Mit schrägen Typen gegen die Trübsal

Hameln-Pyrmont (mes). Herbstblues? Aber nicht im Landkreis Hameln-Pyrmont! Hier wird der November bunt und lebendig, laden Theater, Museen und andere Veranstaltungslocations ein, die dunkle, ungemütliche Jahreszeit draußen zu lassen. Adventsausstellungen machen Lust auf weihnachtliche Dekorationen im Zuhause. Und nicht zuletzt dürfte sich der ein oder andere sicherlich schon freuen auf Zimtduft und Glühweinfreuden: Ende November starten bereits die ersten Weihnachtsmärkte der Region. Kein Grund also, Trübsal zu blasen, sondern sich mit allen Sinne auf den kommenden Monat zu freuen!

Ganz schräg geht es im Theater Hameln zu, denn die Addams Family treibt Freitag, 16. November, 19.30 Uhr dort ihr Unwesen. Halloween wird also verlängert, die Kultserie der 60er-Jahre ist zurück! Die berühmte Melodie mit dem Fingerschnippen beginnt, der Vorhang geht auf und das Wiedersehen mit der bizarren Familie kann beginnen. Erzählt wird die Geschichte von Tochter Wednesday, die sich in den hübschen und intelligenten, leider aber völlig normalen Lucas verliebt. Das Zusammentreffen der perfekten amerikanischen „Kernfamilie“ und ihrer satirischen Umkehrung in Gestalt der Addams Family bietet denn auch allerlei Zündstoff und das gemeinsame Kennenlern-Abendessen beider Familien ist an Skurrilität und Witz kaum zu überbieten. Seit der Uraufführung des Musicals in Chicago 2009 erobert Die Addams Family die deutschen Musicalbühnen und ist jetzt erstmals in Hameln zu sehen.

Es gibt wohl kaum jemanden im deutschen Kabarett, der sich so wortgewaltig und dabei voll eleganter Eloquenz ausdrücken kann wie Jochen Malmsheimer. Dem Staatsbad Pyrmont ist es gelungen, den Kabarettisten ins Konzerthaus zu holen. Freitag, 23. November, unterhält er mit seinem Programm „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“ ab 19.30 Uhr das Publikum gekonnt humorvoll. Der Titel lässt bereits Großes erwarten, das der Abend mit Sicherheit halten wird. Machen wir uns doch nichts vor: Kabarett ist dieser Tage wichtiger denn je! Die gefühlte Idiotenkonzentration, die allgemeine, bimssteinerne Generalverblödung und präsenile Allgemeinabstumpfung, kurz: die cerebrale Fäulnis in diesem Land war, subjektiv gefühlt, immer schon hoch, aber nun lässt sich dieses trübe Faktum nicht mehr nur im Experiment nachweisen, sondern ist für uns alle, die wir über ein entwickeltes humanoides Sensorium, über Geist, Witz, Verstand und Geschmack verfügen, fühlbar im Freiland angekommen. Und dort im Freiland zeltet der phänomenale Jochen Malmsheimer, bereit, sich diesem geradezu enzephalen Unsinn in den Weg zu stellen.

Währenddessen wird in Hessisch Oldendorf gelacht und geswingt: Das KulTourismusForum lädt zu gleich vier kulturellen Terminen ein. Da wäre zum Beispiel Fatih Çevikkollu mit seinem Programm „Fatihland“ am Freitag, 23. November, 19.30 Uhr. Zum besten Newcomer des Jahres avancierte er endgültig mit dem Gewinn des Prix Pantheon 2006. Auf der Bühne erzählt er mit dem Blick eines in Deutschland geborenen Türken und einer gehörigen Prise Selbstironie über seine Kindheit in Köln, die stundenlangen Autofahrten zu Beginn der Sommerferien in die Heimat („Gefangen im Taunus in die Türkei“), über Bauchtanzkurse in der Volkshochschule („Das ist so, als ob du in der Badewanne tauchen lernst“) und über den Deutschen in sich („Ich spürte in mir die Lust am Recht auf Empörung“). Er überrascht die Zuschauer mit seiner Figur des Brasilianers und Frauenhelden Joao, der auf unnachahmliche Weise Rilke zitiert, und im Gegensatz zu den Türken als Latin Lover nicht mit einem grundsätzlichen Imageproblem zu kämpfen hat. Und wenn Fatih Çevikkollu den Marlon Brando als „Pate“ im Kölner Dialekt gibt, bleibt kein Auge trocken.

Und dann wird es schließlich besinnlich: Die Weihnachtsmärkte eröffnen (am 26. November in Hameln und am 29. November in Bad Pyrmont) und bringen uns in Stimmung für den Dezember. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…