Gegen Maxime le Forestiers „San Francisco“ wirkt Scott McKenzies gleichnamiges Werk wie sämiges Freiheitsgefuddel. Ich werde nicht wagen, das eine Stück gegen das andere auszuspielen, aber le Forestiers Hymne an die Liebe ist weithin epischer, verfängt sich in unseren Seelen wie Morgensonnenschein auf erdbeerroten Klatschmohnblättern, die noch vom Tau der Nacht benetzt sind, und ist von außerordentlich tiefer Sinnlichkeit. Ich hörte es zum ersten Mal als Fragment; es waren nur zwei Zeilen, die eine Freundin zum Apéritif vor einem bretonischen Steinhaus sang. Wir, ma très chère et moi, hatten ihr erzählt, im fernen deutschen Norden in einem blauen Haus zu wohnen, und sie begann:
C’est une maison bleue
Adossée à la colline.
Es lehnt nicht an einem Hügel, aber blau ist es noch immer, das Häuschen. Annie, die Pure-Butter-Bretonin, sang wunderschön, sodass ich in der Tat glaubte, ein altes Volkslied zu hören. Dass dieses Chanson ein populäres Soundgewächs aus den Siebzigern war, entstanden aus der Feder eines französischen Musikers, ahnte ich nicht. Nun weiß ich’s, höre es im maison bleue mit verzaubertem Herzen und atme le Forestiers kontemplatives Gitarrenspiel und seine wie Zauberwind über die Melodie wehende Stimme tief hinein. Wie der Atlantik am Ende der Welt seine Wellen schlägt und Merlins Zauber noch heute im Wald von Brocéliande die Zeit vergoldet, so führt mich dieser Song weit hinein in eine ferne, nahe Heimat. Das Verlangen nach San Francisco habe ich nie verspürt. Die Sehnsucht nach der Bretagne hingegen wird nie enden.