Relaxed pirscht sich Claptons Saitenschmeichelei aus dem Dunkel der Nacht, Winwoods Finger baden in den Schwarzweißen der Hammond und bereiten dem kleinen Flügel von Jimi Hendrix Auftrieb. Dann bricht sie los, die Welle, die uns hier erfasst wie ein lange vermisstes Gefühl von Freiheit. Es ist, als wollten Eric und Steve, zwei Freunde aus der Champions League des Poprock-Business, die mit Blind Faith Ende der Sechzigerjahre eine „Supergroup“ gründeten, die nicht superlange hielt, Grenzen zum Einstürzen bringen.
Und das tun sie, verflucht, ja, sie schaffen das mit einer Intensität, die Freudenfeuer in unseren Herzen entzünden. Ohne viel Brimborium drumherum, das funktionierte im Madison Square Garden 2008 fantastisch, wovon ein Doppelalbum zeugt. Einfach nur: Musik. Nach so vielen erfolgreichen Jahrzehnten muss man nicht mehr zwingend aufs Bühnenoutfit schauen. Fast schon ulkig, dass Bassist Willie Weeks im Ringelpullover die dicken Saiten zupft; eine Kluft, die man eher als Betreuer der Schildkrötengruppe im städtischen Kindergarten verorten würde. Hier schießen keine Salven aus Flammen empor, hier werden keine Konfettikanonen gezündet.
Das wahre Feuerwerk findet ganz und gar akustisch statt. Orgel und E-Gitarre im ständigen Austausch, ein musikalischer Dialog, der sich ausbreitet, als wolle er ein Segen sein, der auf uns Hörende sanft herabregnet. Und – nicht zu vergessen – diese Wunderstimme Winwoods, aus der Tiefe seiner Kehle flehend und fließend. Es ist ein Fest, fast logisch, wenn zwei Große dem vielleicht ja Größten mit ihrer Version seines Klassikers „Little Wing“ huldigen: Eine Hommage an Jimi Hendrix, die nicht weniger zu Herzen geht als das Original selbst:
Riding with the wind
When she’s sad she comes to me
Thousand smiles she gives to me
Sie reitet mit dem Wind. Wenn sie traurig ist, kommt sie zu mir. Tausendmal lächelt sie mir zu. –
Und wir lächeln mit.