Die Weser ist aus ihrem Bett gekommen

Weserbergland. Wie sich die Zeiten ändern! Fünf Monate ist es her, da wurde die Weser zum Flüsschen, fiel der Pegel bei Wehrbergen auf 45 Zentimeter. Die Wassermengen, die seinerzeit aus den Talsperren Diemel und Eder abgegeben wurden, waren kaum der Rede wert. Mit dem Wasser der Edertalsperre konnte die Weser nicht mehr gestützt werden, denn: Auch in dem künstlich aufgestauten See herrschte im Oktober vergangenen Jahres Ebbe.

Derzeit schwillt der Fluss an, die Diemeltalsperre läuft nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) bereits seit Freitag über. So weit wird es bei der Edertalsperre nicht kommen, weil nach Angaben von Bau-Ingenieur Jiri Cemus vom WSA in Hannoversch Münden im Moment genau so viel Wasser abgelassen wird, wie zuläuft. Am Montagmittag hatte der Weser-Pegel bei Wehrbergen allerdings schon die Vier-Meter-Marke überschritten. Tendenz: steigend. Während in Hameln lediglich Weserauen überflutet sind, stehen in Bodenwerder bereits Teile der Promenade unter Wasser. Der Abstand zwischen Fluss und Häusern ist aber noch relativ groß.

Die Fähre Großenwieden stellte am Montag ihren Betrieb ein – „aufgrund der aktuellen Hochwassersituation“, wie die Landkreisbehörde mitteilte. Auch die Fähre in Grohnde wird nach Angaben des 1. Emmerthaler Gemeinderates Elmar Günzel in dieser Woche nicht fahren – „bis auf weiteres“. Auch für die Stadtwerke Hameln, die auf dem Werder und an der Pfortmühle drei Wasserkraftwerke betreiben, hätte der derzeit hohe Wasserpegel Konsequenzen. „Würden unsere drei Anlagen nicht bereits aufgrund von Revisions- und Reparaturarbeiten stillstehen, hätten wir die Turbinen jetzt abschalten müssen“, sagt Natalie Schäfer von den Stadtwerken. Für den Betrieb der Wasserkraftanlagen sei nämlich ein Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser von mindestens 1,20 Meter notwendig. Diese Fallhöhe ist derzeit nicht mehr gegeben.

Während die Wasserbauer mit dem Schwimmgreifer „Bodenwerder“ unterhalb von Hameln Untiefen beseitigen oder von Bord des Baggerschiffes ufernahe Büsche zurückschneiden, halten sie dieser Tage allerdings „scharf Ausschau“ nach Treibgut, denn: Von der Flut mitgerissene Baumstämme stellen gefährliche Schifffahrtshindernisse dar. „Wenn ein größeres Treibgut-Stück gesichtet wird, entfernen wir es sofort“, sagt der Leiter der WSA-Außenstelle Hameln Michael Bruns. Am Dienstag findet daher eine Streckenkontrollfahrt statt. Der Schlepper „Werra“ muss ohnehin zur Werft nach Minden.

Beim Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden spricht man im Übrigen von einem „komfortablen Wasserstand“. Der HSW, also der höchste schiffbare Wasserstand, liegt in Hameln bei 4,65 Meter. „Am Dienstag werden wir in Hameln lediglich einen maximalen Wasserpegel von 4,30 Meter bis 4,40 Meter haben. Danach fällt die Weser wieder. Den Wetterprognosen zufolge bleibt es ein, zwei Wochen trocken. Dadurch entspannt sich die Lage.“ Genug Zeit für das WSA, in den Talsperren Hochwasserschutzräume, also Platz für neues Regenwasser, zu schaffen.