Die Burg der tausend Träume

Aerzen (ey). Da soll noch einer sagen, Kleinkunst und Kultur seien nur eine Randerscheinung. In Aerzen spielen Musik, Comedy, Poesie und Theater jedenfalls eine Hauptrolle, und das nicht erst seit gestern, sondern dank „Kultur in der Domänenburg“ bereits im 25. Jahr! Dass auch in anderen Städten und Gemeinden die Kultur – in Bad Pyrmont sowieso, aber auch in Hessisch Oldendorf oder Emmerthal – einen hohen Stellenwert hat, ist bekannt. Aerzen jedoch leuchtet irgendwie noch heller, erst recht in diesem Jahr aufgrund des Jubiläums!

Denn dass eine Veranstaltungsreihe ein solches Jubiläum feiern kann, ist nicht selbstverständlich, schon gar nicht auf dem Lande. Ist aber so – „und wir haben genau 85408 Zuschauer zu den Veranstaltungen locken können“, resümiert Heiko Bossog als derjenige, der den Veranstaltungsfaden spannt. Spannt, aber nicht überspannt. Denn natürlich gibt das Budget große Stars nicht her, jedenfalls nicht jedes Jahr. Der eine oder andere fand sich dennoch ein in der Burg der tausend Träume. Pete York zum Beispiel. „Supertyp. Superkonzert. Superlative. Das war ein Highlight“, erinnert sich Heiko Bossog gerne an den Auftritt des britischen Ausnahmeschlagzeugers im 2016er Programm. Und alle haben sich in den seit 1996 bestehenden Gästebüchern verewigt.

429 Veranstaltungen,

davon 55 Ausstellungen

Insgesamt ist es die Mischung, die über Wohl und Wehe eines Kulturprogramms entscheidet. In Aerzen scheint sie seit 25 Jahren zu stimmen. Viele Menschen, die sich hier unterhalten lassen, kommen auch aus umliegenden Städten und Gemeinden, nicht zuletzt aus dem nahen Nordrhein-Westfalen „und sogar aus Bremen und Kassel“, sagt Heiko Bossog. Natürlich gibt es ein Kulturprogramm in Aerzen schon länger als 25 Jahre, aber nach der Auflösung des Kulturrings Aerzen musste vor mehr als einem Vierteljahrhundert eine Lösung her. Die da hieß, dass der Flecken Aerzen als Veranstalter in Erscheinung tritt. Das war der Startschuss in eine neue Ära. 1994 ist das Gründungsjahr der Reihe „Kultur in der Domänenburg Aerzen“.

„Klassik, Jazz, Folk, Pop, Rock, Chorgesang, Schlager, Blasmusik, Chanson- und Liederabendeabende, Kabarett und Comedy, Kinderveranstaltungen, Theater, Kleinkunst, Kunstausstellungen, Vortragsveranstaltungen und Leseabende – wir stecken die Grenzen sehr bewusst sehr weit ab, um für viele unterschiedliche Geschmäcker etwas bieten zu können“, sagt Heiko Bossog. 429 Veranstaltungen kamen dabei in 25 Jahren heraus, davon 55 Kunstausstellungen. Im Schnitt kamen 199 Menschen pro Event – eine enorme Zahl! Das alles wäre nicht möglich ohne die heimische Wirtschaft. „Es gibt Unternehmen, die uns seit vielen Jahren unterstützen. Diesen Sponsoren ist der Flecken Aerzen als Ausrichter der Kulturreihe unendlich dankbar“, sagt Heiko Bossog. Teils verrückte, neue Pfade habe er in den zurückliegenden Jahren beschritten – bis zur Brötchentüte. Im Jahre 2000 habe eine in Aerzen angesiedelte Bäckerei das Domänenburg-Programm auf die Brötchentüten drucken lassen…