Bekannte Orte neu erlebbar machen

Bad Pyrmont. Walzer tanzen auf dem Brunnenplatz, ein Wochenmarkt in der Brunnenstraße und eine bessere Übersicht kultureller Veranstaltungen – das sind die Top-Prioritäten, die die Teilnehmer eines Workshops herausgearbeitet haben, von denen sie sich vorstellen können, dass sie die Pyrmonter Innenstadt attraktiver und lebendiger machen als bisher.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Stadt Bad Pyrmont an der Umfrage „Vitale Innenstädte“ teilgenommen. Das Ergebnis zeigte, dass der Kurort in vielen Bereichen gut aufgestellt ist, dass es aber auch zahlreiche Felder mit Verbesserungspotenzial und das Bewusstsein gibt, sich darum kümmern zu müssen. Das geschah im ersten Anlauf mit einem Workshop, an dem etwa 15 Mitarbeiter der Verwaltung, des Ausschusses für Finanzen, Wirtschaftsförderung und Soziales sowie des Wirtschaftsbeirates teilnahmen. Und die entdeckten so einiges, auch wenn manches nicht neu ist. Zum Beispiel sei die Ausschilderung der Innenstadt verbesserungswürdig, die online verfügbaren Informationen über Parkplätze bedürften mehr Genauigkeit und die Ladenleerstände müssten „proaktiv und kontinuierlich“ angegangen werden, wie es in der Zusammenfassung der Klausurwerkstatt jetzt nachzulesen ist.

Mit manchen Vorschlägen dürften die Workshopteilnehmer offene Türen einrennen. Es fragt sich nur: Wer soll das bezahlen und wer ist in der Lage, die Missstände zu beseitigen? Zum Beispiel hätte der Oesdorfer Platz eine Aufwertung als attraktive Eingangssituation in die Innenstadt verdient. Gleiches gilt für den Bahnhofsvorplatz, der einladender gestaltet werden sollte, so der Vorschlag aus der Runde, die zumindest probeweise den Wochenmarkt in die Brunnenstraße verlegen möchte, um die mehr Kunden in die Fußgängerzone zu locken. Allerdings hatte die Stadtverwaltung bereits 2017 empfohlen, davon abzusehen, weil der Vorschlag der Werbegemeinschaft damals unter den Händlern des Marktes keine Akzeptanz gefunden hatte.

Doch auch die Einzelhändler selber sollten nach Auffassung der Expertengruppe etwas tun. Zum Beispiel ihre Läden in der Mittagszeit nicht schließen, denn das könnten sie sich nicht mehr leisten. „Es gilt dann für den Kunden da zu sein, wenn dieser Zeit hat – eben auch in dessen Mittagspause“, so die Empfehlung. Und die Stadt selber könnte sich um eine attraktivere Dekoration der in die Jahre gekommenen Vitrinen und Schaukästen kümmern beziehungsweise deren Wert für Besucher und Kunden hinterfragen.

Wünschenswert wäre auch eine Beleuchtung historischer Fassaden, ein kleiner Lebensmittelmarkt, eine Markthalle und eine umfassende digitale Strategie für die Außendarstellung der Innenstadt als Lebens-, Arbeits- und Kurort und neue Events wie klassische Musik und Walzer auf dem Brunnenplatz, damit Besucher und Einheimische bekannte Orte neu erleben. Alles das ist wie gesagt wünschenswert, lässt sich aber zum Teil nur mit Eigentümern und Unternehmern oder anderen Akteuren verwirklichen. Und es braucht Mut, Neues zu wagen und Geld dafür zu investieren.

Dafür bedarf es einer Kostenkalkulation und eines Organisationskonzeptes. Und da solche Dinge nur Schritt für Schritt umgesetzt werden könnten, sollte unterteilt werden in Vorhaben, die sofort umgesetzt werden sollten und die, die erste später an der Reihe sind. „In Zeiten finanzschwacher Kommunen bietet sich zudem die Akquise von Städtebaufördergeldern der unterschiedlichen Programme des Landes und Bundes an“, heißt es indem Papier der Klausurwerkstatt. Voraussetzung dafür sei in der Regel ein aktuelles integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept. Das gibt es zwar bereits seit neun Jahren für Bad Pyrmont, doch es liegt weitgehend unerledigt in der Schublade.

Um die „Bearbeitung der erarbeiteten Handlungsfelder“ soll sich nun Bad Pyrmonts neue Wirtschaftsförderin Michaela Hanke kümmern.