Das Schicksal der Rattenschwänze

Hameln (ey). Bis Ende September wollte die Stadt Hameln bekanntlich einen neuen Pächter für das in ihrem Besitz befindliche Rattenfängerhaus an der Osterstraße finden. „Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 14. August dieses Jahres. Daher äußern wir uns aktuell nicht zu Bewerberzahlen“, sagt Svenja-Annkristin Kreft, Pressesprecherin im Rathaus. Durch diesen aufwendigen Findungsprozess rechne man aber kaum vor Oktober oder November mit einem Ergebnis. Das bringt zunächst einmal eine ganz andere, eine kulinarische Frage auf den Plan: Was wird eigentlich aus den „Rattenschwänzen“?!

Christina Hartlieb-Fricke, jetzige Pächterin des Gastronomiebetriebs, will da noch nicht vorausgreifen. „Ich kann es momentan nicht sagen, da ich mich erst einmal auf mein Geschäft konzentriere“, teilte sie gestern dem HALLO mit. Fakt ist: Ihr Mann Karl-Heinz hatte die flambierten „Rattenschwänze“ im Jahre 1970 kreiert, weil der damalige Verkehrsverein zu einem Wettbewerb aufgerufen hatte, in dem es darum ging, eine kulinarische Visitenkarte für die Region zu erschaffen. Und in der Tat: Dem Hamelner Gastwirt war dies gelungen, so gut, dass die mit Calvados flambierten „Rattenschwänze“ – Filetspitzen vom Schwein mit vielfältigen Gemüsen – es sogar bis in den Culinaria-Band deutscher Spezialitäten schafften! Fast schon ein Denkmal der Gaumenfreude, kreiert im Rattenfängerhaus von der Familie Fricke. „Und die bunten Gemüse sollen die Farben des Rattenfängers darstellen“, sagt Christina Hartlieb-Fricke.

Der Gastronom Karl-Heinz Fricke hatte damals, genauer gesagt am 28. Januar 1970, ein Hamelner „Stadtgericht“ etabliert, das seither zur kulinarischen Erinnerung für Zehntausende Touristen geworden ist, aber auch Leckerschmeckern aus der Region mundet. Fricke kredenzte sozusagen der Region eine unverwechselbare Mahlzeit, die bis heute als wirklich einziges lukullisches Alleinstellungsmerkmal Hameln-Pyrmonts gelten darf. Und deshalb doppelt wichtig ist! Denn was wird daraus, wenn Christina Hartlieb-Fricke zum Jahresende das Rattenfängerhaus verlässt? Wird ein neuer Pächter die alte Tradition weiterführen und vor allem: weiterführen dürfen?

Es gibt nicht wenige Hamelner und unzählige Touristen, die sich wünschen, dass die „Rattenschwänze“ auch an ihrem 50. Jahrestag im kommenden Januar Bestand haben und vor ihren Augen flambiert werden. Und zum Verdauen noch einen „Rattenkiller“ trinken – auch der hat sich bis heute gehalten und ist ebenfalls eine Erfindung von Karl-Heinz Fricke.

Das Original der feurigen Filetspitzen vom Schwein mit vielfältigen Gewürzen und Gemüsesorten gibt es nur im Rattenfängerhaus an der Osterstraße in Hameln. Eine andere Version der „Rattenschwänze“ serviert Kolumnist Richard „Ricki“ Peter sozusagen als Lobeshymne auf die von Karl-Heinz Fricke kreierte Mahlzeit auf der folgenden Seite.