Hameln (ey). Was im Hamelner Klütviertel zurzeit geschieht, ist ein Paradebeispiel dafür, wie berechtigte wirtschaftliche Interessen auf ebenso berechtigte Bedenken von Einwohnern prallen. Im Zentrum des Geschehens: die geplante Erweiterung des Campingplatzes, die den Wegfall eines öffentlichen Bolzplatzes nach sich ziehen könnte. Ob es wirklich so kommt, steht im Unklaren. Relativ klar ist dagegen, dass der Ball zurzeit bei der Stadtverwaltung liegt. Sollte sie ihn nicht bald spielen, steigt der Unmut auf beiden Seiten.
Zu den Fakten: Manush Gerbeshi möchte als Betreiber seinen Campingplatz an der Uferstraße von zurzeit 84 um etwa 30 auf über 110 Stellplätze erweitern, „weil die Nachfrage stark gestiegen ist und ich für meinen Betrieb eine wirtschaftliche Perspektive benötige“. Die Erweiterung plant er auf dem jetzigen Bolzplatz, ein Gelände, dass er im Übrigen für eine Summe in fünfstelliger Höhe bereits erworben hat. Die Stadt gab dafür grünes Licht, versagte Manush Gerbeshi bislang aber die Umnutzung, weil es sich um Überschwemmungsgebiet handelt. Pikant: Ob in Grohnde, Rühle oder Polle – auf so ziemlich allen Campingplätzen bis Hannoversch Münden stünden Caravans in Reih‘ und Glied bis fast direkt ans Ufer. Was woanders möglich ist, wird in Hameln offensichtlich nicht erlaubt.
„Hier ist eigentlich immer was los“
Manush Gerbeshi wartet händeringend auf positive Nachricht, wartet gemessen am Kaufdatum des Areals schon seit etwa einem Jahr, aber es tut sich nichts. Noch dazu nun eine Unterschriftenaktion von Anwohnern im Klütviertel gestartet wurde, die sich dagegen richtet, den Bolzplatz zu entfernen. „Hier ist eigentlich immer was los“, sagt Anwohnerin Kristina Sprang, Mutter zweier Kinder. „Wir hoffen sehr, dass den Kindern diese Möglichkeit nicht genommen wird!“ Kerstin Reed wohnt ebenfalls in der Nähe des Platzes und plädiert für den Erhalt: „Ich halte es für wichtig, solche öffentlichen Plätze für Kinder, Jugendliche und Familien zur Verfügung zu stellen.“ Sie ist der Auffassung, dass „eine Campingplatzerweiterung ausschließlich dem Betreiber, im geringen Maß vielleicht noch der Hamelner Gastronomie, aber definitiv nicht dem Hamelner Bürger“ diene.
Dass der Bolzplatz aktuell nicht als Campingplatz oder als Abstellfläche für Wohnmobile genutzt werden, bestätigt Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadtverwaltung. „Die Fläche ist Überschwemmungsgebiet, hier gelten verschiedene Auflagen, unter anderem ein sogenanntes Planungsverbot“, sagt er. Dazu kommen Umweltschutzauflagen. „Es ist also sehr schwierig. Wir arbeiten derzeit mit dem Betreiber des Campingplatzes an einer Lösung“, so Wahmes. Die könnte sein, eine nahe gelegene Wiese zum Bolzplatz zu machen. In „unmittelbarer Nähe“ gebe es eine Fläche, die infrage kommen könnte; sie gehöre der Stadt.
Die räumlichen Bedingungen sind an der Uferstraße eingeschränkt. Fast scheint es, als wenn der Bolzplatz die einzige Alternative ist, die Manush Gerbeshi bleibt. Umgebende Weiden und Kleingärten, dazu die (Überschwemmungs)-Wiesen lassen ihm kaum Spielraum. Dabei lobt er „die sehr gute Kommunikation mit der Stadt Hameln und der Naturschutzbehörde“ und sagt: „Wir wollen hier niemandem im Wege stehen, aber wenn ich meine Anlage verbessere und vergrößere, dann wirkt sich das positiv auf die gesamte Region aus. Jeder Camper mehr lässt im Durchschnitt 40 Euro täglich in und um Hameln – auch im Klütviertel.“
Auch weiterhin signalisiere er seine Gesprächsbereitschaft, obwohl er schon seit Langem auf eine Entscheidung der Behörden wartet, die ihm das erworbene Gelände für seine Zwecke freigeben, ungefähr 30 Stellplätze für Wohnmobilisten in den vier Monaten Mai, Juni, Juli und August zu schaffen. „Ich habe solange Geduld, bis eine vernünftige Lösung für alle Seiten gefunden worden ist“, sagt Gerbeshi. Mehr Verhandlungsbereitschaft kann man ihm kaum zuerkennen. Zudem: Gerbeshi möchte unbedingt, dass die Tore „jetzt erst einmal stehen bleiben, solange ich das Areal ohnehin nicht nutzen kann“. Damit kommt er der Stadt entgegen, die die Tore schon mal räumen wollte.
Noch dies: Der Bolzplatz, so bestätigen verschiedene Beobachter, werde in den Abendstunden vor allem von Menschen mit Migrationshintergrund genutzt, die sich bisweilen lautstark bis weit in die Nacht dort aufhielten, Müll hinterließen. Es klingt, als hätten die Behörden hier eine weitere Aufgabe zu lösen, sei es durch Ordnungspersonal oder durch das Hinzuziehen von Streetworkern.