Zwei Dörfer zum Verlieben

Von Jens F. Meyer

Lachem / Fuhlen. „Das hier ist Butterstreuselkuchen, das da Zwetschge, und hier gibt’s auch noch Donauwelle.“ – In Fuhlen hatte die Dorfgemeinschaft am Backhaus, wo der Ofen am Nachmittag auch für Herzhaftes angefeuert wurde, ein leckeres Kuchenbuffet aufgetischt. Da saßen sie nun also in der Sonne, die vielen Gäste aus nah und fern, gut versorgt, und ließen nicht nur die Leckereien sacken, sondern auch die vielen Eindrücke. Was hatte Künstlerin Angela Skorka eben noch gesagt? „Der kreative Prozess ist nicht aufzuhalten, wenn er erst einmal ins Laufen gekommen ist. Dafür stehe ich nachts schon auch mal auf und fange an zu malen oder zu skizzieren.“

In Lachem und Fuhlen

halten sie echt zusammen

Auf dem Hof Meyer hatte sie ihre farbgewaltigen Werke, mit Acryl auf Leinwand gebannt, präsentieren dürfen und wurde von der Familie dort nicht nur beherbergt, sondern auch tagsüber mit Essen versorgt. Wie das eben so ist bei „Kunst im Weg“. Zum vierten Mal übrigens schon. Die halten zusammen. In Fuhlen. Und in Lachem. Zwei Dorfgemeinschaften, die es erneut verstanden, für eine besondere Veranstaltung auch besondere Mühen aufzuwenden. Für Essen und Trinken sorgen. Den Künstlern Kost und Logis bieten. Und: Den vielen Darstellungen, ob Bild, ob Plastik oder Installation, Platz zu schaffen, dort, wo sonst der Heuwagen steht, Traktoren oder Kartoffelkisten.

Barbara Jahn-Deterding und Britta Samsen-Huch, federführende Organisatorinnen für dieses nur alle zwei Jahre stattfindende Event des Culturvereins Hessisch Oldendorf, sind nach den zwei Tagen hochzufrieden mit der Resonanz. Fast 200 Gäste waren zur Vernissage in die große Scheune des Künstlers Heißmeyer in Lachem gekommen, wo der Hannoveraner Tom Otto seine herausragenden Objekte aus Holz zur Schau stellte. „Wir mussten noch Stühle heranschleppen.“ Letztlich hatten sich am vergangenen Wochenende über 1000 Besucher auf die Socken gemacht. Manchen ging es allein um die Werke, teils präsentiert von bundesweit bekannten Künstlern, anderen darum, auf diese Weise außerdem die beiden idyllischen Dörfer auf ungewöhnlichen Pfaden neu entdecken zu können.

Und es ist ja auch wahrhaftig ein Geschenk, erst im kleinen Kirchlein Lachems die fotografischen Werke eines Jean Michel Richard bewundern zu dürfen, sogleich einen Blick zum Altar zu werfen, innezuhalten und dem Orgelspiel zu lauschen, um einige Minuten später am Stand der Freiwilligen Feuerwehr ein rostbraun gebratenes Würstchen zu genießen. Und dann weiter: zur alten Stellmacherei oder zur Schmiede, wo die Collagen von Claude Sikora erstaunliche Wirkung erzielen. Als wenn sie nie woanders hängen würden.

Man wünschte sich „Kunst im Weg“ auf diese Weise jährlich und nicht bloß im Zwei-Jahres-Takt. Aber erstens ist der Aufwand immens, zweitens bleibt das Besondere besonders, wenn es nicht omnipräsent wird. Und drittens, ja, drittens vermag ja gerade die länger andauernde Vorfreude auf 2020 ein Glücksgefühl in jeden neuen Tag zu bringen.