Wo sind die Äpfel?

Falkenhagen (afk). 2017 fällt die Ernte aller Obstarten, wie Kirsche, Pflaume mit Mirabelle und Reneklode, Birne, Apfel und Walnuss schlecht bis sehr schlecht, in manchen Regionen sogar total aus. Das bekommen nicht nur die privaten und professionellen Erzeuger, sondern auch unter anderen die Mostereien zu spüren. Vergangene Woche machte das Mostmobil aus Bad Salzuflen nach 2016 zum zweiten Mal Station in Falkenhagen. Der Heimat- und Verkehrsverein als Organisator hatte sich schon letztes Jahr nach dem riesigen Erfolg mit angelieferten knapp drei Tonnen Äpfeln, Birnen und Quitten die Dienste dieser mobilen Saftpresse gesichert – hatte aber die Rechnung ohne Petrus gemacht, denn diesmal kamen gerade mal 800 Kilogramm zusammen.

„Die besonders frühe Blüte 2017 und die bereits früh angesetzten Früchte wurden durch Fröste vernichtet. Die danach lang anhaltende Trockenheit in vielen Gegenden führte dann auch noch zu starkem Fruchtfall“, kennt Wolfgang Diekmann, der in diesen Wochen mit seiner mobilen Mosterei von Ort zu Ort zieht, die Gründe. „In diesem Jahr wurden deshalb viele Termine wegen geringer Mengen abgesagt.“. Unter 500 Kilogramm angemeldete Obstmengen pro Termin lohnt sich für ihn der Aufwand nicht. Der Heimat- und Verkehrsverein Falkenhagen bekam aus der Bevölkerung Rückmeldungen für rund 800 Kilo fast ausschließlich Äpfel und einige Birnen. Das reichte Diekmann, und so rollte der Anhänger mit der kompakten mobilen Mostereianlage aus leichtem Aluminium wieder vor das Dorfgemeinschaftshaus.

Vereinsvorsitzender Jörg Schrader und seine Vorstandsmitglieder hatten einen Stundenplan ausgearbeitet, um längere Wartezeiten zu vermeiden. Die Anlage kann stündlich 750 Kilo Steinobst verarbeiten, die etwa 550 Liter Saft ergeben. Die nicht zu versaftenden Bestandteile, der sogenannte Trester, wird in Falkenhagen Jägern zur Wildfütterung zur Verfügung gestellt. Aber auch die 45 Jungen und Mädchen der Kita Falkenhagen probierten davon und natürlich auch vom frischen Saft. „Lecker“, freute sich Frederik und leckte sich die letzten Reste mit der Zunge von der Lippe. „Das schmeckt wie Zuckerwatte.“ Mitgebracht hatte die Kita auch drei Körbe voll mit gesammelten Äpfeln. Die Kinder verfolgten aufmerksam, wie daraus der Natursaft wurde.

Der traditionelle Streuobstanbau, die Baum- und Streuobstwiesenpflege sowie die Verwertung des Obstes in der Erntezeit ist die Grundlage für das Mosten in unserer Region. Dieser Einsatz mit einer mobilen Anlage hat vor allem einen ökologischen Aspekt, wie Diekmann erläutert: „Ohne attraktive und wirtschaftliche Verwertungsmöglichkeiten für die anfallenden Früchte werden wertvolle, alte Streuobstbestände nicht mehr gepflegt und Neuanlagen können nicht mehr entstehen. Deshalb bieten wir den Bürgern, Vereinen, Verbänden, Kirchengemeinden, Schulen, Kindergärten und Obsthöfen der Region an, zu ihnen zu kommen und individuell auch vor Ort zu pressen.“

Auch wenn die Menge in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurückblieb, soll das Mostmobil auch 2018 wieder nach Falkenhagen rollen, haben Jörg Schrader und Wolfgang Diekmann verabredet, denn sie sind sicher: Im nächsten Jahr wird wieder deutlich mehr Obst in den Gärten wachsen.