Bei manchen Bands reicht das persönliche Interesse daran gerade noch für ’ne „Best of“-Scheibe. Mit Big Country ging‘s mir so. Diese schottische Rockgruppe, die im New Wave und Folk verwurzelt ist und somit einen ansprechenden Stilmix bietet, verbuchte mit „Look away“ 1986 den einzigen Charterfolg in Deutschland. Ich fand die Nummer super, alles andere vom großen Lande ließ mich kalt. Aber dieser Aufgalopp, einem nahenden Gewitter gleich, doppelwummste Mitte des Jahrzehnts als Außenseiterscheibe über den Äther bis auf die Tanzflächen. Und ein wirres Video als Knallbonbon.

Auffällig simpel die Instrumentierung, im klassischen Rockstil mit Drums, Bass und Gitarre ausgekleidet und damit untypisch für die Achtziger – aber durchsetzt von außerordentlicher Power, woran die Stimme des damaligen Sängers Stuart Adamson keinen geringen Anteil hatte. Sie klang kehlig, dräuend, heroisch, einfühlsam; sie trug alle Farben in sich und wirkte wie ein Reiter auf wildem Hengstritt durch die nebelverhangenen Highlands. Das alles nutzte wenig, denn niemals wieder erblickten Fans in Deutschland eine Chartplatzierung. In Schottland ist das anders: Dort gehört Big Country nach mehr als zwei Dutzend Alben noch heute zur Rockelite und wird von einigen als „die am meisten unterschätze Rockband“ gelistet. Eine Band, die im Wandel der Zeit ihren Sänger durch Suizid verlor, aber noch heute besteht.

Und ich? Ich kaufte mir in den Neunzigerjahren „The Collection“, ohne darauf zu achten, was die CD enthält. „Look away“ ist nicht drauf. Was bin ich für ein Honk.