Ein Juwel gewinnt an Strahlkraft

Hameln-Pyrmont (ey). Kalter April, kühler Mai – na und? Wenn uns warm ums Herz werden soll, dann gehen wir eben Blüten gucken – und zwar dort, wo sie nach Vorbild eines englischen Landschaftsgartens so stilprägend sind wie in keinem anderen Park in der Umgebung: im Ohrbergpark. Ein alter Hut? Von wegen: Es handelt sich um ein Juwel, das im Mai so hell und schön erstrahlt wie in keinem anderen Monat. Das hat zwei Gründe. Der eine: Rhododendren. Der andere: Azaleen.

Die lausige Witterung der vergangenen Wochen hat die Blütenbildung nicht ausgebremst, wohl aber verzögert. Insofern haben diejenigen, die das Naturschauspiel sehen möchten, noch nichts verpasst. In den anstehenden Wochen werden die jahrzehnte- bis sogar jahrhundertealten Sträucher wieder reichhaltig blühen.

Insgesamt stellt der Ohrbergpark eine botanische Kostbarkeit dar, und es ist Georg Adolph von Hake zu verdanken, dass es diese Anlage gibt. Er hatte im Jahr 1815 das Militär verlassen und suchte neuen Lebensinhalt, indem er die Anlage nach und nach entstehen ließ. In der Schweiz und in England hatte er die zu jener Zeit modernen Landschaftsparks bewundert – und so wurde er selber zu einem Gartengestalter. Bereits 1817 begann er, den bis dahin als Schafweide genutzten südlichen Teil des Ohrbergs zu bepflanzen. Acht Jahre später ließ er einen Pavillon zur besseren Beaufsichtigung der gärtnerischen Arbeiten an jener Stelle bauen, wo heute das Gaststätten-Gebäude steht. Geradezu genial gestaltet ist die Parkanlage mit dem verzweigten Wegesystem, den großen Rasenflächen, vor allem aber mit dem sorgfältig gruppierten herrlichen Baumbestand mit heimischen und exotischen Exemplaren. Sie bilden das ganze Jahr über einen attraktiven Anziehungspunkt.

Doch jetzt bald, im Spätfrühling, beginnt der Rausch der Farben, begleitet vom Wohlgeruch der Azaleen. Sie blühen in allen Farbvarianten und wetteifern mit den nicht minder prächtigen Rhododendren, aber auch mit Flieder, Goldregen und anderen, zum Teil sehr seltenen Blütensträuchern und -bäumen. Da ist zum Beispiel der Taschentuchbaum. Wenn er blüht, hängen Tausende Blüten an seinen Ästen, die wie Taschentücher aussehen. Ein Mammutbaum, der jedes Jahr um einige Zentimeter an Höhe zulegt und über 1000 Jahre alt werden kann, wurde einstmals ebenfalls gepflanzt. Zum reichhaltigen Gehölze- und Baum-Ensemble gehören auch Libanonzeder, Ginkgo, Schwarznuss und Schneeglöckchenstrauch. Insgesamt ist mit den Jahrzehnten eine besondere Mischung entstanden und gepflegt worden. Über 100 verschiedene Gehölze-Arten sind hier zu sehen, zu riechen, zu fühlen. Und quasi als Krönung gibt’s für Wanderer, Spaziergänger und Entdecker den schönen Blick vom Berg hinab auf Weser, Land und Rattenfängerstadt.