Von Jens F. Meyer

Neuester Clou aus der Modebranche: Braun ist das neue Schwarz, heißt es. Warum auch nicht, wenn „Gerne“ das neue „Bitte“ ist. Ist mir aufgefallen im Café. Habe zur Kellnerin „danke“ gesagt, die mit „gerne“ geantwortet hat. Geht schon seit einer Weile so, ist nicht wirklich neu, wird aber mit der Zeit immer schlimmer. Und jetzt wie gesagt das Braun, das schwarz ist. Ich wähne mich schon im Fachgeschäft auf falscher Fährte, weil die Fachkraft eine braune Hose bringt, obwohl ich eine schwarze haben wollte. Oder noch wilder: Sie bringt eine braune Jacke, weil „Jacke“ das neue „Hose“ ist. D i e neue Hose natürlich. Man muss mit allem rechnen.

Man wird mir sagen: „Ziehen Sie die mal an.“ Ich werde ungerne mit „gerne“ antworten. Mit „gerne“ antwortet schließlich jeder, nur die nicht, die mit „sehr gerne“ antworten, die sind noch schlimmer. Diese totale Komplettübertreibung geht einem nicht nur auf die Nerven, sondern klingt auch eher wie ein gut einstudiertes Mantra. Ob man also nun eine Kugel Eis haben möchte, ein Stück Kuchen oder den Kassenbon an der Tankstelle – man hört „sehr gerne“ eher als Echo dünnbrettbohrender Freundlichkeit, weil die Mimik dessen, der es sagt, nicht zur Kernaussage passt. Insofern würde mir ein „bitte“ vollkommen reichen.

Aber bitte ist out. „Bitte“ auf „danke“ zu antworten, klingt in mancherlei Ohren antiquiert. Dabei könnte man – nichts ist unmöglich – sogar noch ein „schön“ anhängen. Also: danke schön! Ich versuch‘s nach wie vor und sehe mich in meiner Hartnäckigkeit bestätigt. Denn wenn „Braun“ das neue „Schwarz“ und „Jacke“ das neue „Hose“ ist, dann ist das alles ohnehin … nun, in irgendeiner Weise … Jacke wie Hose. Schönes Wochenende.
Gerne. Sehr gerne.