Die Masern-Misere

Hameln-Pyrmont (mes). Masern sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Eigentlich sollten sie bald ausgerottet sein. Doch weil einige Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen wollen, breitet sich die gefährliche Krankheit weiter aus. Auch im Landkreis Hameln-Pyrmont ist jetzt seit Jahren mal wieder ein Masernfall aufgetreten.

Die Masern sollten eigentlich bis 2020 ausgerottet werden. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Infektionen aber um bis zu 30 Prozent zugenommen, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein Grund sei die wachsende Zahl der Impfgegner in Industrienationen und in arabischen Ländern. Auch in Deutschland ist die Zahl der Masernerkrankungen angestiegen. Im Jahr 2017 wurden beispielsweise 929 Fälle gemeldet, 2016 dagegen nur 325. Um Ausbrüche zu verhindern, müssten 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Doch in Deutschland wird diese Quote nicht in allen Altersgruppen erfüllt. Und auch nicht im Landkreis Hameln-Pyrmont.

Hier liegt die Durchimpfungsrate der Einschüler von 2017 nur bei 91,5 Prozent – knapp unter dem Vorjahreswert von 92,4 Prozent. Andere Daten (zum Beispiel für Erwachsene) liegen nicht vor, gibt Kreissprecherin Sandra Lummitsch auf Nachfrage von HALLO zum Sonntag Auskunft. Aber: „Generell sind die Durchimpfungsraten gerade für Masern, Mumps und Röteln seit Anfang des Jahrtausends kontinuierlich gestiegen“, sagt sie. 2004 waren beispielsweise nur 50,4 Prozent der Erstklässler vollständig gegen Masern geimpft. Somit könne man nicht von einer allgemeinen mangelnden Impfbereitschaft im Landkreis Hameln-Pyrmont sprechen.

Die Masern sind extrem ansteckend und entgegen hartnäckiger Gerüchte keine unbedenkliche Kinderkrankheit. Die Viren werden beim Sprechen, Husten oder Niesen über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen. Die Erkrankung geht zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. Die Infektion schwächt das Immunsystem immens, weitere Infektionen sind darum häufig. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher, die erste Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten und die zweite im zweiten Lebensjahr im Alter von 15 bis 23 Monaten durchführen zu lassen. Bei bevorstehender Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung, wie beispielsweise in eine Kita, kann die erste Impfung auch bereits ab einem Alter von neun Monaten erfolgen. Die zweite kann frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung durchgeführt werden.

Eine einmalige Impfung gegen Masern ist generell für alle Erwachsenen empfohlen, die nach 1970 geboren wurden und noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar ist. Es sollte vorzugsweise MMR-Impfstoff verwendet werden. Natürlich können Impfungen auch Nebenwirkungen haben, auch Komplikationen können vorkommen – diese sind jedoch äußerst selten. Laut Gesundheitsministerium liegt die Zahl der anerkannten Impfschäden in Deutschland bei durchschnittlich 34 pro Jahr – bei rund 50 Millionen Impfungen. Zum Vergleich: Die Gefahr, an den Masern zu sterben, ist viel höher. Einer von 10000 Infizierten überlebt die Krankheit nicht.

Eltern, die ihren Kinder den Pikser ersparen wollen oder vermeintliche Nebenwirkungen fürchten, könnten ihrem Nachwuchs also eher schaden statt nutzen. Außerdem bringen sie andere Kinder in Gefahr, die noch zu jung sind für eine Impfung. Die WHO führt Impfgegner deshalb nun als Bedrohung für die Weltgesundheit.