, skeptisch und vorsichtig zu sein, Dinge zu hinterfragen und im Fall der Fälle auch um Hilfe zu bitten – sei es im Familienkreis, in der Nachbarschaft oder auch bei uns. Die Mitarbeiter in unseren Dienststellen stehen rund um die Uhr für die Sicherheit der Menschen in unserem Zuständigkeitsgebiet zur Verfügung.“ Außerdem seien die Kontaktbeamten des Präventionsteams regelmäßig für Vorträge im Rahmen von Präventionsveranstaltungen für alle Bürger da.
- Seit 2013 wird im Abstand von jeweils zwei Jahren durch das Landeskriminalamt Niedersachsen die „Befragung zu Sicherheit und Kriminalität“ durchgeführt. Die Ergebnisse sind neben der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) eine weitere Grundlage, um die Sicherheitslage in Niedersachsen zu bewerten. An der letzten Befragung nahmen 17 500 Menschen (43,8 Prozent) der 40.000 angeschriebenen Personen teil. Das Ergebnis: Im Vergleich zu den vergangenen Jahren nimmt die allgemeine Kriminalitätsfurcht signifikant weiter ab. Eine weitere Erkenntnis sei aber auch, dass insbesondere bei denjenigen Bürgern die Kriminalitätsfurcht am größten ist, wenn sie zuvor bereits Opfer einer Straftat geworden sind. „Insgesamt zeichnen die Daten ein Bild, dass sich die Menschen in Niedersachsen sicher fühlen. Aber natürlich gibt es Unterschiede, zum Beispiel mit Blick auf die persönliche Lebenssituation, den Wohnort und das eigene Erleben“, erklärte LKA-Präsident Friedo de Vries damals. Als besonders erfreulich stellt die Studie heraus, dass die Zahl der Befragten, die angaben, Opfer einer Straftat geworden zu sein, im Vergleich zu den Vorjahren wieder rückläufig ist (2021: 29,6 Prozent).