Theatervorhang hebt sich früh

Hameln (mes). Früher als sonst, liegt jetzt bereits das Heft für die kommende Spielzeit des Theaters Hameln vor. Um die 150 Veranstaltungen aus den verschiedensten Genres wird es 2019/2020 im Kulturtempel wieder geben. Theaterdirektor Wolfgang Haendeler und Dramaturgin Ilka Voß ließen uns schon einmal einen Blick auf die über 100 Seiten werfen.

„Das Theater ist für mich nach wie vor ein Ort der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung“, betonte Haendeler. Dieser Auftrag werde immer dringlicher. Aber auch Fantasie, junge Kunst, die Vermittlung anspruchsvoller Literatur sowie Märchen, Mythen und Sagen sind Schwerpunkte, genauso wie die Themenfelder Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Homophobie. Alles in allem kann sich der Besucher auf gekonnte brillante Unterhaltung freuen. Und diese startet, wie gewohnt, mit dem Theaterfest. Sonntag, 15. September, wird es einen kleinen Auszug aus dem kommenden Programm für die ganze Familie geben.

Mit „1984“ wird die Spielzeit dann Montag, 16. September, so richtig eröffnet. George Orwells wohl berühmtester Roman über den totalen Überwachungsstaat hat im digitalen Zeitalter erschreckende Aktualität gewonnen. Aktuell ist auch das Stück „Aus dem Nichts“ (28. Oktober), ein Thriller nach dem großartigen Film von Fatih Akin. „Ein bisschen subtiler geht es bei ‚Der rechte Auserwählte‘ zu“ (6. Januar 2020), ergänzt Wolfgang Haendeler. Der tunesische Dramatiker Eric Assoud inszeniert dieses sarkastische und hochpolitische Stück als zeitkritische Komödie mit überraschenden Wendungen und pointierten Unverschämtheiten. Bertolt Brechts Schauspiel „Leben Eduards des Zweiten von England“ schließlich befasst sich mit der Geschichte einer leidenschaftlichen und öffentlich zur Schau gestellten Liebe zwischen zwei Männern: Eduard dem Zweiten, König von England (1284-1327), und Gaveston, seinem „Favoriten“ (11. November).

Kleiner Sprung zum Bereich Märchen, Mythen und Sagen, der immer fester Bestandteil einer Spielzeit im Theater Hameln ist: „Shockheaded Peter“ (26. September), eine Junk-Oper, bedient sich Motiven aus „Der Struwwelpeter“, führt weg von den Ungezogenheiten des 19. Jahrhunderts hin zu einer Anarchie der Gegenwart. Neben der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ (19. November) beinhaltet das Programm für die jüngeren Besucher aber auch viel Kindertheater, wie Ilka Voß unterstreicht. Dazu zählen zum Beispiel „Hans im Glück“ (27. bis 29. November), „Einer für alle“ (12. und 13. Januar) oder „Der Zauberer von Oz“ (30. Januar).

In der kommenden Spielzeit, die auch Beliebtes und Bewährtes wie die Tanztheatertage bereithält, wird es aber auch extrem musikalisch. So treten „Maybebop“ am 18. September auf, das Glenn-Miller-Orchestra entführt am 20. September in die 30er- und 40er-Jahre, am 16. November macht die nach Haendeler „wunderbare Damengruppe“ aus Hamburg „Salut Salon“ im Theater Station. Und was sind seine Highlights? Wolfgang Haendeler schmunzelt: „Zum einen freue ich mich besonders auf ‚Ein gewisser Charles Spencer Chaplin‘ am 26. Januar – hervorragend besetzt mit Wolfgang Bahro und Brigitte Grothum –, zum anderen auf die Zusammenarbeit mit der Hamelner Kantorei am 4./5. April, wenn unter anderem Mozarts Requiem erklingt!“ Also dann: Vorhang auf!