Nase voll

Weserbergland (jlg). Allergiker und Heuschnupfennasen haben in den vergangenen Tagen richtig einen vor den Bug bekommen. Will heißen: So hoch war die Pollenkonzentration im Weserbergland Mitte bis Ende Februar selten. Jetzt ist März, Tausende schniefen und niesen, und die Hasel hat ihr Pulver noch immer nicht verschossen!

Einer von vielen Leidtragenden ist Andreas Kunze. „Dass die Pollen so immens schon Mitte Februar fliegen, ist Wahnsinn. Zu der Zeit habe ich sonst noch frei durchatmen können“, sagt der Hamelner, der bei der Firma Vorwerk beschäftigt ist und sich jetzt schon – wie viele andere in der Region – mit Bergen von Taschentüchern, Augentropfen und weiteren Hilfsmitteln eingedeckt hat.

Durch die milden Winter gerät die Pflanzenwelt schneller in Wallung. Hasel ist aktuell ebenso aktiv wie Erle. Zu den acht allergologisch wichtigsten Pollen in Deutschland zählen außerdem Esche, Birke, Süßgräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia. Heuschnupfen-Geplagte haben es also gewiss nicht leicht. Und Wissenschaftler warnen mittlerweile sogar vor einem Allergie-Boom, weil europaweit eine Zunahme von Pollen und Allergikern zu verzeichnen sei. In Deutschland reagieren 20 Millionen Menschen allergisch auf Pollen – von 80 Millionen Einwohnern. Also rund ein Viertel! In den Fünfzigerjahren seien, so ist aus Kreisen der Ärzteschaft zu erfahren, nur rund fünf Prozent betroffen gewesen.

Mythos 1: Regen lindert die Allergie-Beschwerden. Und wo Pollengeplagte sonst noch durchatmen konnten, sind sie jetzt schon im Dauernies- und -schnupfenzustand, gehen zu Ärzten und Heilpraktikern. Es ist deshalb Zeit, gleich mal mit ein paar Mythen aufzuräumen. HALLO zum Sonntag hat sich dafür die Hilfe des Landesarztes der Johanniter in Niedersachsen und Bremen, Dr. Hans-Peter Reiffen, an die Seite geholt.

Stimmt leider so nicht. Pollen werden vom Wind aufgewirbelt. Nach einem Regenschauer bleiben nasse Pollen zunächst vermehrt am Boden kleben und die Pollenkonzentration in der Luft sinkt vorübergehend. Dieser Effekt verflüchtigt sich aber sehr schnell wieder. Es ist also gewiss nur ein kurzes Aufatmen. Pollen-Allergiker wünschen sich zwar Dauerregen, aber was ist besser? Heuschnupfen oder ein vollgelaufener Keller…?

Mythos 2: Abends ist die Pollenbelastung niedriger als am Tag.

Blüten öffnen sich wärme- und lichtabhängig, sodass es tagsüber zu einer vermehrten Freisetzung von Pollen kommt. Luftverwehungen der freigesetzten Pollen finden allerdings tageszeitunabhängig statt. Deshalb können auch nachts erhebliche Belastungen auftreten. Dennoch sollte man sportliche Aktivitäten im Freien durchaus eher auf den frühen Morgen oder den Abend verlegen.

Mythos 3: In der Stadt leiden Allergiker weniger.

Luftverschmutzung und Umweltgifte erhöhen das allergene Potenzial der Pollen. Zwar sind mit größeren Entfernungen von der Quelle der Pollen weniger Pollen in der Luft, dieser Effekt ist aber in der Praxis kaum wahrzunehmen.

Mythos 4: Wer als Kind keinen Heuschnupfen hat, bekommt auch keinen mehr.

Total falsch! Heuschnupfen kann sich in jedem Alter entwickeln. Die sogenannten Spätmanifestationen kamen in den vergangenen Jahren immer häufiger vor.