Von Jens F. Meyer
Dass zu nachtschlafender Stunde Klütturm und Pfortmühle in Licht getaucht werden, habe ich immer für sinnlose Energieverschwendung erachtet. Weiß der Teufel, weshalb Kommunen landauf, landab – nicht nur die Rattenfängerstadt – sich seit Jahren den Luxus erlaubten, ihre architektonischen Juwele für Fuchs, Hase und Fuseleulen anzustrahlen. Die meisten anderen sind jedenfalls schlafen oder müssen arbeiten, weshalb sie vermutlich kaum mit Ahs und Ohs vor diesen bemerkenswerten Fassaden stehen.
Zumal: Wenn ich keine Kohle habe, dann mache ich das Licht aus, um zu sparen. Nun musste erst eine Energiekrise auf uns zumarschieren, um den Stadtoberen aus Rat und Verwaltung Erleuchtung zu bringen. Vorher wären sie nicht auf die Idee gekommen, obwohl vorher auch schon die Kassen leer waren. Seltsam.
Wenn ich es richtig verstanden habe, geht‘s nicht mehr nur um Turm und Tolles, sondern um Straßenlaternen, die für fünf bis sechs Stunden abgeschaltet werden sollen. Es gibt Menschen, die halten diese Maßnahme für eine düstere Aussicht. Ich freue mich hingegen für Nachtfalter und -schwärmer, die zusehends an der Lichtverschmutzung zugrunde gehen. Rein naturnah betrachtet das Beste, was ihnen und uns passieren kann.
Jetzt kommt der Haken: Die Lampen, sie leuchten Nacht für Nacht, zumindest in jenem Viertel, in dem ich mich aufhalte. Ich hatte jahrelang angenommen, dass in Hameln die Lichter langsam ausgehen (…), stelle aber fest, dass selbst das nicht gelingt. Obwohl der Ratsbeschluss ein h e l l ig war, ist noch nichts geschehen. Ob wir‘s bis zum Krisenende hinkriegen?