Ein unsichtbarer Faden, gesponnen aus den schweigenden Mächten einer übersinnlichen Verbundenheit, trägt Perlen frischen Bergquells aus Wassern, die in schneeweißen Gipfeln das Sonnenlicht fangen und es auf ihrem Weg zum Meer wie Liebe in den Herzen der Menschen verteilen. So fühle ich, wenn Aurélia „Dig into my head“ singt. Sie hat ihn mit Blut, Schweiß und Tränen geschrieben, diesen Song, ich bin mir sicher, aber die Französin performt ihn, als wolle sie darin die Kraft der Gegenwart mit dem Hauch der Ewigkeit vereinen. Es berührt mich.

Zweifel und Hoffnung, Ängste und Zuversicht. Sturm und Wellen. Brandung und Gischt. Die Kraft liegt in der Ruhe des eleganten Arrangements; getragen von einer hypnotisierenden Intonation, die nur ab und zu von Schlagzeug und Gitarre durchbrochen und vom Kontrabass sonor begleitet wird. Aurélias Stimmbänder sind mit Sternenstaub überpudert; sie taucht hinab wie im Strudel und steigt fontänengleich aus diesen irren Tiefen empor. Eine regenbogenfarbene Bandbreite, ein nahezu synästhetisches Ereignis, das sie überdies mit kultivierten Pfeifen krönt. Lippenbalsam, sorgsam und bedacht verwendet.

Ich habe sie live gesehen, ich kann nicht behaupten, dass mich jeder Song umgehauen hat. „Dig into my head“ schon. Dass sie nach „Don‘t ask me why“ damit bereits zum zweiten Mal Teil der Hi(t)Story ist, entspringt keinem Zufall. Aurélia, die sich neuerdings Ella de Loria nennt, ist bewegend. Es gibt Menschen, die uns innigst berühren, ohne ein Wort zu sagen. Und es gibt Musiker, die eine Melodie erschaffen und uns damit für immer gefangen nehmen.