Lückenschluss wird wahrscheinlicher

Hameln-Pyrmont (mafi). Die Havarie beim Bau eines Eisenbahntunnels im August 2017 in Rastatt am Rhein könnte für das gut 400 Kilometer entfernte Weserbergland eine ungeahnte Bedeutung entfalten. Nach dem Zwischenfall in der Tiefe war die darüberliegende Rheintalbahnstrecke für sieben Wochen außer Betrieb gesetzt – dabei ist sie eine Schlagader des europäischen Bahnverkehrs. Täglich bis zu 30000 Reisende mussten während der Sperrung mit Bussen befördert werden, auch der Güterverkehr ließ sich teils nur noch über die Straße abwickeln. Ein Kollaps, der den Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium die Augen geöffnet hat – und damit demnächst wohl auch ihre Kasse. Die Befürchtung, dass auch der Bahnverkehr in Hannover einmal zusammenbrechen könnte, hat durch die Erfahrungen unter anderem in Rastatt neue Nahrung erhalten. Zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet wäre im Störfall eine Umfahrung des Knotens via Hameln überaus nützlich. Deshalb ist nach Einschätzung von Insidern die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Bahnstrecke Hameln–Elze bald elektrifiziert wird.

Das Bahnprojekt Hameln– Elze war Ende 2016 überraschend in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen worden. Gegen das ungewöhnliche Verfahren – ohne die Information und Diskussion in der betroffenen Region – hatten die meisten Anrainer der Strecke, darunter Hameln-Pyrmonts Landrat sowie Hamelns und Bad Pyrmonts Stadtchefs, beim Bund protestiert. Der hatte daraufhin versprochen, das weitere Verfahren sehr transparent zu gestalten. Doch seit einem Jahr herrscht Funkstille. Das Gutachten, mit dem das Ministerium den Ausbau bewerten lässt, verzögert sich.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), ist aber, wie er sagt, „in froher Erwartung“, dass der Bund einen Fahrdraht auf dem 29 Kilometer langen Abschnitt nach Elze ziehen wird. „Es wird wohl ein Sonderprogramm zur Netzergänzung geben“, kündigt der Politiker im Gespräch an. Kleine Lückenschlüsse sollen das über Jahrzehnte geschrumpfte Bahnnetz wieder belastbarer machen. Bevor es hier zu Beschlüssen kommen kann, müsse die neue Regierung gebildet und der Bundestag voll arbeitsfähig sein. „Ein volkswirtschaftlicher Nutzen ist bei einer Elektrifizierung immer vorhanden“, sagt Ferlemann. Für den Bund gehe es darüber hinaus um weitere Vorteile für den Fernverkehr.

Ferlemann hat den Protest von Teilen des Weserberglandes gegen den zeitweise erwogenen Ausbau der Wesertalstrecke zwischen Löhne über Hameln nach Elze zur Hauptgütertrasse noch in den Ohren. „Beim jetzigen Projekt geht es nicht um einen zweigleisigen Ausbau, sondern nur um den Fahrdraht“, betont er – wenngleich sich das in der Projektbeschreibung zum Bundesverkehrswegeplan anders liest. Ferlemann versichert: „Es wird keinen großen Mehrverkehr von Güterzügen geben.“ Das Projekt wird vom Bund im Zusammenhang mit dem Ausbau der Weddeler Schleife bei Braunschweig betrachtet. Dort wollen das Land und der Regionalverband Großraum Braunschweig ein zweites Gleis mitfinanzieren, um den Personennahverkehr nach Wolfsburg deutlich zu verbessern. Ein Halbstundentakt würde möglich. Die Planungen sollen Mitte 2019 abgeschlossen und das Gleis 2023 gelegt sein. Von den 150 Millionen Euro Gesamtkosten will der Bund die Hauptlast tragen, weil auch der Personenfern- und der Güterverkehr profitieren werden, wie es heißt. Da dürfte der durchgängige Fahrdraht nach Hameln diesen Vorteil erst richtig wirksam werden lassen.